zur Navigation springen

Pinneberger Tageblatt

09. Dezember 2016 | 03:12 Uhr

„Wir wollen erstmal kleine Brötchen backen“ : Eiscafé „Eiskalte Schnauze“ wird bundesweit zum Aushängeschild für Integration

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Sommerbilanz: Das Eiscafé „Eiskalte Schnauze“ wird bundesweit zum Aushängeschild für Integration. Expansion geplant - aber langsam.

Rissen | „Wir sind supergut aufgenommen worden und haben einen super Zuspruch erfahren“, zieht Ingo Hagemann eine erste Bilanz für das Eiscafé „Eiskalte Schnauze“, das er zusammen mit seinem Geschäftsfreund Fadi Friek betreibt. Für den gebürtigen Syrer war die Eröffnung ein wichtiger Schritt zurück in die Normalität.

Friek lernte in Dubai die Kunst der Eismanufaktur. 2010 kehrte er nach Syrien zurück und eröffnete in seiner Heimatstadt Aleppo zusammen mit seinem Bruder drei Eiscafés und zwei Restaurants. „Ich musste alles zurücklassen und fliehen. An meinem Namen Fadi erkennt jeder, dass ich Christ bin“, sagt Friek. Fadi bedeutet übersetzt Erlöser. 2012 flieht er. 2013 beantragte Hagemann, den er in Dubai kennengelernt hat, ein Besuchervisum für Hamburg. Dieses wurde im April 2014 abgelehnt. Über die Türkei und die griechischen Inseln machte sich Friek auf den Weg nach Hamburg. Geld floss in die Taschen von Passfälschern und Schleusern. Er schaffte es nach Hamburg und mittlerweile hat er eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis. Die Banken finanzierten die Eröffnung des Eiscafés in Rissen, das nicht nur im Ortsteil ein fester Anlaufpunkt geworden ist.

„Wir haben den Dortplatz neu belebt“, sagt Hagemann stolz. Doch die Besucher kamen nicht nur aus Rissen – und nicht nur wegen des selbstgemachten Eises. „Wir hatten Besucher aus Bayern, dem Harz und dem Ruhrgebiet. Viele haben bei einem Stadtbesuch in Hamburg einen Abstecher zu uns unternommen. Darunter waren viele Menschen, die sich mit Integration beschäftigen, und die mehr über unser Projekt erfahren wollten“, erläutert Hagemann. Bei Kaffee, der nach eigener Röstung produziert wird, und Eis wurde geklönt. Bundesweit wurde über das Eiscafé am Hamburger Stadtrand berichtet. „Das ZDF war mehrfach hier und viele große Magazine haben unser Konzept vorgestellt. Das hat natürlich unglaublich geholfen, um auch in der Region bekannt zu werden“, so Hagemann.

„Am Ende haben wir natürlich auch verkauft“, sagte Hagemann. In den Onlinebewertungsportal schoss die Rissener Eisdiele an die Spitzenpositionen. Überall gab es für Qualität und Service nur Bestnoten. Dabei musste vor allem zu Beginn am Geschmack gearbeitet werden. „Wir mussten den Geschmack kulturell anpassen und die richtige Balance finden“, erläutert Hagemann. Süße wurde ebenso reduziert wie der Fettanteil. Das Eis wurde an den „deutschen Geschmack“ angepasst. Zum Einsatz kommen fast ausschließlich regionale Produkte. Die Milch kommt von Kruses Hofmilch, die Frücht von Bauern in der Region. „Zumindest in der Saison. Manche Sorten gibt es auch nur dann“, so Hagemann. Aktuell produzieren die beiden Freunde „Bayerisches Germknödel Eis“ und arbeiten an einer Variante mit Bratapfel.

Bis zu 1300 Gäste

„Wir wollen Produkte anbieten, die zur Jahreszeit passen“, sagt Hagemann. In den Wintermonaten werden Waffeln gebacken – heiße Kirschen und Eis gibt es dazu. Ab November soll es ein Waffelbuffet geben. „Die große Unbekannte sind die Monate, die vor uns liegen“, sagt Hagemann. Klappstuhlkonzerte, italienische Abende, Waffeln – die Ideen sind vielfältig, um Kunden anzulocken. Im Hochsommer kamen teilweise bis zu 1300 Gäste. Am Tag.

Im Januar wird wegen kleinerer Umbau- und Renovierungsarbeiten geschlossen. „Dann ist Zeit für die Familie und auch für die Zukunftsplanung“, erläutert Hagemann. Im Februar werde wieder eröffnet. „Ab März startet für uns dann die neue Saison“, so Hagemann.

Mittelfristig soll das Unternehmen wachsen. „Wir hatten schon Anfragen, ob wir Franchiselizenzen vergeben“, so Hagemann. Doch er bremst: „Wir wollen nicht den zweiten Schritt vor dem ersten machen, sondern erst einmal das Geschäft auf sichere Füße stellen. Wir wollen erstmal kleine Brötchen backen, auch wenn wir die Kapazitäten haben.“ Ein eigener Eiswagen wäre eine davon. Ebenso, Restaurants zu beliefern. Friek und Hagemann sind sich einig: „Bisher ist unser Experiment gelungen.“ 

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 16.Okt.2016 | 08:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen