zur Navigation springen

Pinneberger Tageblatt

08. Dezember 2016 | 19:21 Uhr

Neubau neben dem Kreishaus : Das Straßenverkehrsamt soll nach Elmshorn

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Verwaltung ist für ein Angebot der Firma EMV. Die Politik will mehr Infos für einen Bau in Eigenregie. Der Tüv bedauert den Umzug

Kreis Pinneberg | Es kann nicht schön sein, im Straßenverkehrsamt in Pinneberg zu arbeiten: „Die Fassade ist weder winddicht noch gedämmt. Für die Fenster gibt es keine Ersatzteile. Daher wurden bereits vor den Fenstern zusätzlich halbhohe Scheiben eingesetzt, um im Winter die Räume vor Zugluft zu schützen. Im Sommer heizen sich die Räume in kürzester Zeit auf Temperaturen über 30 Grad auf.“ So steht es in der Vorlage, mit der sich in der kommenden Woche die Mitglieder zweier Kreistags-Ausschüsse in nichtöffentlicher Sitzung befassen sollen.

In dem Gebäude an der Flensburger Straße in Pinneberg sind derzeit die Fachdienste Straßenverkehrsamt sowie Straßenbau und Verkehrssicherheit untergebracht. Insgesamt arbeiten in dem zweigeschossigen Gebäude mit Teilkeller fast 70 Mitarbeiter auf rund 1900 Quadratmetern Fläche. Knapp 90.000 Bürger werden dort jährlich bedient.

Der Kreistag hatte sich im März dieses Jahres gegen eine Sanierung des alten Gebäudes ausgesprochen. Stattdessen wurde nach einem Mietobjekt Ausschau gehalten. Obwohl formell nicht ausgeschrieben wurde, reichten acht Investoren Angebote ein mit Standorten in Pinneberg, Rellingen, Elmshorn und Klein-Offenseth Sparrieshoop.

Drei Angebote wurden gleich aussortiert, weil entweder die Unterlagen zu dürftig oder die Eigentumsverhältnisse der Grundstücke nicht geklärt waren.

Kein Schmuckstück: Das Straßenverkehrsamt in Pinneberg
Kein Schmuckstück: Das Straßenverkehrsamt in Pinneberg Foto: Amsberg
 

Ebenfalls eingegangen war das Angebot, das Straßenverkehrsamt künftig in den Gebäuden auf dem Gelände der früheren Sendefunkanlage in Sparrieshoop unterzubringen. Allerdings ist das Gelände als Sondergebiet Sendefunkanlage ausgewiesen. Das Planungsrecht müsste folglich geändert werden. Das würde Zeitverlust bedeuten. Weitere Minuspunkte aus Verwaltungssicht: „Die Umsetzbarkeit der funktionalen Abläufe der Fachdienste ist fraglich, die Erreichbarkeit für den Bürger durchaus eingeschränkt.“ Deshalb wurde auch dieses Angebot nicht weiter verfolgt. Die Miete beim Angebot Sendefunkanlage ist allerdings unschlagbar günstig: Während der Kreis bei allen anderen Offerten, sehr grob auf- und abgerundet, 30.000 Euro im Monat inklusive der Stellplatzmiete zahlen müsste, käme er bei der Sendefunkanlage mit etwa der Hälfte aus.

Mehr Zustimmung bei der Kreisverwaltung fanden dagegen zwei Angebote für einen Standort in Pinneberg. Ein Investor war mit zwei Varianten für die Bebauung seines Grundstücks ins Rennen gegangen.

Verwaltung will schnell Vertrag abschließen

Die Bewertung der Angebote erfolgte anhand von Kriterien, die eine sogenannte Lenkungsgruppe der Politik gemeinsam mit der Verwaltung festgelegt hatte. Das Ergebnis: Das Angebot des Investors, der das neue Straßenverkehrsamt direkt neben dem Kreishaus in der Ernst-Abbe-Straße bauen will, hob sich „erheblich ab“. Deshalb schlägt die Kreisverwaltung der Politik vor, mit diesem Investor „den Vertrag zur Anmietung für das Straßenverkehrsamt final zu verhandeln und abzuschließen“.

Anbieter ist die Elmshorner Firma EMV/Eggert-Gruppe. Dieser Betrieb war bereits maßgeblich am Umbau und der Projektsteuerung des jetzigen Kreishauses beteiligt. Das Haus gehört mittlerweile der Paribus Capital GmbH aus Hamburg. Verwaltet wird das Objekt nach wie vor von EMV. Das Grundstück, das der Kreisverwaltung so gut gefällt, gehört EMV/Eggert. Das Unternehmen würde, bekäme es den Zuschlag, das Gebäude für das Straßenverkehrsamt bauen und an den Kreis vermieten.

Auch das spricht aus Sicht der Verwaltung für dieses Angebot: Aufgrund der guten Erfahrungen mit diesem Anbieter und der vorgelegten Unterlagen sei mit einer „reibungslosen Umsetzung zu rechnen“. Dem Umzug des Straßenverkehrsamtes bis zum 31. Dezember 2017 würde deshalb aus Sicht der Verwaltung nichts entgehen stehen: „Dem Wunsch der Politik, einen schnellen Umzug in neue Räumlichkeiten zu realisieren, wird hiermit Rechnung getragen.“

Der Kreis müsste ein Grundstück kaufen

Das ist laut Vorlage bei einem Neubau des Straßenverkehrsamtes in Eigenregie nicht möglich. Da der Kreis kein Grundstück von etwa 7000 Quadratmeter besitzt, müsste eines gekauft werden. Nach Erteilung der Baugenehmigung müssten die Bauleistungen europaweit ausgeschrieben werden. Mit der Fertigstellung rechnet die Verwaltung bei dieser Variante frühestens im ersten Quartal 2020. Die Kosten laut Kreis: Allein 5,8 Millionen Euro Baukosten.

Während eines ersten Informationstermin kam dennoch aus Reihen der Politik die Bitte an die Verwaltung, detailliertere Informationen über die Möglichkeiten eines Baus in Eigenregie zu liefern.

Offen ist, was aus der jetzigen Zulassungsstelle wird. Die Immobilie gehört dem Kreis. Doch die dazugehörende Fläche ist klein. Beschäftigten und Kunden stehen derzeit zwar 70 Parkplätze zur Verfügung. Das Grundstück gehört jedoch Famila.

Die Kombination Tüv und Straßenverkehrsamt wird es nach einem Umzug der Kreisverwaltung – zumindest auf absehbare Zeit – nicht mehr geben. „Wir bleiben in Pinneberg“, sagt Björn Seelig, Teamleiter Stationen beim Tüv Nord. Schließlich müsse man weiterhin für die Kunden da sein. Dennoch bedauert er den wahrscheinlichen Wegzug des Straßenverkehrsamts. „Das wäre sehr schade, denn dass Tüv und Straßenverkehrsamt so dicht beieinander sind, ist schon super“, sagt er. Nun hat erstmal die Politik das Wort. Nächste Woche in den Ausschüssen und am 28. September im Kreistag.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 10.Sep.2016 | 15:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen