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Pinneberger Tageblatt

07. Dezember 2016 | 11:45 Uhr

Ein völlig entstaubtes Requiem : Die Kummerfelder Kantorei begeistert mit Vielseitigkeit

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Kummerfelder Kantorei der Osterkirche präsentiert modernisierte Klassiker mit Rocknummern und Klavierballaden.

Kummerfeld | Requiem – damit verbindet der Kirchenbesucher in der Regel die dramatischsten Ausbrüche und traurigsten Weisen, die die klassische Musik zu bieten hat. Weniger hingegen Rocknummern und Klavierballaden. Doch genau das erwartete die Zuhörer beim so gut wie ausverkauften Konzert der Kummerfelder Kantorei der Osterkirche unter Meike Ruhe in der Osterkirche am vergangenen Sonnabend mit dem Requiem von Thomas Hettwer (1989).

Schon beim Reinkommen stand fest, dass dieses geistliche Werk anders ist: Zwischen den klassischen Instrumenten – Flöte, Oboe, Trompeten, Posaune – schlängelten sich Kabel auf dem Boden. Sie versorgten mehrere Keyboards, eine E-Gitarre und einen E-Bass mit Strom. Doch das war noch nicht alles. Auch Saxofon, Konzertgitarre, Drumset und klassische Percussion mit Glockenspiel, Xylophon, Röhrenglocken und Pauken waren beim Requiem vertreten.

Genauso kontrastreich wie das Instrumentarium war die Musik. Sphärisch wabernde Klänge vom Keyboard gepaart mit klagendem Englischhorn und klassischem Chorsatz wandelten sich gleich zu Anfang in eine moderne Ballade mit Saxofon. Etwas völlig anderes war das folgende Kyrie, leere Quinten und mittelalterliche Modi erinnerten an gregorianischen Choralgesang, während das Dies Irae einerseits mit rockigen Gitarrenriffs, andererseits mit Anklängen an das berühmte „O Fortuna“ aus Carl Orffs Carmina Burana daherkam. Die Musiker und Sänger schufen gemeinsam ein sehr ausgewogenes Klangbild.

Kleine Ungenauigkeiten bei den Chorsängern fielen kaum ins Gewicht und besonders die schwierigen Passagen – etwa die ungewöhnlichen Harmoniefortschreitungen im Recordare – meisterten sie. Sopranistin Christiane Cantstein brillierte in ihrem Solo, dem unglaublich traurigen Lacrymosa, Tenor Sven Olaf Gerdes tat sich mit seinem Solo im Tuba mirum hervor.

Der moderne Ansatz, gemischt mit alten Formen, kam super an. Das Publikum riss es zum Schluss regelrecht von den Stühlen: Mit Standing Ovations und Jubel forderte es eine Zugabe ein. Auf Chorleiterin Ruhe wartete aber noch eine besondere Überraschung. Für 20-jährige Zugehörigkeit zur Gemeinde bekam sie zum Konzertabschluss Blumen überreicht und ein Fotobuch mit Erinnerungen und guten Wünschen von den Chorsängern.

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erstellt am 22.Nov.2016 | 11:45 Uhr

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