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Pinneberger Tageblatt

03. Dezember 2016 | 20:54 Uhr

Mit Pro- und Contra-Kommentaren aus der Redaktion : Der Kreis Pinneberg hat eine neue Gleichstellungsbeauftragte

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Tinka Juliane Frahm ist neue Gleichstellungsbeauftragte. Sie setzte sich gegen 30 Konkurrentinnen durch.

Kreis Pinneberg | Ihre Aufgabe ist die Durchsetzung  eines Grundrechts: Die Gleichstellungsbeauftragte trägt laut Hauptsatzung des Kreises Pinneberg „zur Verwirklichung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern im Kreis Pinneberg“ bei. Diese Aufgabe hat am 1. November Tinka Juliane Frahm übernommen. Sie ist die fünfte Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Pinneberg seit 1987. Damals hatte der Kreis die Einrichtung eines Frauenbüros beschlossen. Seit 1994 schreibt das Land Kreisen und vielen Kommunen vor, Gleichstellungsbeauftragte zu beschäftigen. Frahm ist 35 Jahre alt, wohnt in Hamburg, ist verheiratet und hat drei Kinder. Zuvor war sie als Gleichstellungsbeauftragte im Kreis Steinburg tätig.

Das Land will allen Gemeinden mit mehr als 15.000 Einwohnern zwingend vorschreiben, eine volle Ganztagsstelle für hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte zu schaffen. Halbe oder gar Drittelstellen, wie sie klamme Kommunen bislang eingerichtet haben, sind dann tabu.

Zu ihren Aufgaben gehört es, frauenspezifische Belange in die Arbeit der Kreisgremien und der Verwaltung einzubringen, an Personalentscheidungen mitzuwirken, Sprechstunden für Frauen, „aber auch für Männer“ anzubieten und Vorlagen der Verwaltung auf Gleichstellungsrelevanz zu prüfen. Außerdem soll sie mit gesellschaftlichen Gruppen, Institutionen und Betrieben zusammenarbeiten, um frauenspezifische Belange wahrzunehmen. Zudem möchte sich Frahm mit anderen Gleichstellungsbeauftragten abstimmen.

Zudem möchte sie mithelfen, dass mehr Frauen in der Kreisverwaltung  in Führungspositionen kommen. „Häufig muss man Frauen coachen. Die haben zwar die nötige Qualifikation, trauen sich aber oft nicht“, sagt sie. Auch für bedarfsgerechte Betreuungszeiten in den Kindergärten will sie sich einsetzen. Um Alleinerziehende und deren Probleme möchte sie sich ebenfalls kümmern. Denn 98 Prozent der Alleinerziehenden seien Frauen.

Rund 65.000 Euro Kosten pro Jahr

Frahm musste sich gegen 30 Mitbewerberinnen durchsetzen, bevor sie die Stelle im Kreis Pinneberg bekam. Sogar ein Mann  hatte sich beworben, doch dessen Unterlagen wurden gleich aussortiert. Denn, so Kreissprecher Oliver Carstens, die Stelle der Gleichstellungsbeauftragten darf nur an Frauen vergeben werden. Rund 65.000 Euro muss der Kreis derzeit pro Jahr für Personal- und Sachkosten der Gleichstellungsstelle berappen. Im Laufe der Jahre  ist  da einiges zusammengekommen.

Hans-Peter Stahl (SPD), Vorsitzender des Kreisausschusses  für Soziales, Gesundheit, Gleichstellung und Senioren, betonte, wie wichtig es sei, aufgrund des Fachkräftemangels  Frauen bessere Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verschaffen. Wie Frahm, möchte er zudem mehr Frauen für die Kommunalpolitik begeistern: „Am liebsten hätte ich eine paritätische Besetzung.“ Das ist der Wunsch. Die Realität: Gerade einmal drei von 15 SPD-Kreistagsabgeordneten sind Frauen. Bei der CDU  sind immerhin sechs von 20, bei den Grünen sogar 4 von 8.

Pro & Contra aus der Redaktion

Kommentar: Dieser Posten gehört abgeschafft!

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Die Gleichberechtigung von Männern und Frauen ist vom Grundgesetz (Artikel 3) garantiert. Wir leben in einem Rechtsstaat, in dem dieses Recht notfalls eingeklagt werden kann. Und, so ganz nebenbei, wird unser Land seit Jahren von einer Frau regiert. Wozu bitte, brauchen wir Gleichstellungsbeauftragte?
Außerdem: Was dort angeboten wird, haben zum großen Teil auch   Institutionen wie Familienbildungsstätten oder „Frau & Beruf“ im Programm. Und dann dieses: Die Stelle darf nur mit Frauen besetzt werden. Eine Stelle, deren Inhaber(in) für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern sorgen soll? Absurder geht’s nun wirklich nicht! Es ist Zeit: Dieser Posten gehört abgeschafft, und zwar schnell. Es gibt bessere Verwendungen für das viele Geld. Bernd Amsberg

Kommentar: Dieser Posten ist notwendig. Leider.

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Ja, es stimmt. Laut Grundgesetz sind Männer und Frauen gleichberechtigt. Wer aber wirklich glaubt, damit wäre es getan, macht es sich zu leicht und verschließt entweder bewusst die Augen oder ist schlicht nicht fähig, die Wirklichkeit zu begreifen.
Wir, im sich so gern für seine Toleranz selbstlobenden Deutschland, leben nunmal nicht in einer gleichberechtigten Gesellschaft! Jeden Tag werden Menschen wegen ihrer Herkunft, Erscheinung, Sexualität oder eben ihres Geschlechts diskriminiert.
Der Druck des Landes in Kommunen Ganztagsstellen für hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte zu schaffen, ist für den Fall der ungleichen Behandlung der Geschlechter eine logische Konsequenz. Gleichstellungsbeauftragte abschaffen, wenn sie überflüssig sind? Gern und sofort. Vielleicht kommen wir ja tatsächlich eines Tages an diesen Punkt. Soenke Schierer

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Bernd Amsberg (Redakteur): bernd.amsberg@shz.de
Soenke Schierer (Redakteur): soenke.schierer@shz.de

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