zur Navigation springen

Pinneberger Tageblatt

24. Mai 2016 | 19:34 Uhr

Kreis Pinneberg : Ein Tag mit mehr als 200 Kontrollen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Im südlichen Kreis Pinneberg sind am Mittwoch 100 Polizisten unterwegs. Einbrecher können sie jedoch nicht schnappen.

Kreis Pinneberg | Mittwoch 15 Uhr in Schenfeld: Nicht jeder, der auf den Lidl-Parkplatz an der Altonaer Chaussee fährt, macht dies freiwillig. Einige Autofahrer werden von der Polizei rausgewunken, denn diese ist mit 100 Beamten im südlichen Kreis Pinneberg, im Einsatz. Ihr Ziel: Einbrechern auf die Schliche kommen. „Derzeit haben wir in dieser Region bis zu 30 Einbrüche wöchentlich“, berichtet Polizeisprecherin Sandra Mohr, die ebenfalls vor Ort ist.

Seit etwa 15 Minuten nehmen drei Polizeibeamte einen roten Opel-Kombi genau unter die Lupe. Jede Tüte wird von den Beamten aus dem vollgestopften Wagen geholt, ihr Inhalt geprüft. Dass sich die Polizisten dabei so viel Zeit lassen, hat einen Grund: Die beiden Auto-Insassen sind der Polizei bereits bekannt, einer von ihnen sogar in Verbindung mit Einbrüchen. Nach etwa eineinhalb Stunden dürfen sie den Lidl-Parkplatz verlassen. Allerdings zu Fuß, denn der Fahrer hätte seinen Führerschein bereits abgeben sollen – so hat die Polizei ihn bei dieser Gelegenheit sichergestellt.

Fünf Polizeifahrzeuge auf dem Supermarkt-Parkplatz fallen natürlich auch Passanten auf. Ein Mann fragt einen Polizisten, was denn los sei. Als dieser ihm erzählt, dass die Polizei wegen Einbrüchen im Einsatz ist, berichtet der Mann, dass ihm in den vergangenen Tagen „merkwürdige Gestalten“ in seiner Nachbarschaft aufgefallen seien. Der Polizist bittet ihn, seine Beobachtungen den Beamten im Einsatzwagen zu schildern.

Anhalten oder nicht? Die Entscheidung fällt schnell.
Anhalten oder nicht? Die Entscheidung fällt schnell. Foto: Voigt

„Die Polizei kann nicht überall gleichzeitig sein“, sagt Mohr. Deshalb sei es wichtig, dass Anwohner sich melden, wenn sie etwas Verdächtiges sehen. „Und zwar am besten gleich über den Notruf 110. Wenn erst im Telefonbuch nach der Nummer des ansässigen Reviers gesucht werden muss, geht wertvolle Zeit verloren“, sagt sie.

Während die Polizisten auf dem Lidl-Parkplatz nach etwa zwei Stunden beginnt, die Kontrollstation abzubauen, erkundigt Mohr sich nach den Ergebnissen der anderen mobilen und stationären Einsätze. „Die Kollegen in Quickborn haben zwar keine Einbrecher geschnappt, aber drei Ladendiebe festgenommen“, berichtet sie. In Bönningstedt hingegen habe die Kontrolle abgebrochen werden müssen. „Die Beamten wurden nach Norderstedt gerufen, weil dort eingebrochen wurde“, sagt Mohr.

Nach einer kurzen Pause, geht es für die Polizisten an einer anderen Stelle in Schenefeld weiter. An der Blankeneser Chaussee ist es um 18.30 Uhr bereits dunkel. Die beiden Beamten, die links und rechts der Fahrspur stehen, lassen die Autos abbremsen, um mit einer Taschenlampe in jedes Fahrzeug zu leuchten. Sie sehen sich die Insassen an und entscheiden, wer auf dem Platz vor der ehemaligen Gärtnerei halten muss. Nach welchen Merkmalen sie suchen? „Das kann man nicht sagen. Ein Täterprofil für Einbrecher gibt es nicht, die Kollegen verlassen sich auf ihre Erfahrung“, erläutert Mohr.

Mit geschultem Auge werden die Papiere kontrolliert.
Mit geschultem Auge werden die Papiere kontrolliert. Foto: Voigt

Ein weißer Lieferwagen mit einem Steinschlagschaden wird auf den Parkplatz geleitet. Die beiden jungen Männer, die in der Fahrerkabine sitzen, sind der Polizei bereits bekannt. „Na, hast du wieder illegal Schrott gesammelt?“, fragt einer der Beamten den Fahrer. Der junge Mann verneint und präsentiert seinen Laderaum. „Außerdem habe ich dafür inzwischen ein Gewerbe angemeldet, um das legal machen zu dürfen“, klärt er den Polizisten auf. Die beiden unterhalten sich kurz über die aktuellen Schrottpreise, dann darf der Mann weiterfahren. Allerdings muss er in den kommenden sieben Tagen noch einmal zur Polizeistation kommen, um zu zeigen, dass seine Windschutzscheibe repariert wurde.

 

Gegen 19.40 Uhr gerät Dirk Fleckenstein aus Wedel ins Visier der Beamten, weil er in seinem Auto Werkzeug geladen hat. „Das Werkzeug habe ich mir bei meinen Eltern geliehen, um einen neuen Auspuff anzubauen, seitdem liegt es hier“, sagt er. Dass die Polizei versucht, durch die Kontrollen Einbrecher zu schnappen, findet Fleckenstein gut. „Derzeit wird so viel eingebrochen hier in der Gegend“, sagt er. In sein früheres Haus sei auch zweimal eingebrochen worden. „Da haben wir ganz schön was erlebt, inklusive Polizeihund, der dem Dieb in den Hintern gebissen hat“, berichtet der Wedeler, ehe er losfährt.

Spätabends – es sind nur noch wenige Autos unterwegs – beenden die Polizisten ihre Kontrolle. Jetzt steht nur noch die Einsatzbesprechung an. Das Fazit: Tausende Autos wurden gesichtet, 128 Fahrzeuge mit 201 Personen an Bord zur Kontrolle aus dem Verkehr gezogen. Die Beamten nahmen die Personalien von 43 aktenkundigen Personen auf und mussten 33 Ordnungswidrigkeiten anmahnen. „Wir werden auch in Zukunft weiter in Zivil und in Uniform unterwegs sein“, sagt Mohr.

Türinnenseiten, Flächen unter Fußmatten – einige Inspektionen waren sehr gründlich.
Türinnenseiten, Flächen unter Fußmatten – einige Inspektionen waren sehr gründlich. Foto: Voigt
 

Gestern waren die Polizisten wieder im Einsatz – diesmal in Norderstedt. Bis 18 Uhr hatten sie laut Mohr zahlreiche Autos kontrolliert, dabei einen in Verbindung mit Einbrüchen aktenkundigen Mann angetroffen und seien wegen verdächtiger Personen auf einem Grundstück im Stadtteil Friedrichsgabe ausgerückt. „Eine konkrete Tat hat es aber nicht gegeben“, so Mohr.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 26.Feb.2016 | 10:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert