zur Navigation springen

Pinneberger Tageblatt

10. Dezember 2016 | 15:40 Uhr

Anti-Mobbing-Tag : Die Gefahren der virtuellen Welt

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der Anti-Mobbing-Tag soll auf ein Phänomen aufmerksam machen, das inzwischen sogar schon die Grundschulen erreicht hat.

Pinneberg | In Zeiten von Internet, Tablets und Smartphones sind immer mehr Menschen von Mobbing bedroht. Vor allem Jugendliche geraten zunehmend in die Mobbing-Falle. Doch auch Kinder können schon Opfer werden. Oft, ohne dass es ihre Eltern und Lehrer merken. Um auf das Thema aufmerksam zu machen, wurde der morgige Freitag zum sechsten landesweiten Anti-Mobbing-Tag erklärt. Auch der Kreis Pinneberg beteiligt sich mit mehreren Veranstaltungen an der Mobbing-Prävention.

„Störung im Unterricht – Not oder Bedürfnis?“ heißt es heute von 15 bis 17.30 Uhr in der Kreisverwaltung in Elmshorn. Bereits beendet ist die Anti-Mobbing-Veranstaltung „Klassengemeinschaft fördern – Gruppenprozesse nutzen“, die sich gezielt an Lehrer und Sozialarbeiter richtete. Die Schirmherrschaft des Anti-Mobbing-Tages hat Ministerpräsident Torsten Albig übernommen. Im Kreis Pinneberg gibt es für Interessierte gleich eine ganze Reihe von Ansprechpartnern. Unter anderem haben sich die Awo, der Wendepunkt und der Verein für Jugendhilfe und Soziales des Themas angenommen.

Opfer und Täter werden immer jünger. Andreas Susczyk von der Awo hat schon Fälle in der zweiten Klasse erlebt. Generell rücke die Grundschule verstärkt in den Blickpunkt. Ein Grund seien die neuen Medien, die das Cyber-Mobbing fördern würden, sagt sein Kollege Tobias Annen vom Jugendhilfe-Verein. „Die Möglichkeiten, jemanden fertig zu machen, sind vielfältiger geworden.“ Und für die Opfer sei es oft sehr schwer, „aus der Rolle rauszukommen“. Generell sei das Cyber-Mobbing „sehr niedrigschwellig“, da man seinem Gegenüber nicht ins Gesicht sehen müsse.

Kinder würden von den Erwachsenen oft gar nicht oder zu spät an die virtuelle Welt herangeführt, kritisiert Susczyk. So entstehe ein „wertfreier Raum“. Mobbing müsse schon im Ansatz verhindert werden, fordert Annen. Wenn eine Klasse aus 25 Schülern bestehe, gebe es meist einen oder zwei Haupttäter sowie drei bis vier Mittäter, die oft nur mitmachen würden, weil sie Angst hätten, selbst zu Opfern zu werden.

Um einen guten Klassenzusammenhalt zu erzeugen, sei es wichtig, dass der Lehrer seinen Schülern Zeit für das Zusammenwachsen gebe, sagt Silvia Stolze vom Team Prävention und Jugendarbeit des Kreises Pinneberg. Dieser Prozess sei notwendig, damit am Ende „jeder mit jedem zusammen arbeiten kann“. Nur durch ein gutes Klassenklima entstehe der notwendige Zusammenhalt, der Mobbing schon im Frühstadium verhindern könne. Das Instrument des Klassenrates sei hierbei ein wirksames Mittel, um das Thema offen diskutieren zu können.

Es sei für Lehrer nicht einfach zu erkennen, was in ihren Klassen hinter den Kulissen ablaufe. Transparenz sei daher „extrem wichtig“, so Annen. Auch Susczyk fordert die Mobbing-Opfer auf, sich Eltern und Lehrern möglichst frühzeitig anzuvertrauen. Das Öffentlichmachen der Taten, zum Beispiel durch einen E-Mail- oder SMS-Ausdruck, sei den jungen Tätern oft unangenehm. Diskutiert werden könnten solche Themen auch in den Klassenräten, die es an fast allen Schulen bereits gibt, sagt Susczyk. Diese würden oft von den Schülern selbst moderiert. Die anwesenden Klassenlehrer seien dabei Gleiche unter Gleichen.

Wie umfassend sich Cyber-Mobbing auswirken kann, macht Magdalena Thams von der Awo deutlich: „Es kann rund um die Uhr stattfinden.“ Die Opfer seien piepsenden Handys und Schmäh-E-Mails „immer und überall ausgeliefert“. Und viele Kinder und Jugendliche würden sich „nicht trauen, sich zu öffnen“. Um so wichtiger sei die Mobbing-Prävention.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 30.Nov.2016 | 14:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen