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Pinneberger Tageblatt

09. Dezember 2016 | 18:36 Uhr

Engpässe : Der Flüsterasphalt ist im Norden knapp

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die hohe Zahl der Autobahnbauprojekte stellt Lieferanten vor Probleme. Es gibt Kritik an öffentlichen Ausschreibungsverfahren.

Kreis Pinneberg | Auf den Baustellen im Kreis Pinneberg wird der Asphalt knapp. Die Asphaltbauer auf Autobahnen, Bundes- und Landstraßen melden Engpässe – vor allem beim offenporigen Asphalt, auch Flüsterasphalt genannt.

„Die Asphaltmischwerke stoßen aufgrund der zahlreichen Straßenbauprojekte wie der Autobahnen 23 und 7 an ihre Leistungsgrenzen“, sagt Arndt Lüdeke, Pressesprecher der Eurovision Industrie GmbH, die unter anderem Mischwerke in Tangstedt und Lentföhrden betreibt. Eine hohe Nachfrage im Sommer sei aufgrund der Ausschreibungen von Kommunen und Gemeinden üblich, da in den ersten drei Monaten jedes Jahres aufgrund der Temperaturen kaum Erdarbeiten durchgeführt würden und auch kein Asphalt aufgetragen werde. „Die aktuelle Situation ist schon sehr ungewöhnlich“, sagt Lüdeke und ergänzt: „Für uns als Asphaltmischwerk ist die hohe Nachfrage natürlich eine schöne Situation.“ Der Pressesprecher kritisiert die Vergabepolitik der Verwaltungen: „Es führt oft dazu, dass zu Jahresbeginn wenig zu tun ist und wir sogar in Kurzarbeit gehen müssen. In der Hochphase wie jetzt ist es andersrum. Da wird von allen Fronten gefordert, dass die eigene Baustelle möglichst schnell fertig wird.“

Diese Situation kennt auch Bernd Hinrichs, Leiter Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Asphaltverbands (DAV): „Es gibt keine durchgängige Ausschreibungstätigkeit, sondern immer Hochphasen, in denen an allen Orten gleichzeitig gebaut wird.“ Generell ist der Verbandsvertreter aber überzeugt: „Asphalt kann eigentlich nicht knapp werden.“ Dieser entstehe aus Gestein und dem Bindemitteln Bitumen, einem aus Erdöl gewonnenen Gemisch aus verschiedenen organischen Stoffen. Vor Jahren habe es bei der Lieferung Probleme gegeben, die zu einer Knappheit für die Straßendecken sorgte. Doch das sei laut Hinrichs derzeit nicht das Problem, wie er nach Rücksprache mit den Produzenten mitteilte: „Auf der Autobahn 23 wird viel offenporiger Asphalt verbaut. Dieser benötigt ein bestimmtes Gestein mit einer speziellen Körnung.

 

Da gibt es derzeit Lieferengpässe.“ Welche Auswirkungen es auf die Bautätigkeit habe, könne er derzeit nicht abschätzen. „Da kenne ich die Lieferzeiten der jeweiligen Produzenten und deren Bauplanungen nicht“, sagte Hinrichs. Auswirkungen auf die Preise durch die Verknappung erwartet Lüdeke nicht, er schränkt aber ein: „Als Verband dürfen wir uns nicht zur Preisgestaltung unserer Mitglieder äußern – weder zu Preisen in der Vergangenheit, noch zu erwarteten Preisen.“

Auch die Hersteller schweigen sich zur Preisentwicklung aus, da die Preise von der Qualität des Asphalts abhängig seien. Laut Statistischem Bundesamt kostete zwischen den Jahren 2001 bis 2009 der Neubau eines Kilometers Autobahn – inklusive aller Bauleistungen – etwa 10,1 Millionen Euro. Beim Ausbau einer Autobahn lagen die Kosten mit 10 Millionen Euro pro Kilometer knapp darunter. Den Preis für einen Kilometer Bundesstraße gibt das Statistische Bundesamt mit einer Summe von 5,7 Millionen Euro an.

Offenporiger Asphalt – umgangssprachlich auch Flüsterasphalt genannt – wird vor allem auf Außerortsstraßen und Autobahnen als aktive Lärmschutzmaßnahme verwendet. Der Asphalt kann ein- oder zweischichtig hergestellt werden. Für die Schallentwicklung ist die Gesamtdicke maßgebend. Um den Lärmschutz zu ermöglichen, gilt der Grundsatz, dass die Schicht umso dicker sein muss je langsamer gefahren wird und je höher der Lkw-Anteil ist. (baf)
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erstellt am 02.Aug.2016 | 10:00 Uhr

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