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Pinneberger Tageblatt

02. Dezember 2016 | 23:28 Uhr

Kreis Pinneberg : Die CDU und der Kampf um die Schröder-Nachfolge

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der zukünftige Bundestagskandidat wird am 5. November bestimmt. Abercron, Steiner, Sölter, Ostmeier, Gjoka, Lehnert – Wer wird Nachfolger von Ole Schröder?

Kreis Pinneberg/Berlin | Der Amtsinhaber sitzt noch fest im Sattel, doch das Gerangel um seine Nachfolge ist bereits in vollem Gange. Der CDU-Kreisverband sucht einen Nachfolger für den Bundestagsabgeordneten Ole Schröder, seitdem der angekündigt hat, sich nicht wieder um ein Mandat für den Bundestag zu bewerben.

Gehandelt werden viele Namen. Doch welcher der möglichen Interessenten sich am Ende tatsächlich bewirbt, ist offen. Denn so richtig traut sich noch niemand aus der Deckung. Lediglich der Elmshorner Kole Gjoka bekennt sich zu seinen bundespolitischen Ambitionen. Doch auch er hält sich Rückzugsmöglichkeiten offen. Außer Gjoka haben immerhin fünf CDU-Politiker eine Kandidatur nicht ausgeschlossen: Peter Lehnert, Dagmar Steiner, Barbara Ostmeier, Michael von Abercron und Nicolas Sölter. Nach dem Wunsch des CDU-Kreisvorstands soll der Bundestagskandidat am 5. November während eines Kreisparteitags nominiert werden. Sollte es mehrere Kandidaten geben, sind vier Vorstellungsrunden geplant.

Ole Schröder ist zufrieden: „Ich freue mich, dass wir so viele geeignete mögliche Kandidaten haben. Im September werden wir Klarheit haben, ob wir die anvisierten Vorstellungsrunden brauchen oder sich schon vorher alle hinter einer Person versammeln werden.“ 

Suche nach dem CDU-Kandidaten

Es war der 24. Juni. Kurz nach 9 Uhr teilte der CDU-Bundestagsabgeordnete des Kreises Pinneberg, Ole Schröder, der Öffentlichkeit per Mail mit, dass er sich bei der Bundestagswahl im Herbst 2017 nicht wieder um ein Mandat bewerben wird. Und seitdem wird im Pinneberg Kreisverband der Union nach einem möglichen Nachfolger gesucht. Bislang allerdings nur hinter den Kulissen. Denn obwohl mehrere Kandidaten gehandelt werden, hat noch kein Christdemokrat offen seine Kandidatur erklärt.

Eigentlich stand Schröders Nachfolger für viele Christdemokraten lange fest: Nicolas Sölter. Der stellvertretende Kreisvorsitzende gilt als großes politisches Talent. Der 28-jährige Jurist ist einsatzfreudig, rhetorisch versiert und obendrein gut vernetzt. Er hat auch nie ein Hehl daraus gemacht, dass ihn ein Bundestagsmandat reizen würde. Die Rücktrittsankündigung von Schröder kommt für Sölter jedoch zur Unzeit. Der Bundestagswahlkampf 2017 fiele genau in die Zeit seines zweiten juristischen Staatsexamens. Sölter wollte keine Stellung nehmen.

Heike Beukelmann, Chefin der Kreistagsfraktion, und Christian von Boetticher, stellvertretender Kreischef, haben abgewunken. Von Boetticher ist seit Herbst 2015 Geschäftsführer der Elmshorner Köllnflockenwerke. „Ich habe hier eine sehr interessante Aufgabe übernommen. Das kommt für mich überhaupt nicht in Frage“, sagte er. „Ich konzentriere mich auf die Kreistagsfraktion“, so Beukelmann.

Interesse an einer Bundestagskandidatur soll die stellvertretende Kreisvorsitzende Dagmar Steiner haben. Die Ärztin hätte für einige Christdemokraten gegenüber Sölter den Vorteil, bereits erfolgreich im Berufsleben zu stehen. Ihr Nachteil: Sie hat keine Hausmacht im Kreisverband. Grundsätzliches Interesse zu haben, bestreitet sie nicht. Sagt aber auf die Frage nach einer möglichen Kandidatur: „Es ist noch in beide Richtungen offen.“

Lehnert will in Ruhe überlegen

Auch die Landtagsabgeordneten Barbara Ostmeier und Peter Lehnert sowie der Landtagskandidat Michael von Abercron sollen im Kreisvorstand geäußert haben, nicht abgeneigt zu sein, die Nachfolge Schröders anzutreten. Das Problem: Sie sind bereits von der Parteibasis zu Kandidaten für die Landtagswahl gekürt worden. Und gegen einen Wechsel vom Landtags- zum Bundestagskandidaten gibt es innerparteilich durchaus Vorbehalte.

Bei Ostmeier hat eine Bundestagskandidatur „nicht erste Priorität“. Sie hätte einen „anderen Wunschkandidaten“. Nach Informationen dieser Zeitung hat sie sich im Kreisvorstand klar für Abercron ausgesprochen. Ostmeier sagt aber auch: „Sollte es erforderlich sein, würde ich mich zur Verfügung stellen.“

Lehnert hatte sich bereits 1994 um eine Kandidatur für den Bundestag bemüht, doch gegen den ehemaligen Quickborner Bürgermeister Gert Willner das Nachsehen gehabt. „Wir sind jetzt in der Phase des Nachdenkens. Damit haben wir bis zum 5. September Zeit. Wir sollten deshalb in Ruhe überlegen, wer der geeignetste Kandidat ist.“

Ob Lehnert tatsächlich antritt, wird in der Union bezweifelt. CDU-Landesparteichef Ingbert Liebing soll ihm mitgeteilt haben, dass er auf den erfahrenen Landespolitiker Lehnert bei seinem Projekt Regierungswechsel in Kiel nicht verzichten möchte.

Bis zum 5. September sollen Interessenten um eine Bundestagskandidatur sich beim Kreisvorstand erklären. Am 7., 12. 27. oder 28. sowie am 31. Oktober sollen sich die Kandidaten den Mitgliedern vorstellen. Am 5. November wird der Kandidat dann vom Kreisparteitag gewählt. „Das Verfahren soll so fair und transparent wie möglich sein“, so Kreispartei-Vize Christian von Boetticher.

Während vor allem Lehnert, aber auch Ostmeier, ihre Wahlkreise mit größter Wahrscheinlich wieder direkt gewinnen und in den Landtag einziehen werden, sind die Chancen von Abercron im roten Wahlkreis Elmshorn verschwindend gering. Und mit seinem Listenplatz 32, über den er ziemlich sauer war, ist die Möglichkeit zum Nachrücken gleich null. Abercron, Beisitzer im Kreisvorstand, ist beliebt im Kreisverband. Er hat große politische Erfahrung und ist aufgrund seiner Tätigkeit im Kieler Umweltministerium Fachmann in Sachen Umweltpolitik. Davon gibt es in der Union nicht viele. Bei der Bundestagswahl wäre Abercron 64 Jahre alt. „Der kann locker zwei Legislaturperioden schaffen und uns gut in Berlin vertreten“, sagt ein Christdemokrat.

„Abercron bestätigt, dass eine Bundestagskandidatur eine Option für ihn wäre: „Ich denke darüber nach.“ Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen. „Das ist eine schwierige Abwägung. Ich habe Verantwortung für den Landtagswahlkreis übernommen. Eine Kandidatur für den Bundestag wäre aber auch eine reizvolle Aufgabe.“

Deutlicher wird sein Parteifreund aus dem Elmshorner Stadtverband, Kole Gjoka: „Ich kann mir sehr gut vorstellen, zu kandidieren.“ Sollte sich allerdings Sölter um die Nachfolge Schröders bewerben, „werde ich nicht antreten und ihn mit aller Kraft unterstützen“, sagt Kjoka.

Mehr Zeit als bei der Suche nach einem Bundestagskandidaten gibt es aus Sicht vieler Christdemokraten bei der Besetzung des Postens des Kreisvorsitzenden. Bis Ende 2017 ist Schröder gewählt. „Das muss Ole bis dahin auf jeden Fall weitermachen. Vielleicht sogar länger. Wir hatten noch niemals so gute Kontakte nach Berlin“, sagt ein Mitglied des Kreisvorstands. Jetzt ist erstmal Sommerpause. Spätestens am 5. September steht fest, welcher der potenziellen Interessenten tatsächlich seinen Hut in den Ring geworfen hat.

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erstellt am 03.Aug.2016 | 10:00 Uhr

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