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Pinneberger Tageblatt

05. Dezember 2016 | 11:39 Uhr

Flüchtlinge in Pinneberg : Die Stadt prüft Turnhallen als Unterkunft

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Unterbringung in Sportstätten ist kein Tabu mehr. Sozialausschuss soll über Container entscheiden. Erntedankfest auf der Kippe.

Pinneberg | Die Unterbringung von Flüchtlingen in städtischen  Turnhallen: Bislang hatte die Pinneberger Verwaltung   dies kategorisch ausgeschlossen. Doch angesichts von Prognosen, die von etwa  360 Neuankömmlingen in diesem Jahr ausgehen,  scheint sich der Wind  zu drehen.  Mitarbeiter der Stadt klappern derzeit die Hallen im Stadtgebiet ab, um sie für eine eventuelle Flüchtlingsunterbringung unter die Lupe zu nehmen.

Hinrich Krodel, Vorsitzender des Vereins Spiel und Sport (SuS) Waldenau, staunte  nicht schlecht, als er jüngst  eine ihm unbekannte Person in  der Sporthalle am Jappopweg antraf, die sich Notizen machte. „Es hat sich dann schnell herausgestellt, dass das jemand von der Verwaltung gewesen ist“, sagt Krodel. 

Stadtsprecher Marc Trampe räumt die Begehungen  offen ein. „Wir hoffen, dass wir in diesem Fall für den Papierkorb arbeiten. Aber weil wir nicht wissen, wie sich die Flüchtlingszahlen entwickeln werden, wäre es aus unserer Sicht grob fahrlässig, keinen Notfallplan zu entwickeln“, sagt er. Bislang werden Flüchtlinge in Pinneberg dezentral untergebracht.

 Auch Uwe Hönke, Geschäftsführer des VfL Pinneberg, hat von den Besichtigungen gehört. Er ärgert sich vor allem über mangelhafte Kommunikation. Denn zwar sei die Stadt als Eigentümerin nicht verpflichtet, die Maßnahme im Vorfeld anzukündigen, doch dies wäre ein freundlicher Zug gewesen. „Das hat auch etwas mit Anstand zu tun“, so Hönke. Schließlich seien es die Sportvereine, die mit  die stärkste Integrationsarbeit in der Stadt leisten würden.  Sollte es tatsächlich zu Turnhallen-Unterbringungen kommen, geschähe dies, so Hönke, komplett „an der falschen Ecke“.  Deutlich drastischere Worte wählt indes Krodel. „Von unseren etwa 1200 Mitglieder nutzen 700 die Halle am Jappopweg. Das wäre also, um es klar zu sagen, das Aus für den SuS Waldenau.“

Ohnehin ist die Stimmung bei dem Vereinschef, der  am vergangenen Wochenende sein 30.Jubiläum an der Spitze des Vereins feierte, gerade ziemlich im Keller. Denn abgesehen von der Frage um die künftige Nutzung der Turnhalle gibt es seitens der Stadt konkrete Pläne, auf dem Parkplatz vor der Sportanlage am Jappopweg vier Container aufzustellen. In diesen sollen insgesamt 80 Flüchtlinge untergebracht werden können. Das geht aus einer Vorlage hervor, über die zunächst der Sozialausschuss in der kommenden Woche entscheiden muss. Für den Verein, der dort 30 Stellplätze vorhält, sei dieser Plan „nicht akzeptabel“, wie Krodel betont. „Es ist abzusehen, dass dann die Straßen  zugeparkt werden und ein Verkehrschaos entsteht. Das kann nicht im Sinne  der Stadt sein.“

Ein richtiger Schlag in die Magengrube sei zudem die Auswirkung auf das traditionelle Erntedankfest, das der Bürgerverein Waldenau-Datum seit fast 70 Jahren auf dem Gelände veranstaltet. Doch dafür soll nun eine „alternative Fläche“ gefunden werden – so steht es in der Ausschussvorlage geschrieben Krodel wie auch Jürgen Hilbers, Erster Vorsitzender des Bürgervereins, wollen sich das nicht bieten lassen. Einen Protestbrief an Bürgermeisterin Urte Steinberg (parteilos) haben beide gestern Abend abgeschickt.

Um dem Zuzug von Flüchtlingen Herr zu werden, will die Verwaltung im Pinneberger Stadtgebiet insgesamt acht Containermodule aufstellen, in denen insgesamt 160 Menschen untergebracht werden könnten. Außer dem Jappopweg sind dafür zwei weitere Standorte vorgesehen. Beide befinden sich an der Müßentwiete im Nordwesten der Kreisstadt.  Auf dem Parkplatz einer von der Sportfreunden Pinneberg genutzten Sportanlage soll ein Container mit Platz für 20 Flüchtlinge errichtet werden. Drei Container mit Raum für 60 Menschen sind auf einer Fläche geplant, die derzeit als künftiges Gewerbegebiet ausgewiesen ist. Die Kosten für alle acht Module sollen etwa1,6 Millionen Euro betragen.
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erstellt am 27.Jan.2016 | 16:00 Uhr

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