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Pinneberger Tageblatt

06. Dezember 2016 | 22:54 Uhr

„Wir lassen uns nicht abschieben“ : Demonstration gegen die Schließung der Pflegeheime

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Auf Plakaten und Transparenten spiegelt sich die Wut, die Trauer und die Hilflosigkeit der Betroffen wider.

Kreis Pinneberg | Trillerpfeifen dröhnen. Ein Lied wird angestimmt: „Bei Sana sagt man Tschüß“, erklingt es aus 150 Kehlen. Auf Plakaten und Transparenten spiegelt sich die Wut, die Trauer und die Hilflosigkeit der Betroffen wider. „Willkommen im Sanaland: kein Zutritt für Senioren“. Nein, kampflos wollen die Bewohner, die Angehörigen und die Mitarbeiter die drohende Schließung der beiden Pflegeheime in Kummerfeld und des Hauses Elbmarsch in Elmshorn nicht hinnehmen.

Gestern Morgen demonstrierten sie alle gemeinsam vor dem Dienstleistungszentrum im Ramskamp in Elmshorn, wo die Geschäftsführung der Regio-Kliniken ihren Sitz hat. Diese hatte in der vergangenen Woche die Schließung der beiden Pflegeheime zum 30. Juni 2017 angekündigt. Es geht um 252 Heimplätze, 152 Mitarbeiter. Die Regio-Kliniken als Betreiber – sie gehören zu 75 Prozent dem Sana-Konzern, seien nicht länger bereit, den jährlichen Verlust in Höhe von 1,2 Millionen Euro auszugleichen.

„Das ist grausam, was die mit uns machen“, sagt Dorrit Schulz. Sie ist mit ihren Heimkollegen extra aus Kummerfeld gekommen, um dem Protest Ausdruck zu verleihen. Helga Brauer ist 90 Jahre alt. Sie steht mit ihrem Rollator inmitten der Demonstranten. Sie fühlt sich wohl in Kummerfeld. Hat dort ein Zuhause, Freunde gefunden. „Ich bin entsetzt. Aber wir lassen uns nicht einfach so abschieben.“ Die Gewerkschaft Verdi und der Betriebsrat hatten zur Demo aufgerufen.

Regio-Sprecher Sebastian Kimstädt stellte sich den Fragen.
Regio-Sprecher Sebastian Kimstädt stellte sich den Fragen. Foto: Brameshuber
 

„Wir wollen ein Zeichen setzen, Druck erzeugen“, sagt Verdi-Vertreterin Heike Maser-Festersen. Denn gestern Morgen kamen Unternehmensleitung und Betriebsrat zu Verhandlungen zusammen. „Es geht aber gar nicht um die Rettung der Häuser, sondern um die Abwicklung, einen Sozialplan.“

Vor allem für das Haus Elbmarsch in Elmshorn sieht Verdi eine Überlebenschance, weil dort der Investitionsstau nicht so groß sei wie in Kummerfeld. „Wir haben fünf Prozent Lohnverzicht angeboten. Die andere Seite hat 15 Prozent gefordert“, sagt Maser-Festersen.

Die Angehörigen  blicken sorgenvoll in die Zukunft.
Die Angehörigen blicken sorgenvoll in die Zukunft. Foto: Brameshuber
 

Warum? Diese Frage treibt alle Betroffenen um. Regio-Presseprecher Sebastian Kimstädt stellt sich den Demonstranten. Er spricht von der Zukunftsfähigkeit der Regio-Kliniken, die gesichert werden müsse. Davon, dass Sana bereits seit 2010 zehn Millionen Euro in den Defizitausgleich der beiden Heime gesteckt habe. Er kündigt schwierige Verhandlungen, harte Entscheidungen an. „Das kann Einschnitte beim Personal oder die Schließung bedeuten.“

Vor allem die Personalkosten seien aufgrund der bestehenden Tarifverträge im Vergleich zu Mitbewerbern höher. Laut Kimstädt gibt es für das Haus in Kummerfeld einen Investitionsstau in Höhe von fünf Millionen Euro. Um 9.30 Uhr löst sich die Demo auf. Helga Brauer macht sich mit ihrer Gruppe zurück auf den Heimweg nach Kummerfeld. Hoffnung? „Wir klammern uns an einen Strohhalm.“ Sie sucht bereits nach einem alternativen Heimplatz. Kimstädt verspricht die Betroffenen zu informieren. Ende September soll ein Verhandlungsergebnis auf dem Tisch liegen.

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erstellt am 10.Sep.2016 | 10:00 Uhr

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