zur Navigation springen

Pinneberger Tageblatt

21. Januar 2017 | 05:35 Uhr

„Eine schonungslose Analyse“ : Der Geschäftsführer des VfL Pinneberg im Interview

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Uwe Hönke, Geschäftsführer des VfL Pinneberg, spricht über den Sportentwicklungsplan und einen neuen Kunstrasenplatz.

Pinneberg | Sportentwicklungsplan, Bau eines Kunstrasenplatzes – diese Themen beschäftigen den VfL Pinneberg nun schon seit mehreren Jahren. Nach langen Diskussionen sind erstmals Fortschritte zu erkennen. Im Interview mit unserer Zeitung erklärt VfL-Geschäftsführer Uwe Hönke unter anderem, was der VfL von Politik und Verwaltung erwartet.

Die politischen Gremien haben sich vor kurzem für den Sportentwicklungsplan ausgesprochen. Ist dieser aus Ihrer Sicht nun auf einem guten Weg?
Ja. Ich bin froh, dass der politische Beschluss endlich umgesetzt wird und die personellen Voraussetzungen im Pinneberger Rathaus gegeben sind, um das Vorhaben in Angriff zu nehmen. Ich freue mich, dass es bald losgeht, weil ich aus eigener Erfahrung aus Elmshorn weiß, wie sehr der Sport von dem Plan profitieren wird.

Was muss der Sportentwicklungsplan enthalten?
Im ersten Schritt geht es um eine umfangreiche und neutrale Bestandsaufnahme. Aktuelle Entwicklungen müssen mit den Gegebenheiten vor Ort abgeglichen werden. Besonders wichtig ist, dass es um den kompletten Sport geht. Vereine, Schulen, kommerzielle Angebote, Sport in Einrichtungen wie der Volkshochschule, Sport im privaten Bereich – alles gehört dazu. Der Plan soll zeigen, wie die Voraussetzungen in Pinneberg sind und was angepackt werden muss. Auch der Zustand der Sportstätten wird Teil des Plans sein.

Was erwarten Sie von der Verwaltung?
Meine Erwartung ist, dass nun möglichst zügig ein externes Institut mit der Planerstellung beauftragt und diesem effektiv zugearbeitet wird. Schließlich gibt es genügend Anbieter und etliche Kommunen, die ein solches Projekt schon erfolgreich in Angriff genommen haben. Ich finde es gut, dass der Plan von jemandem von außen erstellt wird. In der Stadt ginge jeder schon mit einem bestimmten Blickwinkel an die Aufgabe heran. Das ist völlig normal, aber nicht unbedingt hilfreich. Wir brauchen eine neutrale und schonungslose Analyse.

Inwieweit werden die Vereine eingebunden?
Ich wünsche mir eine aktive Beteiligung von allen, die dem Sport verbunden sind. Dazu gehören natürlich auch die Vereine, aber beispielsweise genauso der Senioren- sowie der Jugendbeirat. Wünschenswert wäre zudem eine Einbindung der Pinneberger Bürger, um deren Wünsche in den Prozess einfließen lassen zu können. Ich könnte mir vorstellen, dass in Workshops einzelne Themen angegangen werden und daraus ein Gesamtbild entsteht. Der Entstehungsprozess selbst bringt schon etliche Aha-Erlebnisse und Synergieeffekte. Zudem ist es immer besser, wenn alle Protagonisten mitarbeiten und nicht das Gefühl haben, dass einfach etwas von oben verordnet wird.

FDP-Ratsherr Werner Mende, auch Vorsitzender des Pinneberger Tennis Clubs, kritisierte, dass der Plan nur den großen Vereinen etwas bringt. Ein berechtigter Einwand?
Nein. Es werden alle Bereiche unter die Lupe genommen. Dazu gehört auch der Tennissport. Werner Mendes Äußerungen sind absoluter Quatsch. Sie zeigen, dass er sich nie wirklich mit dem Instrument „Sportentwicklungsplan“ auseinandergesetzt und bei den jahrelangen Diskussionen offensichtlich nicht aufgepasst hat. Wenn er das getan hätte, wüsste er, dass es um den kompletten Sport und nicht nur um die großen Vereine geht. Seine Aussagen sind für seinen eigenen Verein kontraproduktiv und für mich sehr enttäuschend.

Hat die Stadt überhaupt das Geld, um umzusetzen, was der Sportentwicklungsplan empfiehlt?
Dass es seitens der Stadt in absehbarer Zeit keine großen Investitionen in die Sportinfrastruktur geben kann, ist völlig klar. Gerade, weil die Stadt kein Geld hat, ist der Plan eine Chance. Es werden auch Möglichkeiten aufgezeigt, etwas ohne finanzielle Mittel zu bewegen oder die vorhandenen Ressourcen effektiver zu nutzen. Es geht zudem darum, Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten. Es funktioniert nicht, wenn jeder nur in seinem eigenen Saft schmort und den anderen als Konkurrenten betrachtet. Ginge es nur darum, einen Sanierungsplan für Hallen und Sportplätze zu erstellen, bräuchten wir kein externes Institut. Diese Bestandsaufnahme ist nur ein kleiner Teil des gesamten Sportentwicklungsplans.

Wann soll der Plan fertig sein?
Ich hoffe, dass kurzfristig eine Ausschreibung erfolgt und die Arbeit im Frühjahr 2017 beginnt. Dann könnten die Ergebnisse Ende des Jahres 2017 vorliegen. Dafür müssen aber alle Beteiligten mitmachen und an einem Strang ziehen. Der Bau eines Kunstrasenplatzes für die Hockeyabteilung beschäftigt den VfL Pinneberg schon seit Jahren. Nun hat die Stadt erklärt, dass dafür doch ein Grundstück in der Straße An der Raa in Frage kommt.

Wie steht der VfL zu der aktuellen Entwicklung?
Wir haben die Botschaft vernommen. Der Teufel steckt allerdings im Detail. Um uns dazu zu äußern, müssen uns die kompletten Rahmenbedingungen vorliegen. Wir kämpfen aber nicht ohne Grund für den Platz. Es geht schließlich um die Zukunft unserer Hockeyabteilung. Status quo ist, dass wir unseren Antrag zurückgezogen haben. Sollte es nun neue Erkenntnisse geben und die Stadt ihre Hausaufgaben gemacht haben, schauen wir uns das an und bewerten das neu.

Ein Standort im Umland ist auch weiterhin möglich?
Unser Ziel ist nach wie vor, ein Hockeyzentrum in der Region zu schaffen. Am liebsten in Pinneberg. Wir sind aber unseren Mitgliedern, Spendern und Sponsoren gegenüber verpflichtet, auch über Alternativen nachzudenken. Ohne den Kunstrasenplatz ist unsere Hockeyabteilung auf Dauer nicht konkurrenzfähig.

Wie viel Porzellan ist durch die jahrelange Hängepartie bereits zerschlagen worden?
Die Frustration in der Hockeyabteilung ist groß, besonders beim Vorstand, der das Projekt mit viel Arbeit und Herzblut angeschoben hat. Und das alles ehrenamtlich. Immer wieder wurden Hoffnungen geschürt und ständig neue Standorte ins Gespräch gebracht. Letztendlich endete es bisher immer mit einer Enttäuschung. Deshalb ist es schwierig, die Motivation aufrecht zu erhalten. Es fällt schwer, noch glaubhaft zu vermitteln, dass wir an einer Lösung dran sind. Irgendwann fehlt einfach der Glaube.

Hat sich das schon auf die Abteilung ausgewirkt?
Einige Leistungsträger sind schon weg. Die absoluten Mitgliederzahlen sind aber noch konstant. Das liegt vor allem daran, dass jetzt die Hallensaison beginnt und die Hallenkapazitäten ausreichend sind. Bis zum Start der Feldsaison im kommenden Frühjahr brauchen wir eine Lösung. Das sind wir uns selbst und unseren Mitgliedern schuldig. Wir müssen ihnen eine Perspektive bieten, um sie bei uns zu halten.

zur Startseite

von
erstellt am 20.Okt.2016 | 14:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen