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Pinneberger Tageblatt

07. Dezember 2016 | 13:38 Uhr

Prozess in Itzehoe : Der Disco-Schütze von Schenefeld soll ins Gefängnis

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Staatsanwältin fordert viereinhalb Jahre Haft für dem Angeklagten.

Itzehoe/Schenefeld | Im Prozess gegen den Disco-Schützen von Schenefeld haben Staatsanwaltschaft und Verteidigung ihre Plädoyers gehalten. Anklägerin Maxi Wantzen beantragte eine Gefängnisstrafe von viereinhalb Jahren. Strafverteidiger Andreas Thiel forderte maximal drei Jahre. Der 23 Jahre alte Angeklagte aus Norderstedt hatte am 19. April 2015 vor dem Schenefelder Eberts zwei Männer niedergeschossen und schwer verletzt.

Der Angeklagte hatte die Tat nach seiner Festnahme im vergangenen Jahr gestanden. Nachdem während der Hauptverhandlung zahlreiche Zeugen befragt worden waren, herrschte zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung in der Frage des Tathergangs im Wesentlichen Einigkeit. Demnach trafen im Eberts zwei Gruppen aufeinander. Eine Clique um einen ehemaligen St.-Pauli-Jugendkicker feierte dessen Geburtstag. Eine weitere Gruppe, zu der auch die Verlobte des Angeklagten gehörte, feierte ebenfalls einen Geburtstag.

Die Verbindung zwischen den Partygästen: Der Ex-Pauli-Fußballer hatte einem Mitglied der anderen Clique vor Jahren den Schädel eingeschlagen. Das Opfer war wochenlang im Krankenhaus und in der Reha in Behandlung. Die Narben zeichnen den Mann bis heute. Die Clique um das Prügelopfer hatte am 19. April auch Kontakt zum späteren Schützen.

Der feierte derweil einen Junggesellenabschied in Uetersen, wollte mit Freunden später in eine Disco nach Wedel. Doch er bekam einen Anruf aus dem Eberts. Seine Verlobte sei dort von einem Gast angemacht worden. Er änderte seine Pläne, fuhr mit Freunden zum Eberts, traf vor dem Eingang seine Verlobte, die auf den Ex-Pauli-Kicker wies. Der Schütze zog eine Pistole der Marke Czeska und traf den Mann in die Genitalien. Mit einem zweiten Schuss verletzte er, vermutlich versehentlich, einen weiteren Partygast.

Staatsanwältin Wantzen sprach von bedingtem Tötungsvorsatz: „Er hat auf die Körpermitte und nicht auf die Füße gezielt. Er hat den Tod des Opfers zumindest billigend in Kauf genommen.“ Die Aussage, wegen vermeintlicher Grabschereien gegen seine Verlobte in einer Kurzschlussreaktion gefeuert zu haben, hält Wantzen für eine Schutzbehauptung. Sie forderte viereinhalb Jahre Gefängnis.

Verteidiger Thiel hält dagegen: „Hätte mein Mandant ihn töten wollen, hätte er auf den Oberkörper oder den Kopf gezielt. Außerdem hätte er nach dem Treffer weiterschießen können. Stattdessen ist er geflüchtet.“ Er geht nicht von einem Tötungsvorsatz aus. Eine Freiheitsstrafe dürfe drei Jahre nicht überschreiten. Selbst eine Bewährungsstrafe sei zu prüfen.

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erstellt am 12.Jul.2016 | 16:00 Uhr

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