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Pinneberger Tageblatt

09. Dezember 2016 | 22:13 Uhr

Mitgliederversammlung in Tangstedt : Ein Protestkandidat bei der FDP

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Liberalen stellen Direktkandidaten für Landtagswahl auf. John Behrens: „Ich könnte kotzen“.

Tangstedt | Alles begann bei der FDP-Wahlkreismitgliederversammlung am Mittwoch in Sellhorns Gasthof, wie es bei solchen Zusammenkünften gemeinhin üblich ist: 49 FDP-Mitglieder aus dem Kreis Pinneberg waren gekommen, um ihre vier Direktkandidaten für die Landtagswahl 2017 zu wählen. Nach der Anwesenheitsliste wurden die Regularien vom FDP-Kreisvorsitzenden und Ellerbeker Bürgermeister Günther Hildebrand abgearbeitet: Eröffnung, Begrüßung, Wahl des Tagungspräsidiums, des Schriftführers, der Vertrauensperson, einer Stellvertretung, die Wahl der Mitglieder zur Abgabe der eidesstattlichen Versicherung über die schriftliche und geheime Wahl und nachdem auch die Zählkommission gewählt worden war, konnte es mit der Vorstellung der Kandidaten losgehen. Jeder der Anwesenden kannte die vier Bewerber – reine Formsache.

Und genau das ging dem Elmshorner John Behrens auf die Nerven: „Hier ist doch sowieso schon alles klar mit den Kandidaten“, sagte er und stellte sich kurzfristig selbst als „Protestkandidat“ auf. Mit deutlichen, derben Worten ließ er seinem Frust freien Lauf: „Die FDP steht nicht auf, gegen die grün-rote Bildungspolitik. Ich könnte kotzen!“ Oder: „Der demokratische Zusammenhalt driftet auseinander. Aber den meisten Parteien ist es scheißegal, dass die Gesellschaft von grün-linken Utopisten regiert wird.“ Seinem Gegenkandidaten um den Wahlkreis 21 (Elmshorn), dem kommunalpolitisch erfahrenen Jens Petersen, war das Erstaunen über diesen Auftritt im Gesicht abzulesen: „Ich war baff. Aber Stimmung hat’s gebracht“, sagte der Elmshorner Fraktionsvorsitzende. Petersen bekam 40, Behrens 8 Stimmen.

John Behrens
John Behrens

Über etwas mehr, nämlich 43 Ja-Stimmen, hat sich die Quickbornerin Annabell Krämer gefreut. Sie tritt für den Wahlkreis 22 (Pinneberg-Nord) an. Die quirlige Betriebswirtschaftlerin und Mutter machte während der Quickborner Bürgermeisterwahl von sich reden, als sie in kurzer Zeit zu einer ernsthaften Konkurrenz für Bürgermeister Thomas Köppl (CDU) wurde. Für das Amt haben ihr nur 123 Stimmen gefehlt. Wie alle Kandidaten will sie sich in Schleswig-Holstein für eine bessere Infrastruktur einsetzen und kritisiert den Investitionsstau: „Fördergelder stehen zur Verfügung und können wegen Personalmangels nicht abgefordert werden.“

Der gebürtige Helgoländer Sven Olaf Siemens bekam insgesamt 39 Ja-Stimmen, bei sechs Nein-Stimmen und vier Enthaltungen war es das schlechteste Wahlergebnis. Auch er wollte in diesem Jahr Bürgermeister werden – auf Helgoland. Und auch er konnte sich nicht gegen den dortigen Amtsinhaber, Jörg Singer, durchsetzen. Dem Bankkaufmann und Personalberater ist neben der Infrastruktur auch die Arbeitsmarktpolitik wichtig: „Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass spannende Kandidaten in den Bereichen Maschinenbau und Ingenieurswesen meist in Süddeutschland sitzen. Das muss sich ändern.“

Der vierte Kandidat, Ratsherr Olaf Klampe, wurde mit 43 Stimmen gewählt. Der 61-Jährige will den Kommunen mehr Geld an die Hand geben: „Jetzt geht es uns noch gut. Jetzt können wir investieren“. Seine Frau, Birgit Klampe, ist die stellvertretende Kreisvorsitzende der FDP. Klampe: „Meine Frau und ich versuchen, die Welt ein Stück zu verändern.“

Ob Olaf Klampe oder die drei anderen Kandidaten die Welt von Kiel aus verändern können, hängt entscheidend von den Stimmen zur Landtagswahl 2017 ab. FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki hat schon einmal vorab 10 Prozent für die FDP prognostiziert, Klamke erhöht auf 12. Gastredner Oliver Kumbartzky von der FDP-Landesfraktion hofft das Beste. Auch er thematisierte eine mangelhafte Infrastruktur bei Bildung, Digitalisierung, Gesundheit und Verkehr und kritisierte die Regierung: „In Schleswig-Holstein wird zu wenig getan. Wir verlieren den Anschluss an andere Bundesländer. In vier Jahren wurde nicht ein Kilometer Autobahn gebaut. Das sind verlorene Jahre.“

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erstellt am 14.Okt.2016 | 10:00 Uhr

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