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Pinneberger Tageblatt

06. Dezember 2016 | 11:18 Uhr

Nach dem Bombenalarm in Pinneberg : Der Schrecken steckt den Seniorenparkbewohnern noch in den Knochen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Großes Lob gab es unterdessen für die Heimleitung und das Team für die reibungslose Evakuierung. Vier Tages sind seit der Bombendrohung vergangen.

Pinneberg | Vier Tage sind seit dem Bombenalarm im Seniorenwohnpark Bauernmühle in Pinneberg vergangen. Doch die Ereignisse sind weiter Gesprächsstoff, die Gedanken daran spuken den Heimbewohnern, der Leitung und dem Pflegepersonal im Kopf herum. „Der Schrecken steckt uns allen noch in den Knochen“, sagt Einrichtungsleiterin Nadine Pekruhl.

Freitag, 15.15 Uhr: Ein Anrufer mit einer elektronisch verzehrten Stimme kündigt eine Bombenexplosion in dem Heim an, das daraufhin evakuiert wird. Spürhunde suchen das Gebäude ab, finden aber keinen Sprengstoff. „Erst auf dem Vorplatz habe ich erfahren, dass es keine Übung war“, sagt Dagmar Hilken (69), seit fünf Jahren Bewohnerin des Seniorenwohnparks.

„Es hieß, es sei eine Übung. Aber ich habe geahnt, dass etwas ist“, sagt hingegen Valerian-August Geselle. Der 85-Jährige ist seit fünf Jahren Bewohner des Seniorenwohnparks Bauernmühle. Als die Evakuierung eingeleitet wurde, wollte er gerade mit einer Gruppe Skat spielen. Erst in der Jupp-Becker-Sporthalle, wohin die alten Menschen gebracht wurden, erfuhr er den wahren Grund. „Ich hätte es nicht für richtig gehalten, wenn jemand etwas vorher herumposaunt hätte. Womöglich wäre eine Panik entstanden“, sagt er.

Geselle weiß, wovon er spricht. Der Bombenalarm, die Räumung des Gebäudes und die Fahrt der Heimbewohner mit den Bussen in die Halle: Für einige der Senioren wurden unschöne Erinnerungen wach. Geselle selbst ist 1945 aus besetzten Gebieten nach Lüneburg geflohen. „Die letzten großen Bombenangriffe auf Hamburg habe ich noch miterlebt“, sagt er.

Der 85-Jährige konnte die Ereignisse am Freitag rational verarbeiten und darüber reflektieren. Die Menschen im Demenz-Bereich waren allerdings verunsichert und verängstigt. „Einige haben geweint“, sagt Pekruhl. Trotz allen Schreckens, die Heimleiterin hat eine wichtige Erkenntnis gesammelt: „Die Evakuierung hat uns gezeigt, was für eine großartige Belegschaft wir sind“, sagt sie. Alle hätten mit angefasst. Mütter in Elternzeit hätten ihre Babys den Vätern in den Arm gelegt, um am Freitag vor Ort zu helfen. Ebenso das Heimpersonal, das an diesem Tag frei hatte. „Unser Koch hat bei der Rückführung der Bewohner ins Wohnheim geholfen“, sagt die Einrichtungsleiterin.

Dafür habe es auch ein positives Feedback von den Bewohnern und Angehörigen gegeben. Lob kommt auch von der Feuerwehr: „Aus Sicht der Feuerwehr haben sie sehr gute Arbeit geleistet“, sagt Wehrführer Claus Köster. Die Hintergründe der Bombendrohung blieben indes auch bis gestern unbekannt. „Wir ermitteln“, sagt Ralf Kapelke von der Pinneberger Polizei auf Anfrage. Er war am Freitag Einsatzleiter. Über die Motive des Täters rätseln immer noch viele Bürger. „Es müssen abgedrehte Leute sein“, sagt Dagmar Hilken. Geselle ist ratlos: „Für meinen eckigen Kopf ist das zu rund“, sagte er.

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erstellt am 28.Sep.2016 | 12:15 Uhr

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