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Pinneberger Tageblatt

27. September 2016 | 12:25 Uhr

Masterplan : Elmshorn kämpft gegen das Wasser

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Kooperation mit dem Umland ist nötig. Die Stadt erhält Fördermittel des Bundes für das Projekt „Karl“.

Elmshorn | Das höchste Gefährdunsgpotenzial für die Stadt Elmshorn? Wasser. Denn Elmshorn liegt zwischen Marsch und Geest. Besonders in den tiefergelegenen Gebieten im Nordwesten herrscht Überflutungsgefahr. Die soll in den kommenden Jahren gebannt werden. Doch das schafft Elmshorn nicht allein. Die Stadt braucht das Umland. Bei höheren Wasserständen in der Krückau soll das Oberflächenwasser in Zukunft beispielsweise Richtung Raa-Besenbek, in Richtung Marsch abgeleitet werden. „Bei diesem Konzept sind wir auf das Umland angewiesen“, betont Joachim Grafe, Betriebsleiter der Stadtentwässerung.

Bei hohen Wasserständen  in der Elbe wird das Krückausperrwerk an der Mündung in die Elbe geschlossen. Aus dem Oberlauf der Krückau fließt aber weiter Wasser auf. Es kommt zu hohen Wasserständen im Elmshorner Hafen. Kommt es zeitgleich zu Starkregen, kann der Niederschlag nicht mehr von der Krückau aufgenommen werden.  Das Wasser staut sich im Entwässerungssystem. In der Stadt und im Umland kann es zu Überflutungen kommen.

Elmshorn will den Kampf gegen das Wasser aber nicht auf Kosten der Umlandgemeinden gewinnen. „Auch das Umland wird profitieren“, betont Thomas Beiersdorf von der Stadtentwässerung. So könnte sich Elmshorn an dem Ausbau von Schöpfwerken und Gräben in den Umlandgemeinden finanziell beteiligen. Ziel: Das Regenwasser soll nicht mehr quer durch das Elmshorner Stadtgebiet geführt und dann in die Krückau gepresst, sondern kontrolliert ins Umland abgeleitet werden.

Die Stadt ist dabei, einen Masterplan aufzustellen: Ein Kernstück ist Karel – KlimaAnpassung des Regenwassernetzes von Elmshorn und Umland. Ein Bundesprojekt, an dem die Stadt Elmshorn, die technische Universität Hamburg und die TuTech Innovation GmbH beteiligt sind. Für zwei Jahre zahlt der Bund einen Mitarbeiter, der sich bei der Stadtentwässerung um das Projekt kümmert. Auch die Uni wird für Untersuchungen Fördermittel erhalten. In der Machbarkeitsstudie werden die Stadt Elmshorn und das Umland gemeinsam betrachtet. Auch Klimafaktoren finden Berücksichtigung. „Es regnet nicht mehr als früher, aber die Niederschläge verschieben sich“, sagt Beiersdorf. Vor allem im Winter kämpft Elmshorn gegen das Wasser von oben.

Die Stadt und das Umland gegen Überflutungen schützen: Laut Grafe ein Millionenprojekt, das über Jahre umgesetzt werden soll. Der Anfang ist gemacht. Noch in diesem Jahr stehen 50.000 Euro zur Verfügung, 2017 dann 124.000 Euro. Laut Beiersdorf müssen insgesamt 39 Kilometer Gräben in Raa-Besenbek und 33 Kilometer in Wisch-Kurzenmoor aufgemessen werden. Hinzu komme das Aufmaß von 287 Durchlässen und 45 Brücken. Auch die Leistungsfähigkeit der Schöpfwerke in Seester und Raa-Besenbek werden geprüft. Mit den Wasser- und Bodenverbänden in Wisch-Kurzenmoor und Raa-Besenbek laufen bereits Abstimmungsgespräche.

Misstrauen der Nachbargemeinden

Trotzdem: In trockenen Tüchern ist noch gar nichts. Und Beiersdorf verhehlt nicht, dass es in den Nachbargemeinden ein gewisses Misstrauen gegenüber der Stadt gibt. Will der Große sein „Wasserproblem“ auf Kosten der „Kleinen“ lösen? Diese Vorbehalte gilt es in den kommenden Monaten auszuräumen. Und laut Beiersdorf gibt es auch keine Garantie, dass die Verbände und Gemeinden später den gemeinsamen Projekten auch zustimmen.

Plan B ist extrem teuer, nicht flexibel und im Gesamtkontext aus Sicht der Stadtentwässerung nicht nachhaltig. Die Stadt Elmshorn müsste die Entwässerungskanäle vergrößern, drei weitere Schöpfwerke entlang der Krückau und zirka zehn kleinere innerhalb der Stadt bauen. Elmshorn und seine Nachbarn: Beim Kampf gegen das Wasser sollen sie an einem Strang ziehen.

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erstellt am 17.Sep.2016 | 15:00 Uhr

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