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Pinneberger Tageblatt

10. Dezember 2016 | 13:48 Uhr

Wilfried Hans im Interview : Der Bürgermeister von Prisdorf über die Gründe für seinen Rücktritt

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Bürgermeister Wilfried Hans berichtet im Interview von den Gründen für seinen Rücktritt und blickt zurück auf 14 Jahre Amtszeit.

Prisdorf | Seit Januar 2002 hat Wilfried Hans die Geschicke der Gemeinde Prisdorf geleitet. Nun tritt er zurück. Sein Nachfolger wird am 9. Mai während der nächsten Gemeindevertretung gewählt. Im Interview blickt der 61-Jährige zurück, erklärt die Gründe für seinen Rücktritt, erläutert die künftigen Herausforderungen in der Gemeinde und beurteilt die Bewerber, die ihm nachfolgen wollen.

Was waren Ihre Beweggründe für den Rücktritt?
Wilfried Hans: Meine berufliche Situation ist nicht mehr so, dass ich genug Zeit hätte, das Ehrenamt als Bürgermeister auszuüben. In meiner Tätigkeit als Kaufmännischer Vorstand in der Großstadt Mission bin ich zusätzlich gefordert. Außerdem möchte ich mir auch mehr Zeit nehmen für meine Frau, meine Kinder und meine Enkelkinder. Unsere Enkelkinder wohnen in Freiburg und ich komme zurzeit nur einmal im Jahr dazu, sie zu besuchen. Zum Dritten habe ich auch einen gewissen Anspruch an meine Tätigkeit als Bürgermeister. Es macht mich unzufrieden, dass ich das Amt aus Zeitgründen nicht so ausüben kann, wie es aus meiner Sicht ausgeübt werden müsste. Ursprünglich wollte ich das Amt nur zehn Jahre ausfüllen. Die Neubauten unserer gemeinsamen Bilsbekschule und dem Kindergarten wollte ich noch gern beenden. Ich trete nicht aus Ärger oder Frust zurück.

Ziehen Sie sich auch als Gemeindevertreter zurück?
Ja, genau. Ich bleibe aber in der Partei und wir werden weiterhin in gutem Kontakt miteinander stehen.

Was halten Sie von den Bewerbern Holger Splettstößer von der CDU und Rolf Schwarz vom BBP ?
Die CDU-Fraktion hat sich entschlossen, Herrn Splettstößer zu unterstützen. Herr Splettstößer hat bereits langjährige Erfahrung als Gemeindevertreter. Wir halten ihn für einen sehr geeigneten Kandidaten. Herr Schwarz vom Bürgerblock hat schon zweimal versucht, Bürgermeister zu werden. Er ist auch jemand, der schon viel Erfahrung in der Politik hat. Dann muss man sehen, wie die Wahlen ausgehen.

Was muss ein Bewerber zwingend mitbringen?
Es ist wichtig, für alle Bürgerinnen und Bürger da zu sein und nicht wegen einer möglichen Parteizugehörigkeit zu unterscheiden. Mir war das immer ganz wichtig, auf die Bürgerinnen und Bürger zuzugehen. Auch mit Problemstellungen umgehen zu können, ist eine wichtige Voraussetzung. Ich bin mehr verliebt in das Gelingen als in das Scheitern. Das war mein Motto und aus meiner Sicht eine gute Grundvoraussetzung.

Was war Ihre schönste Erfahrung als Bürgermeister?
Ich habe es als schön empfunden, positive Rückmeldungen von unseren Bürgerinnen und Bürgern zu bekommen. Das war eine schöne Bestätigung für das, was ich gemacht habe. Ich höre von einigen Kolleginnen und Kollegen, dass sie sehr viel von Bürgerinnen und Bürgern angegriffen werden und wurden. Das war bei mir sehr selten der Fall.

Auf welche Projekte sind Sie stolz?
Wir haben zwei Baugebiete erschlossen und so die Möglichkeit geschaffen, dass auch Familien ihr Eigenheim in unserer Gemeinde bauen konnten. Außerdem haben wir die Idee entwickelt, eine gemeinsame Grundschule mit Kummerfeld zu bauen, um die dörfliche Grundschule zu erhalten und zukunftsfähig aufzustellen. Für die nächsten 40 Jahre bleibt eine dörfliche Grundschule erhalten. Der Kindergartenneubau war ein sehr schönes Projekt. Wir mussten Bedarf, besonders bei den Krippenplätzen, anpassen. Ich höre ausschließlich positive Resonanz über das pädagogische Konzept durch den Träger- und Förderverein und den Umgang miteinander. Das hat mich auch für die Familien in der Gemeinde sehr gefreut. Es war mir außerdem wichtig, die Feuerwehr so auszustatten, dass sie ihre Arbeit immer gut erledigen konnte. Unsere freiwillige Feuerwehr steht auch bei allen kulturellen Veranstaltungen immer unterstützend zur Seite. Entscheidend war auch die energetische Sanierung des Gemeindezentrums und der Turnhalle. Und wir haben die Planungen für Park and Ride und Bike and Ride am Bahnhof angestoßen. Es ist sehr wichtig, dass wir den Bahnhofanschluss haben. Dies macht noch zusätzlich die Attraktivität in unserem Dorf zu leben aus. Zur Attraktivität gehört auch, dass seit nun fast zehn Jahren eine allgemeinmedizinische und zahnärztliche Versorgung in unserer Gemeinde vorhanden ist. Dazu kommt das Einkaufszentrum.

Was ist Ihnen nicht gelungen?
Die Breitbandanbindung. Da haben wir mehrere Anläufe gehabt mit allen Schwierigkeiten, die da waren. Es ist etwas besser geworden, aber das Endziel muss ja sein, dass in jedem Haushalt Glasfaserkabel verlegt ist. Das ist besonders wichtig, um attraktiv zu bleiben, auch für die Unternehmen. Und ich hätte mir gewünscht, die Gewerbeflächenentwicklung noch voran gebracht zu haben. Viele Betriebe suchen noch Flächen. Vielleicht ist eine gemeinsame Gewerbeflächenentwicklung mit Kummerfeld und/oder Pinneberg möglich. Auch wenn dann erst einmal Neuland betreten wird

Bereuen Sie etwas in Ihrer Amtszeit?
Ich hätte mir gewünscht, mehr Zeit gehabt zu haben, um mich mehr mit unseren Bürgerinnen und Bürgern auszutauschen. Außerdem hätte ich gern mehr kulturelles Leben initiiert. Dazu hat mir einfach die Zeit gefehlt. Das ist nicht gelungen.

Was werden die größten Herausforderungen für Ihren Nachfolger?
Ein Brocken, der ansteht, ist die Erstellung des Regenwasserkatasters. Das haben wir im vergangenen Jahr in Auftrag gegeben. Bis Ende Mai sollen die Ergebnisse vorliegen. Einen ersten Auszug habe ich gelesen und es gibt einige Schäden. Das wird eine Herausforderung sein, ein Konzept zu erstellen, wie das Netz instand gesetzt werden soll. Die Sanierung der Bahnbrücke wird die Gemeinde extrem finanziell belasten. Wir haben lange versucht, es zu verhindern, uns finanziell daran nicht zu beteiligen, aber wir kommen da nicht raus. Außerdem müssen zusätzliche Betreuungsmöglichkeiten für die Kindergarten- und die Krippenkinder geschaffen werden, da der Bedarf noch einmal enorm angestiegen ist.

Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn Sie bald mehr Zeit haben?
Ich freue mich darauf mehr Zeit für meine Frau zu haben. Private Dinge tun zu können, die ich seit Jahren nicht schaffe. Haus und Garten habe ich etwas vernachlässigt. Das ist aber für mich die beste Entspannung, im Garten aktiv sein zu können. Und abends auch mal Feierabend zu haben und einfach ein Fußballspiel entspannt ansehen zu können.

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erstellt am 27.Apr.2016 | 17:30 Uhr

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