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Pinneberger Tageblatt

09. Dezember 2016 | 22:25 Uhr

Der Tag nach dem Großbrand in Ellerbek : Eine Nachbarschaft in Angst: Zweiter Carportbrand in wenigen Wochen

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Bereits vor sieben Wochen brannte ein Carport. Jetzt geht die Angst vor einem Brandstifter um.

Ellerbek | Den Anwohnern des Ellerbeker Finkenstiegs steht der Schrecken am Morgen danach ins Gesicht geschrieben. Immer wieder kommen Nachbarn vorbei und stehen kopfschüttelnd vor dem völlig zerstörten Carport und dem stark in Mitleidenschaft gezogenen Bungalow. „Das hier war unserer“, sagt Martina Kiwitt und zeigt auf den ausgebrannten Mustang. „Normalerweise stehen hier unsere beiden Motorräder, aber am Abend war in der Straße alles zugeparkt, deshalb haben wir das Auto hier abgestellt“, sagt sie und seufzt. Gegen 22 Uhr sei sie noch mit dem Hund draußen gewesen und anschließend auf dem Sofa eingenickt. „Aufgewacht bin ich, als mein Mann rief ,Das Carport brennt!‘“, erinnert sie sich.

Ihr Versuch, das Fahrzeug zu retten, misslang allerdings. „Als wir etwa fünf Minuten nach der Alarmierung eintrafen, waren die Fahrzeuge bereits im Vollbrand, da war nichts mehr zu machen“, berichtet Jan Gosch vom Ellerbeker Ortsverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Kurz nachdem er allen herbeigeeilten Nachbarn geraten hatte, größtmöglichen Abstand zu dem Feuer zu halten, knallten schon die ersten Reifen. Ein Geräusch, das weithin zu hören war und weitere Bewohner des Viertels aufschreckte. „Mir war sofort klar, dass das keine Böller sind – ich hatte eher Schüsse befürchtet“, sagt eine junge Mutter.

„Der Hauseigentümer hat zuerst noch versucht, mit dem Gartenschlauch zu löschen“, berichtet eine weitere Augenzeugin. Schnell sei jedoch klar geworden, dass den Flammen so nicht beizukommen war. Was folgte, war ein stundenlanger Einsatz, an dem laut Polizeibericht die Feuerwehren aus Ellerbek, Egenbüttel, Rellingen, Bönningstedt und Pinneberg, die Technische Einsatzleitung (TEL) des Kreises Pinneberg sowie Rettungsdienst, DRK, Polizei und Kripo beteiligt waren. Insgesamt 170 Rettungskräfte waren mit 30 Fahrzeugen vor Ort.

Im ersten Angriff setzten die Wehren mehrere Strahlrohre ein, um die brennenden Pkw zu löschen. Da auslaufendes Öl und Benzin das Feuer anfachten, wurde Schaum eingesetzt. Als das Feuer von Flachdach des Carports auf den angrenzenden Bungalow übergriff, hatten die Einsatzkräfte Mühe, an den Brandort heranzukommen: Eine Hochspannungsleitung, die quer über dem Brandort verläuft, war im Weg.

Schließlich gelang es den Kameraden, die seitliche Verkleidung des Hauses zu entfernen, um die Flammen zu löschen. Im weiteren Verlauf wurde das Dach mit Kettensägen geöffnet und Druckluftschaum eingesetzt. Das Übergreifen des Feuers auf das angrenzende Gebäude konnte so erfolgreich verhindert werden. Im Mannschaftswagen der Feuerwehr betreuten Gosch und seine Frau Maike Gosch-Matthies derweil die Nachbarn bis morgens um 5 Uhr. Nach und nach rückten ab 2.30 Uhr die Wehren aus den Nachbargemeinden wieder ein. Neun Kameraden aus Ellerbek blieben bis 8 Uhr als Brandwache vor Ort.

Bei den Anwohnern der Siedlung macht sich indes Angst breit: „Erst vor sieben Wochen ist hier um die Ecke an der Drosselstraße ein Carport abgefackelt worden“, berichtet ein Nachbar. Er ist sich sicher, dass es auch diesmal Brandstiftung war. „Fast alle hier haben hölzerne Carports“, sagt eine Frau. Und drückt damit aus, was viele denken: „Hoffentlich bin ich nicht der nächste.“

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erstellt am 06.Jul.2016 | 12:30 Uhr

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