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Pinneberger Tageblatt

03. Dezember 2016 | 03:36 Uhr

Umfrageergebnis : Den Unternehmen fehlt das Personal

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

41 Prozent der befragten Firmen bewerten die Auftragslage als „günstig“. Der Fachkräftemangel wirkt jedoch als Investitionsbremse.

Kölln-Reisiek | Die Auftragsbücher der Unternehmen im Kreis Pinneberg sind voll. „Zum dritten Mal in Folge geben mehr Unternehmen an, den gegenwärtigen Auftragsbestand als ,günstig’ einzustufen“, sagte Ken Blöcker, Geschäftsführer des Unternehmensverbands Unterelbe-Westküste (UVUW), gestern während der Präsentation der halbjährlich durchgeführten Studie zur konjunkturellen Entwicklung in Kölln-Reisiek. 41 Prozent der Unternehmen schätzten die Lage positiv ein. Im Winter 2016 waren es 26 Prozent, im Sommer 2015 sogar nur 17 Prozent der 27 befragten Unternehmen aus dem Kreisgebiet. Insgesamt beteiligten sich 130 der etwa 350 im UVUW organisierten Unternehmen an der Umfrage.

Der Unternehmensverband Unterelbe-Westküste hat zirka 350 Mitgliedsunternehmen in den  Kreisen Pinneberg, Nordfriesland, Dithmarschen und Steinburg sowie in der Stadt Norderstedt (Kreis Segeberg). Die Aufgabe des Verbands ist es, die wirtschafts-, gesellschafts- und strukturpolitischen sowie arbeitsrechtlichen und sozialpolitischen Interessen seiner Mitglieder gegenüber der Regierung, den Behörden  den übergeordneten Arbeitgeber- und Unternehmensverbänden, den Gewerkschaften sowie gegenüber der Öffentlichkeit zu vertreten.

„Man darf den Eindruck haben, dass der Höhepunkt erreicht ist“, sagte Blöcker zur Zukunftsprognose der Unternehmen. 82 Prozent gingen davon aus, dass die Auftragslage gleich bleibe. „Lediglich 15 Prozent gehen von mehr Aufträgen aus“, sagte Blöcker und ergänzte: „Die Pinneberger Unternehmer glauben nicht, dass sie die Auftragseingänge noch weiter steigern können.“

Der wichtigste Faktor dabei sei der Fachkräftemangel. „Auch im Kreis Pinneberg leiden zumindest 44 Prozent der Unternehmen unter dem Fachkräftemangel“, erläuterte Blöcker. Dies sei dennoch der geringste Wert der vier untersuchten Kreise. 41 Prozent der Firmen hätten ihren Personalbestand im zurückliegenden Halbjahr vergrößert. „Damit holt der Kreis Pinneberg das nach, was wir in anderen Kreisen bereits zu früheren Zeitpunkten festgestellt haben“, sagte Blöcker. Im Winter gaben 19 Prozent an, neue Mitarbeiter eingestellt zu haben, vor einem Jahr waren es lediglich sieben Prozent. 30 Prozent der Unternehmen wollen den Personalbestand ausbauen, 70 Prozent planen ihn gleich zu halten. „Keines der befragten Unternehmen möchte in den kommenden sechs Monaten seinen Personalbestand verkleinern“, sagte Blöcker.

Sebastian Koch, zweiter Geschäftsführer des UVUW, sah in den familiengeführten Unternehmen in der Region einen Standortvorteil: „Ein wichtiger Punkt für die Unternehmen im Kreis Pinneberg ist die lange Betriebszugehörigkeit der Mitarbeiter. Die Türen zum Chef stehen weiter offen und die Fürsorgepflicht der Arbeitgeber ist größer.“ So schätzten es auch Michael Dormann, Geschäftsführer des Elmshorner Unternehmens Steier, und sein Sohn Karl-Christian Dormann, Geschäftsführender Gesellschafter, sowie Michael Hentrich, Prokurist Salvana Tiernahrung ein. „Die lange Betriebszugehörigkeit hängt vielleicht auch mit der Verbundenheit zur Region zusammen“, sagte Michael Dormann. Von Kopfprämien für Auszubildende oder neue Mitarbeiter halten alle drei Unternehmer nichts. „Wer für Geld kommt, geht für Geld. Wohin soll das Hochrüsten denn dann am Ende führen?“, fragte Koch in die Runde. Karl-Christian Dormann setzte auf die Unternehmenskultur: „Der Schlüsselfaktor, um Mitarbeiter zu halten, ist das Unternehmensklima.“

Die Integration braucht Zeit

Dass Flüchtlinge den Fachkräftemangel kurzfristig beheben können, glauben nur fünf Prozent der 130 befragten Unternehmen. 16 Prozent glauben, dass Flüchtlinge generell keine Unterstützung als Fachkräfte darstellen werden. 44 erwarten, dass es etwa fünf Jahre dauern werde, bis diese dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, 32    Prozent rechnen damit, dass die Entlastung erst in fünf bis 20 Jahren eintrete. „Ich denke auch, dass es eher fünf bis 20 Jahre sein werden“, sagte Blöcker. Hentrich kritisierte: „Selbst wenn man möchte, ist die Umsetzung nicht so einfach.“

Der Fachkräftemangel wirke sich negativ auf Investitionen aus. „Bevor ich eine Maschine anschaffe, brauche ich jemanden, der sie bedienen kann“, sagte Blöcker. Nur elf Prozent der Unternehmen im Kreis haben ihre Investitionen erhöht. Im Winter waren es noch 15, im Sommer vergangenen Jahres 17 Prozent. „Pinneberg bleibt, was die Investitionsbereitschaft im Westen Schleswig-Holsteins betrifft, Schlusslicht“, sagte Blöcker und bilanzierte: „Wir dürfen wieder einmal gute Zahlen präsentieren, aber Themen wie der Brexit, der Russlandboykott und der Ölpreis sorgen für Unsicherheit.“

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erstellt am 07.Jul.2016 | 14:00 Uhr

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