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Pinneberger Tageblatt

05. Dezember 2016 | 13:42 Uhr

Jetzt fehlt nur noch der Schnee : Ein Blick hinter die Kulissen des Weihnachtsdorfs

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Projektleiter Sebastian Hoyme ist seit Februar gedanklich in der Adventszeit. Ein Blick hinter die Kulissen des Pinneberger Weihnachtsdorfs.

Ein lautes Surren ist zu hören. Irgendwo frisst sich eine Bohrmaschine in Holz. Tannen liegen, verpackt in Netze, verstreut umher. Ein Lkw rangiert rückwärts zwischen den Buden. Ein Mann eilt vorbei, aus seiner Tasche dröhnt Rockmusik. Sie hat so gar nichts mit Wham!s „Last Christmas“ zu tun. Die Sonne scheint, der Himmel ist blau. Von winterlicher, vorweihnachtlicher Atmosphäre ist auf dem Drosteiplatz noch nichts zu spüren. Es ist Donnerstag, 17. November. Noch sechs Tage bis zur Eröffnung des Pinneberger Weihnachtsdorfs – und noch einiges zu tun. Sebastian Hoymes Handy klingelt. Er trägt Arbeitskleidung, dicke Schuhe und hat gerötete Wangen von der Kälte. Man sieht ihm an, dass er die meiste Zeit des Tages draußen verbringt.

Sechs Tage bis zur Eröffnung

Der Hamburger sorgt dafür, dass das Pinneberger Weihnachtsdorf reibungslos verläuft. Hoyme ist Projektleiter im Auftrag der Familie Stacklies, die den Weihnachtsmarkt im fünften Jahr betreibt. Der 28-Jährige ist ungewöhnlich früh in Weihnachtsstimmung: Im Februar ging er bereits auf die Suche nach Beschickern. Jetzt, neun Monate später, nimmt endlich Gestalt an, was der gelernte Koch aus Halle an der Saale, der 2013 ein BWL-Studium an der Hotelfachschule Hamburg absolvierte und so an den Job als Projektleiter kam, bislang nur auf dem Papier geplant hat.

Hoyme hat gerade aufgelegt, da ist er wieder gefragt. Einer der Helfer will wissen, ob die Zapfanlage auch woanders stehen könne. Der 28-Jährige koordiniert ein 30-köpfiges Team, dazu kommen Elektriker und andere externe Helfer. Die Firma Stacklies stellt die Holzbuden und stattet sie unter anderem mit Licht, Herden und Waschbecken aus. Den Rest besorgen die Beschicker selbst.

Hoyme zeigt stolz die neue, größte Hütte. Sie bietet Platz für bis zu 80 Menschen. Drinnen sieht es urig aus. Auch hier wird gearbeitet. Ein Tontechniker steht auf einer Leiter und verlegt Kabel. Sobald Wasser- und Stromversorgung stehen, kommen die Verkäufer.

Wonach entscheidet sich eigentlich, wer in die Hütten einziehen darf? Hoyme zählt vier Kriterien auf: Die Beschicker sollten aus Norddeutschland kommen, sich gut ins Ambiente einfügen, Unterschiedliches anbieten und alle Preiskategorien abdecken. Außer der klassischen Bratwurst gibt es also auch speziellere Speisen und Getränke wie etwa einen Stand mit warmen Cocktails – oder Flammkuchen, frisch zubereitet von Thomas Markstein und seiner Frau Maren.

Noch zwei Tage bis zur Eröffnung

Es ist Montag, 21. November. Noch zwei Tage bis zur Eröffnung. Die Marksteins bringen gerade eine grüne Deko-Girlande vor ihrem Tresen an. Die beiden Selenter (Kreis Plön) verkaufen zum ersten Mal auf dem Pinneberger Weihnachtsdorf. Die Firma Stacklies sei auf sie zugekommen, sagt Thomas Markstein. „Kiel wäre für uns näher gewesen, aber die Standgebühren in Höhe von 15.000 Euro waren uns einfach zu teuer“, sagt er. 106 Kilometer legen sie in den nächsten vier Wochen täglich zurück. Der ehemalige Berufssoldat ging 2012 in Pension und hat dann sein Hobby zum Beruf gemacht: Der Pfälzer backt jetzt Flammkuchen. 2016 an mehr als 100 Tagen. Den Marksteins bleiben noch ein paar Stunden, um ihre Bude herzurichten. Den Tag vor der Eröffnung verbringen sie zu Hause – mit Schnippeln. Auf das Ehepaar warten zehn Kilo Zwiebeln, sechs Kilo Paprika und fünf Kilo Zucchini.

Im Weihnachtsdorf hat sich einiges verändert. Es ist jetzt richtig weihnachtlich. Die Rockmusik ist aus. Lichter leuchten, Tannenbäume verbergen den hässlichen Bauzaun rund um das Areal. Es sind mehr als 300. Eine von den Zahlen, die Sebastian Hoyme im Kopf hat. Aus dem Stehgreif nennt er auch noch andere: 40 Heuballen, zehn Tonnen Holzschnitzel, zehn große Tannen und 50 vier Meter hohe Tannen wurden während des elftägigen Aufbaus angeliefert. Langsam steigt die Anspannung beim Cheforganisator. „Sobald das Dorf steht, muss ich es nur noch am Leben halten“, sagt er. Das ist nicht immer einfach. Im vergangenen, seinem ersten Jahr als Projektleiter, stand Hoyme vor einigen Herausforderungen – sie reichten vom kalten Glühwein über zu laute oder zu leise Musik bis hin zu dunklen Weihnachtsbäumen, weil Kabel nass wurden.

Regen – der bleibt in diesem Jahr hoffentlich aus. Das milde Wetter habe 2015 zu ungewöhnlichen Trinkentscheidungen geführt, erinnert sich Hoyme. „Wir kamen mit dem Bier nicht mehr hinterher, 15 Hektoliter gingen über die Budentresen, der Glühwein blieb im Topf.“ Hoyme blickt sehnsüchtig zum Himmel: „Schnee wäre natürlich am schönsten.“ Er kann vieles im Weihnachtsdorf beeinflussen, aber das nicht.

Der Tag der Eröffnung

Der Tag der Eröffnung beginnt für Sebastian Hoyme um 6 Uhr. Bis 17 Uhr muss alles fertig sein. Auch die Glühweinspritze, an der er herumhantiert. Um 12 Uhr dann der erste Höhepunkt des Tages: Die Weihnachtsmusik wird eingeschaltet. Es kann losgehen. Hoyme weist noch das Personal ein und prüft, ob die ersten Würstchen und Mandeln auf dem Rost liegen. Dann muss es laufen. Falls nicht, ist Hoyme auch in den nächsten 30 Tagen Ansprechpartner. Geht er noch privat auf Weihnachtsmärkte? Sehr gern, sagt er. Nicht auf alle, einige seien trostlos. Für Pinneberg gelte das aber nicht. Das dürfen die Besucher jetzt selbst beurteilen.

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erstellt am 24.Nov.2016 | 16:00 Uhr

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