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Pinneberger Tageblatt

06. Dezember 2016 | 19:00 Uhr

Umweltoffensive : Die Freie und „Bio-Stadt“ Hamburg

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Stadt will die Flächen für Öko-Landbau bis 2020 verdoppeln. Die Politik spricht von einem „weichen Standortfaktor“.

Hamburg | Hamburg will „Bio-Stadt“ werden. Das hat Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) angekündigt. Der rot-grüne Senat werde den Biolandbau forcieren, bis 2020 soll sich die ökologisch bewirtschaftete Fläche verdoppeln. Die Nachfrage nach umfreundlich produzierten Lebensmitteln in der Metropole ist enorm. Sechs Prozent der gekauften Produkte in der Stadt sind ökologisch erzeugt, bundesweit liegt der Schnitt bei gut drei Prozent.

Heute wird der Senat den Beitritt zum bundesweiten Bio-Städte-Netzwerk beschließen. Die darin zusammengeschlossenen zwölf Städte, Gemeinden und Landkreise wollen Druck machen in Berlin und Brüssel für eine bessere Förderung des Öko-Landbaus. Wirtschaftssenator Frank Horch: „Der Beitritt zum Bio-Städte-Netzwerk und die Positionierung Hamburgs als Bio-Stadt hat eine weitreichende Wirkung in die Agrar- und Ernährungswirtschaft, die nicht an den Toren Hamburgs aufhört.“

Die Landwirtschaft müsse auch in der Hansestadt „andere Ansätze“ finden, befand der Senator. Nachhaltig erzeugte Produkte würden nicht nur wirtschaftlich immer bedeutender. Öko-Landbau schone zudem Böden, entlaste das Abwasser, fördere die Artenvielfalt und nutze dem Klimaschutz. Horch: „Bio gilt längst als weicher Standortfaktor.“

Hilfe für Landwirte, die auf „Bio“ umstellen wollen

Auch wenn die landwirtschaftlich genutzte Fläche im Stadtstaat gering sein mag, so will die Stadt mit ihrer Bio-Offensive doch ein Zeichen setzen. Rund drei Dutzend der knapp 600 landwirtschaftlichen Betriebe in der Hansestadt wirtschaften bereits ökologisch. Angesichts eines Trends zu Bio-Lebensmitteln reiche das aber bei weitem nicht aus, um die Nachfrage zu decken, sagte Markus Pitz, Abteilungsleiter Landwirtschaft der Wirtschaftsbehörde.

Der Senat will vor allem Landwirten helfen, die von konventionell auf ökologisch umstellen. Sie erhalten außer Beratung auch eine finanzielle Unterstützung. Laut Pitz müssen Bauern, die auf Ökobetrieb umsatteln, laut EU-Recht eine Übergangsphase von bis zu drei Jahren durchstehen. Zugleich will die Stadt in ihren Eigenbetrieben die Zahl der Abnehmer erhöhen. Künftig soll in Kitas, Schulen, Behördenkantinen und in Gefängnissen häufiger regionale Biokost auf dem Speiseplan stehen.

Schwerpunkt der Hamburger Agrarwirtschaft ist der Anbau von Gemüse in den Vier- und Marschlanden sowie von Obst im Alten Land.


Kommentar: Grünes Feigenblatt

Von Markus Lorenz

Wer hat schon was dagegen, wenn Hamburg doppelt so viele Öko-Lebensmittel produziert wie bisher? Biokost schont Umwelt und die Gesundheit der Verbraucher. Nur sollte niemand die Dimensionen der Öko-Offensive überschätzen. Die landwirtschaftlichen Flächen des Stadtstaates sind winzig, ein echter Beitrag zur Agrarwende wird von der Elbe nicht ausgehen.

Der Vorstoß ist kaum mehr als ein Wohlfühlakt, der keinem wehtut. Und eben auch ein buchstäblich grünes Feigenblatt für Unstimmigkeiten in der Koalition. Es soll verbergen, dass Rot-Grün bei drängenden umweltpolitischen Fragen nicht auf einen Nenner kommt. Nicht beim Problem der Luftverschmutzung, samt Fahrverboten für alte Dieselstinker. Nicht bei der Entscheidung, wie grün die Fernwärme werden soll.

Vorschlag: SPD-Bürgermeister Olaf Scholz und sein grüner Umweltsenator Jens Kerstan sollten sich bei Bio-Limonade und Öko-Schnitzel zusammensetzen – und ein Maßnahmenpaket für eine grüne Stadt schnüren, das den Namen verdient. 

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erstellt am 18.Sep.2016 | 04:25 Uhr

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