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Pinneberger Tageblatt

06. Dezember 2016 | 17:03 Uhr

Pilotprojekt in Schenefeld : Die Freiheit liegt auf dem Sattel

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Weibliche Flüchtlinge und Migrantinnen lernen eine Woche lang Radfahren bei Blau-Weiß 96 Schenefeld.

Schenefeld | Hinter den Bäumen geht die Sonne langsam unter. Dafür strahlt Laila Mehri weiter bis über beide Ohren. Denn sie fährt Fahrrad dank eines Pilotprojekts, das die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Schenefeld, Ute Stöwing, gemeinsam mit Blau-Weiß 96 organisiert hat. Möglich wurde dies auch durch eine Spende vom Verein Glücksgriff. Zudem hat der Fahrradhändler Hotop Räder zur Verfügung gestellt und repariert. Weibliche Flüchtlinge und Migrantinnen haben eine Woche lang gemeinsam Radfahren gelernt.

Mehri hält sich gut auf dem Rad. Fröhlich zieht sie mit einem Helm auf dem Kopf ihre Runden auf dem Parkplatz hinter der Sporthalle. Auch Saideh und Witta Yunesi beherrschen ihre neuen Fortbewegungsmittel. Betreut werden die Frauen von Miri und Rabea Rutz und Helferin Elke di Sciullo. Zunächst standen Gleichgewichtsübungen auf dem Programm, berichtet Rutz. Zudem verteilten die Betreuerinnen Info-Material über das richtige Verhalten im Straßenverkehr. Der ADFC biete diese in vielen Sprachen an, so Rutz. „Wir haben uns das ganz einfach vorgestellt“, sagt sie. Allerdings seien die Frauen zunächst sehr unsicher gewesen. So musste sie ihre Ansprüche herunterschrauben. Rutz habe nun nicht mehr damit gerechnet, dass am Ende alle „winkend vom Hof fahren“. Die Teilnehmerinnen müssten weiter üben. Aber der Anfang sei gemacht.

Für die Teilnehmerinnen hat das Rad viele Vorteile: Sie sind mobil und flexibel, können selbst zum Sprachkursus oder zum Einkaufen fahren und Ausflüge unternehmen. Das Selbstbewusstsein der Frauen wird gestärkt. „Außerdem ist es günstiger“, sagt Mehri. „Man braucht keine Fahrkarte.“ Obwohl sie bereits seit 20 Jahren in Deutschland lebt, sei sie im Umgang mit dem Rad stets unsicher gewesen. „Es war immer mein Traum, Fahrrad zu fahren.“ Die meisten Männer könnten Rad fahren, fügt Elke di Sciullo hinzu. „Viele Frauen bleiben zu Hause, wenn der Vater am Wochenende einen Ausflug mit den Kindern macht.“

Auch für die Gleichstellungsbeauftragte steht die Selbstständigkeit der Frauen im Mittelpunkt. In einigen Kulturkreisen dürften Frauen nicht Fahrrad fahren, weil es dort als „unmoralisch“ gelte. Ähnliche Vorurteile habe es hierzulande aber auch gegeben. Der Sittlichkeit wegen wurde zum Beispiel früher von Frauen erwartet, im Damensitz zu reiten. Ziel sei es, Frauen in ihrer Mobilität zu beschneiden. „Das steht dahinter“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte.

Schon sehr lange habe Stöwing die Idee gehabt. Nun sei sie froh über die gelungene Verwirklichung. Das Projekt soll bei Interesse fortgeführt werden. Es werden noch Drahtesel benötigt. Wer ein Fahrrad abzugeben hat, kann sich bei Blau-Weiß 96 unter Telefon 040-8405446 melden.

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erstellt am 30.Nov.2016 | 16:00 Uhr

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