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Pinneberger Tageblatt

11. Dezember 2016 | 05:09 Uhr

WEdel : Der Wedelecs-Verleih steht vor dem Aus

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Der Bürgermeister kündigt den Vertrag. Die politische Mehrheit ist gegen die Finanzierung unter den aktuellen Bedingungen.

Wedel | Sie wurden mehrfach infrage gestellt. Jetzt scheinen die Wedelecs endgültig dem Ende ihrer Laufzeit entgegen zu rollen. Dienstagabend erklärte Wedels Bürgermeister Niels Schmidt im Finanzausschuss: Er werde den Vertrag mit den Stadtwerken über ein Angebot des E-Fahrrad-Verleihs fristgerecht zum 30. Juni kündigen, damit sich die Vereinbarung nicht automatisch verlängert. Die Kündigung will der Verwaltungschef mit der Bitte an die Stadtwerke verbinden, ein neues Angebot zu unterbreiten – „wenn sie denn wollen“, so Schmidt. Tatsächlich ist der Versorger grundsätzlich willens, weiterzumachen. Bei der Politik allerdings stehen die Zeichen mehrheitlich auf Beendigung dieses Kapitels.

30.000 Euro von der Stadt, rund 76.000 Euro von den Stadtwerken – so sah die Jahresrechnung bislang aus. Ein defizitäres Angebot, das die Stadt bislang unter Tourismusförderung und die Stadtwerke unter PR in Sachen E-Mobilität verbucht haben. Und das eben ob des Kostenfaktor nun noch einmal neu betrachtet werden muss. Genau dies tut Stadtwerke-Chef Adam Krüppel derzeit. Er beabsichtige, ein neues Angebot vorzulegen, sagte Krüppel gestern auf Tageblatt-Anfrage. „Aber die Kosten müssen stimmen.“ Denn nicht nur der defizitäre Betrieb mit zuletzt 1300 Ausleihen in 2015 , sondern auch Reinvestitionen müssten mit eingerechnet werden. Um die Finanzierung auf eine breitere Basis stellen zu können, will Krüppel nun auch nach möglichen Kooperationspartnern suchen. Sollten sich keine Einnahmequellen finden und die Stadt am Ende auch aus der Kofinanzierung aussteigen, „dann werden wir das nicht kompensieren können“, so der Geschäftsführer.

Nachgefragt bei den Fraktionen: Danach sieht es nicht so aus, als dürfte sich Krüppel Hoffnung auf weitere städtische Gelder machen. Zumindest nicht unter den aktuellen Bedingungen. „Wenn wir uns in dem Rahmen wie bisher bewegen, wird die FDP dagegen sein“, sagte Renate Koschorrek, Fraktionsvorsitzende der Liberalen. Ihre SPD-Amtskollegin Sophia Jacobs-Emeis ist ähnlich skeptisch. „Wir haben uns das lange genug angesehen. Es gibt deutlich kleinere Städte mit besseren Fahrrad-Verleihsystemen.“ Das neue Angebot müsse schon sehr gut überarbeitet sein und sich selbst tragen, um die SPD zu überzeugen, so Jacobs-Emeis mit Blick auf das Defizit.

Auch Linke-Fraktionschef Detlef Murphy sagt: „Das Arrangement mit den Stadtwerken ist hochgradig überprüfungswürdig, weil es für die Stadt ein reines Zuschussgeschäft ist.“ Unter den gegebenen finanziellen Bedingungen werde die Linke die Wedelecs nicht unterstützen. Zumal es gute Alternative gebe, so Murphy: „das Stadtrad“.

Eben dieses Hamburger Verleihmodell ist es auch, was die Grünen favorisieren. „Wir halten es für klüger, das System, das in Hamburg betrieben wird, auch in Wedel einzuführen“, so Grünen-Fraktionschef Olaf Wuttke. Sprich: Grundsätzlich würde seine Partei ein Fahrrad-Verleihsystem für Wedel unterstützen – „aber auf keine Fall unter unveränderten Vorzeichen“, so Wuttke. Die WSI dagegen ist laut Fraktionssprecher Joachim Funck gespalten. „Ich persönlich unterstütze eine Fortführung“, so Funck. Aktuell finde diese Position in seiner Fraktion allerdings keine Mehrheit.

Michael Kissig, Fraktionsvorsitzender der CDU, erklärte: „Wir müssen das System auf den Prüfstand stellen, brauchen eine Kosten-Nutzen-Analyse, und das nicht nur unter monetären Aspekten.“ Man müsse wissen, was einerseits die Stadtwerke sich vorstellen und was andererseits die Stadt erreichen wollte und konnte und künftig erreichen möchte. „Das ist die Grundlage dafür, dass wir sagen könnten, wir nehmen gegebenenfalls auch ein Defizit in Kauf“, so Kissig.

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erstellt am 13.Jul.2016 | 12:15 Uhr

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