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Pinneberger Tageblatt

06. Dezember 2016 | 22:59 Uhr

Neues Einzelhandelsgutachen : Edeka in Bönningstedt - die Gemeinde ist im Zugzwang

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Marktplatz oder Kieler Straße? Politiker müssen sich für einen Standort entscheiden.

Bönningstedt | Gutachter Andreas Gustafsson, Bereichsleiter für Analysen im Geschäftsfeld Einzelhandel des Hamburger Unternehmens bulwiengesa, hat am Dienstagabend im Bönningstedter Bauausschuss das Ergebnis der vom Investor in Auftrag gegebenen Betrachtungen zum geplanten Edeka-Standort an der Kieler Straße vorgestellt. Gegenüber der Feuerwache sollen ein Supermarkt mit 1400 Quadratmetern Verkaufsfläche sowie ein Aldi-Markt mit etwa 1200 Quadratmetern und ein Drogeriemarkt mit rund 800 Quadratmetern die Versorgung der Bevölkerung sicherstellen.

Die Rewe-Filiale wiederum plant derzeit die Erweiterung und Modernisierung des bestehenden Standorts. „Es ist richtig, dass wir eine Vergrößerung des Markts in Bönningstedt von bisher 1043 auf zirka 1600 Quadratmeter anstreben“, teilte Maraike Kahldorf von Rewe auf Anfrage unserer Zeitung mit. Ein Bauantrag solle in Kürze eingereicht werden. „Wir glauben nicht an die Koexistenz beider Standorte“, machte Gustafsson im Hinblick auf den Rewe-Markt deutlich. Niemand habe Anspruch darauf, Konkurrenzschutz zu erhalten. „Die Gemeinde muss abwägen: Will sie die Konzentration an einem modernen Standort und damit die Verlagerung der Ortsmitte durch die Kundenströme – oder nicht“, sagte der Analyst.

Bejahe die Gemeinde die Neubauten, sei Rewe der Verlierer. Der städtebauliche Problemfall beschränke sich jedoch lediglich auf die Immobilie am Markt. Das seien für den Besitzer des zentralen Gebäudes keine guten Nachrichten, er müsse dann eben über eine anderweitige Nutzung nachdenken. „Sie werden sich für einen Plan entscheiden müssen“, betonte Gustafsson.

Zuvor hatte er Auszüge aus dem noch nicht veröffentlichten Gutachten erläutert. „Das Problem ist, dass Bönningstedt keine übergeordnete Versorgerfunktion hat“, sagte Gustafsson. Damit dürften nur in Ausnahmefällen Verkaufsflächen die Anzahl von 800 Quadratmetern überschreiten – was in Bönningstedt mit einem Sonderpostenmarkt und einem Gartencenter bereits der Fall sei. „Ein zusätzlicher Markt generiert keinen zusätzlichen Umsatz“, erklärte der Analyst. Derzeit blieben etwa 46 Prozent der Kaufkraft im Ort – zu wenig nach Ansicht des Gutachters. „Alle drei Lebensmittelgeschäfte sind nicht auf der Höhe der Zeit und haben Restrukturierungsbedarf“, führte Gustafsson aus. Der jetzige Rewe-Markt habe wenig Chancen, gegen die vorliegende Planung des Investors zu bestehen. „Es wird knirschen im Gebälk“, prophezeite Gustafsson. „Ich will erst einmal das vollständige Gutachten sehen“, sagte Rolf Mensching, Besitzer der Immobilie Am Markt, gestern. Er wolle seinen Bauantrag bis Ende des Monats beim Kreisbauamt einreichen. „Die Architekten arbeiten daran“, gab er bekannt. Möglicherweise würden die Pläne zur Rewe-Erweiterung bereits während der nächsten Sitzung des Bauausschusses vorgestellt. „Meine Absicht ist es, den Markt wiederzubeleben“, betonte der Eigentümer. Letztendlich liege die Entscheidung über die Zukunft der Bönningstedter Versorgunssituation jedoch bei der Gemeinde.

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erstellt am 15.Sep.2016 | 16:30 Uhr

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