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„Wir haben schon vieles verpasst“ : Der scheidende Abteilungsleiter Frank Laurich über die Zukunft des Hockey-Sports in Pinneberg

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Im Interview spricht Laurich unter anderem darüber, welche Folgen der fehlende Kunstrasenplatz für den Sport hat und warum die Region Pinneberg der ideale Standort für ein Hockey-Zentrum ist.

Pinneberg | Rasanter Mitgliederzuwachs, sportliche Erfolge, aber auch die Hängepartie um den Bau eines Kunstrasenplatzes – Frank Laurich hat mit seinem Team als Leiter der Hockey-Sparte des VfL Pinneberg einiges bewegt und viel erlebt. Nun hört er als Abteilungsleiter auf. Im Interview spricht Laurich unter anderem darüber, welche Folgen der fehlende Kunstrasenplatz für den Sport hat und warum die Region Pinneberg der ideale Standort für ein Hockey-Zentrum ist.

Wie hat sich die Hockeyabteilung des VfL Pinneberg in den vergangenen Jahren entwickelt?
Frank Laurich: Als wir vor acht Jahren anfingen, hatten wir vor, das, was vorhanden war, maximal zu entwickeln. Wir starteten damals mit etwa 80 Mitgliedern, zwischenzeitlich mehr als 200. Insbesondere aber die Qualität konnte deutlich erhöht werden. Qualität in der Breite der Spieler und Trainer. Aber auch Trainingscamps, Fördertraining, mit exzellenten Leuten wie Nationalspielern. Und Events wie Deutsche Meisterschaften, vor kurzem das Spiel von Olympiateilnehmerinnen bei uns oder ein Diskussionsabend mit dem deutschen Bundestrainer. In Summe zahlen sich diese Bemühungen aus, das zeigt sich unter anderem an der steigenden Zahl unserer Spieler in den schleswig-holsteinischen Landesauswahlen.

Weswegen hören Sie als Abteilungsleiter auf?
Wir haben eine Zäsur erreicht, eigentlich schon seit zwei Jahren. Um die Dinge weiter zu entwickeln, ist eine angemessene Infrastruktur erforderlich. Man kann schließlich nicht auf Dauer Schwimmtraining ohne Schwimmbecken anbieten. Um für 300 oder mehr Mitglieder, die man für einen nächsten Schritt braucht, attraktiv zu sein, und dies dann in einen Hockey-Schwerpunkt in Schleswig-Holstein zu überführen, brauchen wir den Kunstrasenplatz. Und hier sind uns einfach die Hände gebunden, was natürlich frustrierend ist. Von daher ein Zeitpunkt, damit motivierte Nachfolger den nächsten Anlauf unternehmen. Denn die Idee bleibt ja weiter richtig und attraktiv.

Wie fällt Ihre Bilanz nach acht Jahren aus?
Auch, wenn man sehr selbstkritisch alles betrachtet, lässt sich kaum mehr erreichen. Mir hat dabei vor allem das enorme Engagement etlicher Mitglieder sehr gut gefallen. Denn der eigentliche Motor sind ja nicht allein wir, sondern die Betreuer und Trainer vor Ort. Es hat sich immer jemand gefunden, der mit anpackt. Und zwar völlig geräuschlos, ohne Eitelkeiten, ohne viel Aufhebens. In so einer Atmosphäre bringt die Arbeit Spaß.

Wo könnte ein Kunstrasenplatz entstehen? Ist auch ein Areal an der Caspar-Voght-Schule in Rellingen möglich?
Für Pinneberg müssen wir nun erst einmal abwarten, was das Gutachten ergibt, das ermitteln soll, ob sich „An der Raa“ als Standort eignet. Hier sind der Ausgang des Gutachtens und vor allem auch die Bewertung dessen relativ unklar. Und klar, andere Standorte wären ebenfalls sehr gut geeignet, jedoch hakt es an wichtigen Details, wie Grundstücksgrößen oder Eigentumsverhältnissen. Nicht unlösbar, aber weiter zeitintensiv.

Gehen Sie davon aus, dass überhaupt ein Kunstrasenplatz gebaut wird?
Ja, der Trend geht ja generell ganz klar dahin. Wenn wir nicht mehr an die Option glauben, würden wir das ganz klar so kommunizieren. Nur das wann und wo ist natürlich für den Hockeysport elementar und hier gibt es leider noch immer keine klaren Antworten.

Frank Laurich (56) wohnt in Halstenbek und arbeitet als Unternehmensberater. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Seit acht Jahren ist Laurich Leiter der Hockey-Sparte des VfL Pinneberg. Sein Amt gibt er ab.

Sind Sie über die Verzögerungen sauer?
Für Projekte dieser Art gibt es ein Zeitfenster, in dem man sie optimal entwickeln kann. Wir haben hier schon vieles verpasst. Man kann nicht gute Konzepte einfach aussitzen und glauben, dass dann alles so weiterläuft. Andere Gemeinden machen das einfach besser und geschmeidiger. Insbesondere dann, wenn sogar erhebliche Gelder aus der Wirtschaft und von Bürgern mitgebracht werden. Das ist schon ärgerlich.

Hat sich der fehlende Kunstrasenplatz schon negativ bemerkbar gemacht?
Ja. Weniger an den Mitgliederzahlen, mehr jedoch an der Struktur. Es braucht wieder eine Perspektive, dass sich etwas weiterentwickelt. Nur so ist es möglich, Menschen zu motivieren, sich zu engagieren. Ohne Visionen und Ziele geht es nicht. Stillstand führt zwangsläufig zum Rückschritt. Hier ist dann auch der Ansatzpunkt für die neuen Kollegen.

Ist ohne feste Heimat überhaupt der Trainingsbetrieb sichergestellt?
Ja, aber es ist jedes Mal ein Albtraum. Wir wissen vorher nie, wo wir im Sommer genau trainieren können. Es ist wahnsinnig schwierig, Trainer zu finden und die über die Woche zu verteilen. Zum Glück haben wir eine fantastische sportliche Leitung, die das immer wieder hinbekommt.

Ist es überhaupt noch realistisch, den angestrebten Hockeyschwerpunkt in Schleswig-Holstein zu realisieren?
Das Konzept hat weiter Bestand. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass unsere Region dafür ein idealer Standort wäre. Aber alles steht und fällt mit der Infrastruktur.

Wie ist die Stimmung unter den Mitgliedern? Sorgt die Kunstrasen-Hängepartie für Frust?
Das ist sehr unterschiedlich. Wer schon länger dabei ist und auf einem bestimmten Niveau spielt, ist natürlich genauso wie wir wahnsinnig enttäuscht. Viele Jüngere freuen sich erst einmal über das tolle sportliche Angebot und machen sich darüber noch weniger Gedanken.

Ist Pinneberg aus Ihrer Sicht eine Sportstadt?
Ja und nein. Der Sport ist definitiv eines der Pfunde, mit denen man wuchern kann. Die Vereine leisten professionelle Arbeit, neben den klassischen Sportarten kann ich auch Reiten oder Golf spielen – eine tolle Mischung. Aber leider wird aus den Möglichkeiten viel zu wenig gemacht.

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erstellt am 03.Mär.2017 | 16:01 Uhr

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