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Pinneberger Tageblatt

04. Dezember 2016 | 19:26 Uhr

Landschaftspflege : Ellerhoops beste Rasenmäher

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Wasserbüffel von Torben Glismann kümmern sich um Gras und andere Gewächse in der Bilsbek-Niederung.

Ellerhoop | Sie sehen mächtig aus und senken entspannt ihre ausladenden Hörner, um Gras auf einer Wiese am Waldrand zu rupfen. Ein idyllisches Bild. Die fünf stattlichen Wasserbüffel gehören dem Landwirt Torben Glismann aus Ellerhoop. „Es sind Tiere, die mit Menschen eine Bindung eingehen“, sagte er, der trotzdem jedem empfiehlt, das Areal nicht zu betreten, es sei denn, mit ihm.

Wasserbüffel gehören zu den Rindern und zur Familie der Hornträger. Ursprünglich stammen die Tiere vom indischen Subkontinent. Ausgewachsene, wilde Wasserbüffel bringen es auf eine Kopf-Rumpf-Länge von fast drei Metern, einer Schulterhöhe von 180 Zentimetern und wiegen mehr als eine Tonne. Domestizierte Tiere werden jedoch deutlich kleiner und wiegen selten mehr als 500 Kilogramm. Die Büffel eignen sich insbesondere zur Landschaftspflege, weil sie sehr robust und widerstandsfähig gegen Krankheiten, Klimaeinflüsse und Witterung sind. In der Fütterung sind sie relativ anspruchslos und können grobes Futter wie Binsen, Ampfer, Schilf oder Brennnesseln gut verwerten. Zur artgerechten Haltung gehört laut Landesanstalt für Entwicklung der Landwirtschaft Schwäbisch Gmünd eine jederzeit erreichbare Wasserstelle, in der die Tiere sich suhlen können.

Mindestens einmal am Tag besucht er seine Tiere, die im Hammoor oder in der Bilsbek-Niederung grasen. Sie warten schon auf ihn und gehen auf ihn zu, um sich eine Streicheleinheit abzuholen. Einer der Büffel legt sich auf die Seite, um am Bauch gekrault zu werden. Sofort eilt ein zweiter herbei, um ebenfalls in den Genuss zu kommen. Glismann hat fünf Büffel, drei Kühe, ein Kalb und einen Bullen. Namen haben sie auch: Heidi, Gesche, Nelli, Rosa und Lukas.

Wieso Wasserbüffel? In einer Fernsehreportage wurde über Wasserbüffel berichtet, und er fand die Tiere imponierend. Richtig gefunkt hat es, als er mit seiner Freundin zur Landwirtschaftsmesse nach Rendsburg fuhr und dort diese Tiere sah. Er kam mit dem Besitzer ins Gespräch. Der Entschluss war gefasst. Glismann ließ sich zuerst die Kühe kommen. Aus Niedersachsen. Aufgeregt fuhr er frühmorgens dorthin, um persönlich den Transport zu überwachen. „Sie wurden das erste Mal verladen, und ich wollte dabei sein, damit sie keine schlechten Erfahrungen machen“, sagte er. Glismann, der auf dem Hof seines künftigen Schwiegervaters Joachim Uhl arbeitet, brachte die Tiere zunächst in den Stall, später auf die Hauskoppel. „Es war aufregend, aber alles klappte gut“, sagte er.

Später kam der knapp ein Jahr alte Bulle dazu. „Er muss sich erst seinen Rang zum Boss erarbeiten, indem er etwa die Kühe von der Wasserstelle wegdrängt, um als Erster zu trinken“, so Glismann.

Einsatz der Büffel als Naturschützer

Glismann hat sich Wissen um diese Tiere selbst angeeignet. Die Idee keimte auf, sie im naturgeschützten Hammoor weiden zu lassen. „Diese Könige der Sümpfe betreiben auf natürliche Art Landschaftspflege“, erläutert er. Sie würden die Vegetation niedrig halten und sorgten so dafür, dass sich wieder Bodenbrüter wie Kiebitze ansiedelten. Sie fräßen alles von Binse und Brennnessel über Schilf bis zur Diestel. Und sie könnten aufgrund ihrer speziellen Klauen über sumpfiges Gebiet gehen, ohne einzusinken.

„Im Sommer brauchen sie Schlammbäder für ihre Körpertemperatur-Regulierung, die bietet ihnen das Moor auch“, so Glismann. Er hielt einen Vortrag bei einer Versammlung des Hammoor-Vereins und machte mit der Unteren Naturschutzbehörde eine Begehung im Hammoor. Alle waren von den wilden Weidetieren angetan. „Sie bewirtschaften das Moor und schaffen ein ausgeglichenes Ökosystem“, so Glismann.

Die Tiere gehören zu den Hornträgern.
Die Tiere gehören zu den Hornträgern. Foto: Pergande
 

Das Gras im Moor müsse einmal im Jahr abgetragen werden, das könnten die Büffel erledigen. Gemeinsam mit Schülern der Elsa-Brändström-Schule in Elmshorn, die jedes Jahr im Hammoor arbeiten, wurde ein 1,4 Hektar großes Gebiet eingezäunt. Die Kosten für die Umzäunung trug der Hammoor-Verein. Das Experiment glückte. Der hohe Bewuchs wurde von den Büffeln abgetragen.

„Sie fühlen sich auf ihren Flächen wohl“, weiß Glismann, der als erster im Kreis Pinneberg Wasserbüffel in Naturschutzgebieten ohne Nutzung weiden lässt. Die Naturschutzbehörde war bei der zweiten Begehung laut Glismann begeistert. Auch die Jägerschaft zeigte sich angetan. Jetzt mit zunehmender Kälte ziehen die Büffel auf die Hauskoppel in Ellerhoop um und können, wenn sie wollen, auch die Wärme des Stalls genießen. „Diese sanften und anhänglichen Tiere sind ein sehr schönes Hobby“, so Glismann, der noch keinen wirtschaftlichen Nutzen davon hat. Aber das kann ja noch kommen.

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erstellt am 20.Okt.2016 | 12:30 Uhr

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