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Pinneberger Tageblatt

09. Dezember 2016 | 22:24 Uhr

Der Kreis im Pokémon-Fieber : Die Monster sind los

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Im Kreis Pinneberg gehen viele Nutzer mit der App Pokémon-Go auf Monsterjagd und verabreden sich dafür online.

Pinneberg | Auf dem Bürgersteig in der Friedrich-Ebert-Straße in Pinneberg sitzt ein lilafarbenes, flauschiges Etwas mit roten Insektenaugen. Es hüpft. Ein paar Meter weiter in der Dingstätte lauert gleich das nächste Ungetüm. Dieses Mal gefiedert, mit schwarzen zackigen Augen. Unruhig springt es in die Luft. Mitten in der Fußgängerzone wirft jemand einen weiß-roten Ball auf das Federvieh – auf seinem Smartphone. In der Realität zuckt immerhin ein Lächeln über sein Gesicht. Pokémon gefangen. Bei den zwei Monstern handelt es sich um Bluzuk und Taubsi. Pokémon, die gemeinsam mit ihren 149 Artgenossen seit drei Tagen Deutschland erobern. Eine Invasion. Mit der App Pokémon-Go kann jetzt jeder mit seinem Smartphone zum Monsterjäger werden. Und natürlich sind Pikachu, Glumanda, Schiggy und Co. auch im Kreis Pinneberg unterwegs.

Pokémon-Go ist eine Spiele-Applikation für Mobiltelefone – und der jüngste digitale Hype. Seit dem Start am 6.Juli in den USA und einigen weiteren Ländern verbreitet sich das von Nintendo und dem Google-Spinoff Niantic Labs entwickelte Spiel explosionsartig. Das erste Pokémon-Spiel erschien 1996. Damals noch auf dem Gameboy von Nintendo. Danach folgten eine Fernsehserie und 17 Kinofilme. Mit Pokémon-Go bringt Nintendo die beliebten Figuren in die reale Welt. Pokémon Go ist für Android und iOS kostenfrei.

Bei Facebook sind in der Region in kurzer Zeit gleich mehrere Gruppen gegründet worden. Spieler – sie nennen sich Pokémontrainer – in Pinneberg, Elmshorn, Schenefeld und Wedel verabreden sich bereits über das soziale Netzwerk zum Monsterjagen. Knapp 190 Mitglieder zählten zum Beispiel die beiden Pinneberger Gruppierungen gestern bis Redaktionsschluss.

Um die Monster zu fangen, benötigen die Trainer aber ausreichend Pokébälle. Die bekommen sie an verschiedene Punkten. Meistens sind es Sehenswürdigkeiten oder andere markante Ecken der Stadt. Auf dem Smartphone verwandeln sie sich in Sammelstellen. Der Sitz des Pinneberger A. Beig-Verlags ist zum Beispiel eine dieser Sammelstellen. Aber auch bei der Rathauspassage und der Post können sie gesammelt werden. Halb real, weil die Spieler sich dafür in ihrem Umfeld bewegen müssen, und halb virtuell auf dem Smartphone.

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Außerdem gibt es Kampfarenen. Die Drostei ist eine solche Arena. Der Zutritt ist allerdings erst ab Level 5 frei. Dann wird in Teams mit den gefangenen Pokémon gegeneinander gekämpft.

Gekämpft und gesammelt wird heute auch in Wedel. Dort steht ein Spielertreffen an. Titel auf Facebook: „Pokémon Go Lockmodul Party“. Ab 17 Uhr gehen die Teilnehmer am Mühlenteich auf Jagd. Die Anmeldezahlen lagen gestern Abend bei mehr als 150 Personen. Der Wedeler Huy-Bao Le hat die Veranstaltung organisiert. „Mit so einer hohen Teilnehmerzahl hatte ich nicht gerechnet“, sagt der 24-Jährige. Er hat getrickst und fängt bereits seit dem 6. Juli – also vor Veröffentlichung in Deutschland – Pokémon. 65 Kilometer hat der Student bisher in der realen Welt zurückgelegt, um die Aufgaben zu bewältigen.

 

Warum ist diese App nun so erfolgreich? „Ich glaube, viele erfüllen sich damit einen Kindheitstraum. Können jetzt selbst Pokémontrainer sein“, antwortet Le. „Außerdem bringt es die Menschen zusammen, sie interagieren und sie bewegen sich dadurch viel mehr“, nennt er positive Nebeneffekte. Kritik an dem Spiel kann er nicht nachvollziehen. „Man muss gar nicht die ganze Zeit aufs Handy schauen, wenn ein Pokémon in der Nähe ist, vibriert es.“

Und was sagt die Polizei zu dem Massenauflauf? „So lange sie niemanden behindern und stören ist das in Ordnung. Falls sie das doch tun, müssten wir sie an einen anderen Ort verweisen“, hieß es gestern Nachmittag von der Polizei Wedel.

Unfälle durch die Spiele-App

Laufen Horden von Pokémon-Trainern nun mit dem Smartphone vor der Nase gegen ein Auto? Und wer zahlt für Schäden? Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) erklärt: Wenn ein schwerer Unfall zu gesundheitlichen oder finanziellen Folgen führt, greift die private Unfallversicherung. Es gibt aber noch die Kfz-Haftpflichtversicherung eines Autofahrers, der einen Spieler erfasst. Grundsätzlich zahlt diese bei einem Verkehrsunfall mit einem Fußgänger. Doch: Ist dieser ins Spiel versunken über die Straße gegangen, kann er unter Umständen eine Mitschuld am Unfall tragen – was die Leistungen mindern würde.

Übrigens sind in den USA bereits einige Unfälle passiert. Weil dort immer mehr Menschen zu Smombies werden. Smombie, das war auch das Jugendwort des Jahres 2015. Es bezeichnet Menschen, die auf ihr Smartphone starren und dabei ihre Umwelt nicht mehr wahrnehmen. Sie werden zu Smartphone-Zombies. Die Monster sind los. Nicht nur auf dem Handy.

Und auch die Prominenz des Landes hat das neue Spiel für sich entdeckt. So hat zum Beispiel der Komiker Otto Waalkes getwittert:

Genauso wie Torwart-Legende Oliver Kahn.

 
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erstellt am 15.Jul.2016 | 10:00 Uhr

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