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Pinneberger Tageblatt

05. Dezember 2016 | 21:45 Uhr

Wir schaffen das – gemeinsam : Ehrenamtliche Helfer waren oft auf sich allein gestellt

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Flüchtlinge: Ehrenamtliche Helfer waren oft auf sich allein gestellt. Eine Gruppe Betreuer will jetzt das ändern.

Quickborn | Da wäre zum Beispiel die Sache mit der Post. Durch einen Schreibfehler beim Rathaus steht manchmal einfach ein falscher Name auf dem Briefkasten – und die Post kommt nicht an. Das ist besonders bitter, wenn der erwartete Brief eine wichtige Nachricht enthält – etwa ob man in Deutschland bleiben darf oder nicht.

Eckhard Rehm, Marianne Berendt und Gerd Goertz berichten von mehreren solcher Probleme, die auf dem ersten Blick klein aussehen, sich aber oft als große Schwierigkeiten herausstellen. „Kommt der Brief mit der Anerkennung wieder zurück, muss die Stadt davon ausgehen, dass der Flüchtling weitergezogen ist“, erkärt Rehm, „und wenn der Flüchtling eine Ablehnung erhalten hat, kann er gar nicht reagieren – er weiß ja nichts davon.“ Die drei betreuen ehrenamtlich Flüchtlinge.

„Wir haben festgestellt, dass jeder Betreuer bei Null anfängt“, sagt Berendt. Um das zu ändern und Wissen zu bündeln, haben die drei Erfahrungen und Tipps gesammelt und einen Wegweiser für Unterstützer veröffentlicht. Das Dokument ist online abruf- und herunterladbar. Die technische Administration übernahm Eva-Maria Steinkohl.

Seit März hat die Wegweiser-Redaktion an dem Hilfsangebot geschrieben. Dabei wurden auch das Wissen von anderen Betreuern eingearbeitet, denn „Jeder macht ja andere Erfahrungen“, sagt Berendt. Das liege auch daran, dass die Aufgaben von Betreuern sehr unterschiedlich sein können. „Das geht vom Thema Einkaufen bei Aldi bis zur Frage, wie man eine Fahrkarte für die AKN löst“, berichtet Gehm. Bestimmte Fragen stellen sich aber jedem Betreuer. Wie ein Asylverfahren abläuft und wo ein Antrag gestellt werden muss, zum Beispiel. Schritt für Schritt erläutert der Wegweiser, wie vorgegangen werden muss. Dabei werden auch organisationische Tipps gegeben. „Ich habe mal drei Stunden beim Sozialamt verbracht“, erklärt etwa Goertz. Im passenden Eintrag steht deshalb, dass Betreuer und Antragsteller sich auf längere Wartezeiten beim Sozialamt einrichten müssen.

Der Wegweiser umfasst 142 Seiten und ist sehr detailliert. So enthält das Dokument Informationen zur Krankenversicherung ebenso wie den Hinweis, dass Flüchtlinge einen Befreiungsantrag für den Rundfunkbeitrag stellen müssen. Als Erleichterung hat Steinkohl den Wegweiser dabei durchgehend verschlagwortet und wichtige Dokumente verlinkt. Mit einem Klick öffnet sich so der passende Antrag – ohne lästiges Suchen. „Wir wollen den Ehrenamtlichen die Arbeit erleichern“, erklärt Berendt. Darum wurden auch Checklisten und ein Index mit den wichtigsten Kontaktdaten beigefügt.

Berendt, Goertz und Rehm betonen, dass der Wegweiser keine rechtlichen Empfehlungen geben soll. Viel mehr möchten Sie Orientierung bieten und vielleicht den einen oder anderen dazu bewegen, sich auch in der Flüchtlingsbetreuung zu engagieren. „Wir wollen neuen Betreuern die Angst nehmen“, sagt Berendt. Noch immer gebe es in der Region Geflüchtete, um die sich kein Betreuer kümmert. „Ich muss sagen, diejenigen tun mir sehr leid“, sagt Goertz. Viele Vorgänge seien sehr bürokratisch und kompliziert – noch dazu könnten die Betroffenen die Sprache nicht verstehen. Ohne Betreuung blieben solche Flüchtlinge oft unter sich und täten sich schwer damit, sich zu integrieren, glaubt der Betreuer Goertz.

Wer Interesse hat oder Informationen braucht, meldet sich bei dem Ehrenamtskoordinator Mathias Wittig unter der Telefonnummer 04106-971131. Interessierte seien aber auch eingeladen, beim Flüchtlingscafé vorbeizuschauen. „Hier können sie erst einmal schnuppern und mit anderen Betreuern ins Gespräch kommen“, sagt Berendt und betont, dass ihr die Zusammenarbeit sehr wichtig für die Flüchtlingsunterstützung sei: „Niemand soll bei uns mit einem Problem alleingelassen werden.“

Die Flüchtlingshilfe in Quickborn wird von unterschiedlichen Stellen organisiert. Eine erste Anlaufstelle bietet das Willkommen-Team Quickborn. Über die Internetseite des Teams kann auch der Wegweiser für Betreuer heruntergeladen werden. Der Wegweise soll regelmäßig aktualisiert werden. Wer weitere Erfahrungen und  Informationen hat, die in einer Neufassung miteingearbeitet werden sollen, meldet sich per E-Mail an wegweiser@ wtquick.de. Das Flüchtlingscafé, wo sich Flüchtlinge, freiwillige Helfer und Bürger regelmäßig treffen, öffnet jeden Dienstag von 15 bis 17 Uhr im Gemeindesaal von St. Marien, Kurzer Kamp 2.
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erstellt am 26.Okt.2016 | 12:00 Uhr

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