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Pinneberger Tageblatt

03. Dezember 2016 | 05:43 Uhr

Wolfram Jasker gibt Vereinsvorsitz : Der Lotse verlässt das Rettungsboot der Mieter

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Der Neue, den die Jahreshauptversammlung an diesem Freitag wählt, soll alles wohl bestellt vorfinden.

Wedel | Knifflige Sachen waren immer sein Ding. Beruflich hat Wolfram Jasker an der Raumfahrtentwicklung mitgearbeitet. Dazu kam schon früh ein wacher Sinn für soziale Anliegen. Das brachte ihn in den Betriebsrat. Und seit jungen Jahren engagiert Wolfram Jasker sich in der Friedensbewegung. „Für gerechte Sachen setze ich mich nun mal ein“, fasst er seine Engagements zusammen. Da konnten die Nöte bedrängter Mieter nicht fehlen. Seit 16 Jahren steht er an der Spitze des Mietervereins Wedel. Doch jetzt wird die Bürde dem 72 jährigen zu schwer. Am heutigen Freitag will Jasker den Stab an einen Nachfolger weitergeben.

Der Neue, den die Jahreshauptversammlung an diesem Freitag wählt, soll alles wohl bestellt vorfinden. Die letzte große Herausforderung für Jasker war der Umzug aus dem alten Backsteinhaus in der Bahnhofstraße 27 in ein modernes Büro ein paar Hausnummern weiter, Bahnhofstraße 38/40. „Wir haben mehr Platz und wir werden dank der vielen Besucher in den übrigen Büros des Hauses auch stärker wahrgenommen“, fasst der scheidende Vorstand die Vorteile zusammen. Einen Fahrstuhl gibt es dort auch.

Die Wahrnehmung des Mietervereins in der Öffentlichkeit war in all den Jahren ein vordringliches Anliegen für Jasker. „Viele Menschen haben Angst vor ihren Vermietern und trauen sich nicht aufzumucken, vor allem solche mit geringem Einkommen“, weiß er aus Erfahrung. Um diesem Personenkreis klar zu machen, dass es Hilfe gibt, war Jasker immer wieder mit vielen Aktionen unterwegs. „Inzwischen bin ich stadtbekannt und die Leute fragen mich auf der Straße um Rat“, erlebt er wieder und wieder.

Aber, so schränkt er sofort ein, auch wenn er im Laufe der Jahre gelernt habe, die Feinheiten aus den Paragrafen herauszulesen, in Rechtsfragen müsse ein Anwalt antworten. Dienstags, mittwochs und donnerstags stehen solche Mietrechtsexperten den Ratsuchenden zur Verfügung. Man muss allerdings Vereinsmitglied sein, um davon zu profitieren. Das kostet 84 Euro Beitrag pro Jahr. Dafür gibt es nicht nur Beistand im Streitfall sondern auch Geselligkeit. „Wir wollen nämlich nicht einfach ein Dienstleister sein“, hebt Jasker hervor. Über 1400 Mitglieder wissen das zu schätzen und machen die Organisation zum zweitgrößten Verein in der Rolandstadt.

Die hohe Mitgliederzahl ist auch ein politisches Argument zur Durchsetzung von Gesetzesverbesserungen, weiß Jasker. Dabei denkt er an den Kampf, die Mietpreisbindung im sozialen Wohnungsbau so lange wie möglich zu erhalten, und an Verbesserungen der sogenannten Mietpreisbremse, an die angestrebte Verpflichtung der Vermieter, die Miethöhe der Vormieter offenzulegen und vieles mehr. Für Wedel wünscht sich der scheidende Vereinschef, dass die Stadt endlich baugenossenschaftlich tätig wird, um erschwinglichen Wohnraum zu schaffen. Und jetzt in der Vorweihnachtszeit hat Jasker eine Personengruppe im Blick, für die es nicht einmal einen Mietstreit geben kann: die Obdachlosen der Stadt. Für sie will er im „Lebendigen Advent“ eine Tür öffnen.

Die öffentliche Sitzung beginnt heute am 19 Uhr im Awo-Treff, Rudolf-Breitscheid-Straße 40a. Anmeldung und weitere Infos unter Telefon 04103-15689.
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