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Pinneberger Tageblatt

07. Dezember 2016 | 13:38 Uhr

Geistergeschichten aus Pinneberg : Durch die Stadt mit Otto Klafack

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Museumspädagoge Peter Russ alias Otto Klafack nimmt die 50 Teilnehmer mit auf eine Zeitreise.

Pinneberg | Wir schreiben das Jahr 1903 und es ist ein lauer Spätsommerabend in Pinneberg: Der Obernachtwächter Otto Klafack steht in der Sonne auf dem Berg am Rübekamp und dreht eine riesige Ratsche, um die Aufmerksamkeit der Menschen zu erhaschen. Naja, eigentlich ist es das Jahr 2016 und der Herr Obernachtwächter heißt tatsächlich Peter Russ und ist Museumspädagoge im Pinneberg Museum. Mit Stock, Nachtlicht und Tutehorn führt er als Klafack interessierte Pinneberger durch ihre eigene Geschichte – so wie am vorigen goldenen Freitagabend, an dem sich an die 50 Tourteilnehmer eingefunden haben, um durch „Alt-Pinneberg“ zu laufen.

„Ich dachte, heute wären nicht so viele“, wundert sich Russ, denn die „Alt-Pinneberg“-Tour war 2013 seine erste. Aber das Interesse ist nach wie vor groß, das Alter buntgemischt. Also auf in die Vergangenheit, in ein völlig anderes Pinneberg: Der gewitzte Obernachtwächter hat Daten und Zahlen zur Historie bereit, aber vor allem lustige und schaurige Anekdoten. Er verliert keine Zeit, seinem Publikum mitzuteilen, dass die Rübe aus Rübekamp nichts mit Gemüse zu tun hat, sondern vom plattdeutschen Wort für hinraffen kommt und dort die Leprakranken untergebracht waren.

Direkt daneben ist die Schauenburger Straße, und schon ist er mittendrin in der Geschichte von den Schauenburgern, dem Renaissanceschloss, an das noch der Name Schloßstraße erinnert, dem Dänenkönig, Krieg und dem Kampf um Schleswig und Holstein.

Weiter geht die Tour durch die Koppelstraße, Dingstätte, Drosteipark, Moltkestraße und abschließend zum Lindenplatz – eine kleine Runde durch Pinnebergs Kern, aber Klafack weiß so viel zu berichten, dass die Tour zwei Stunden dauert. Geistergeschichten von den Schlossruinen, Geschichten von den findigen Dingstedtern, die 40 Jahre lang keine Gewerbesteuer zahlten, vom Drost und von Hinrichtungen am Kaak. Vorbei geht es auch an einem wunderschönen Fachwerkhaus in der Dingstätte, dem Geburtshaus des Industriellen Ludwig Meyn. „Ein Gebäude, das sicher nie nicht einer abreißen wird“, beteuert Klafack – kurzer Sprung in die Gegenwart: Nur noch eine Tafel erinnert an das historische Fachwerkhaus. Diesen Satz von Klafack bekommt das Publikum oft zu hören. Von den historischen Gebäuden stehen noch vier, alle anderen sind längst weg: die Burg, das Schloss, die Bauernmühle, das alte Amtsgericht, das alte Postgebäude oder auch das Verlagsgebäude des „Pinnbarger Wochenblatts“. Die Fantasie der Menschen ist gefragt, unterstützt durch historische Fotomotive, die Klafack aus seinem Büdel zieht. Angekommen auf dem Lindenplatz verabschiedet sich Klafack. Die nächste öffentliche Tour ohne Anmeldung für fünf Euro pro Person findet am 7. Oktober statt, Treffpunkt ist um 18 Uhr am Pinneberg Museum. Dann geht es „Mit Fidibus und Tutehorn“ um die anderen Berufe, die der schlechtbezahlte Herr Obernachtwächter noch ausführen musste: 22 gab es davon.

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erstellt am 13.Sep.2016 | 16:30 Uhr

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