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Pinneberger Tageblatt

09. Dezember 2016 | 08:55 Uhr

Ein Leben lang auf Wanderschaft

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Manege Laura Pedersen ist Dompteurin in dritter Generation / Zirkus Charles Knie gastiert am Wochenende auf dem Wedeler Festplatz

Der Zirkus gibt den Takt fürs eigene Leben vor. Und das bedeutet Tempo, Tempo, Tempo. Seit ihrer Geburt geht Laura Pedersen dieses Tempo mit. Sie ist Dompteurin und zieht gerade mit dem Zirkus Charles Knie durch Schleswig-Holstein. In der Nacht auf Freitag kam die Truppe in Wedel an. Insgesamt vier Vorstellungen geben sie am Sonnabend und Sonntag.

Die Zirkusleute haben am Donnerstag nach ihrer letzten Show in Kaltenkirchen (Kreis Segeberg) das große Zelt abgebaut und ihre Sachen gepackt. „Nachts um vier waren wir in Wedel“, erzählt Pedersen gestern bei einem Treffen auf der Wedeler Festwiese. „Und um 8 Uhr morgens mussten wir wieder raus. Die Tiere wollten ihr Frühstück.“ Laura Pedersen und ihr Mann William treten mit den patagonischen Seelöwen Flappi und Flavio auf. Etwa zwölf Kilo Fisch verdrückt jeder der beiden. Für den Fototermin wuchtet sich Flappi aus dem Becken und gibt Pedersen einen feuchten Schmatzer quer durchs Gesicht. Der 400-Kilo-Brummer hat ein Gemüt wie ein schnurrendes Hauskätzchen.

Flappi ist Mitglied der Familie Pedersen. Vor 16 Jahren wurde er geboren. Da war Laura Pedersen gerade neun Jahre alt. Seitdem trainiert sie mit ihm. „Angefangen hat alles mit meinem Großvater. Er mochte die Seelöwen sehr, hat angefangen, sie zu dressieren und hat Shows gegeben. Das hat mein Vater ebenfalls getan. Und nun bin ich an der Reihe. In dritter Generation“, sagt die Dompteurin mit dänisch-französischen Wurzeln. Beide Eltern sind Zirkusleute, genauso wie ihre jüngere Schwester. Sie sind beide auf Tournee zur Welt gekommen. Die Mutter ging „nur mal kurz“ ins Krankenhaus. Dann ging das Zirkusleben weiter.

Pedersens Schulzeit ging zu Ende, als sie 16 Jahre alt war. „Wir haben über das Internet gelernt. Schulbücher wurden zum Zirkus geschickt. Und heute ist auch ein Lehrer mit uns unterwegs. Er unterrichtet in einem eigenen Schulwagen.“ Drei Kinder sind in der Klasse. „Wir Zirkusleute sind mit 16 so alt wie andere mit 20. Du wirst schneller erwachsen. Machst den Führerschein. Gründest eine Familien“, sagt Pedersen. Mit 21 hat sie geheiratet – während einer zweiwöchigen Vorstellungspause im Winter. „Da sind wir schnell nach Frankreich gefahren“, sagt Pedersen und lacht.

Die 25-Jährige lacht viel. „Als Zirkusmensch musst du offen sein. Du hast nicht viel Zeit, neue Leute kennenzulernen.“ Denn nach wenigen Tagen bricht die Truppe ihr Zelt wieder ab, belädt die Lastwagen und zieht weiter. „Belgien, Frankreich, Italien: Ich habe Freunde überall in Europa. Wir halten über das Internet Kontakt.“ Sie spricht Englisch, Französisch, Italienisch, Dänisch und ein paar Brocken Deutsch. Englisch, Französisch und Italienisch sind die Amtssprachen im Zirkus Knie.

Ein Gummimann aus Equador, Turner aus Australien Rollschuhartisten aus Italien. Die Künstler stammen aus der ganzen Welt. Gut ein Dutzend Nationen sind vertreten. Dabei ist „Nation“ wohl bloß ein Stempel im Pass. Das fahrende Volk denkt nicht in Grenzen. Die Truppe bleibt für einige Zeit zusammen. Dann wird sie für ein neues Showprogramm neu zusammengewürfelt. Einige kommen, einige gehen. Und manchmal tauchen auch alte Bekannte wieder auf.

Pedersen wirft sich ein Flanellhemd über das Kostüm und Flappi watschelt zurück in sein Becken. Die Vorbereitungen sind noch nicht erledigt. Es gibt keine Stühle im Zelt und auch von der Manege ist nicht viel zu sehen.

Heute ist um 16 Uhr Premiere. Am Sonntagnachmittag heißt es wieder Abschied nehmen.

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erstellt am 05.Aug.2016 | 11:05 Uhr

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