zur Navigation springen

Pinneberger Tageblatt

08. Dezember 2016 | 01:20 Uhr

DAS SONNTAGSGESPRÄCH : „Das Schützenwesen ist anerkanntes Kulturerbe“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Das Sonntagsgespräch: Heute mit Jens Büchner und Ute Larsen vom Kreisschützenverband.

Kreis Pinneberg | Kreis Pinneberg Jens Büchner und Ute Larsen aus dem Vorstand des Kreisschützenverbands Pinneberg erläutern im Sonntagsgespräch unter anderem, warum es so schwer ist, Nachwuchs zu gewinnen.

Was macht den Reiz des Schießsports aus?
Büchner:
Es ist ein Sport für alle Altersgruppen. Zudem gibt es viele unterschiedliche Disziplinen. Druckluft, Kleinkaliber, Großkaliber und den Bogensport - diese Auswahl erhöht die Attraktivität unseres Sports. Zudem besteht die Möglichkeit, das Schießen sowohl als Hobby oder auch als Wettkampfsport zu betreiben. So ist für jeden etwas dabei.
Larsen: Man kann beim Schießen hervorragend abschalten. Wer gestresst von der Arbeit kommt, entspannt sich und fährt häufig bessere Ergebnisse ein als mancher, der völlig erholt ist. Wichtig ist vor allem, dass man Spaß am Schießen hat.

Gibt es genug Nachwuchs?
Larsen:
Die Schützenvereine leiden darunter, dass die Kinder und Jugendlichen immer länger in der Schule sind und für Hobbys kaum noch Zeit bleibt. Ein Nachteil ist zudem, dass man erst ab zehn Jahren an den Schießsport herangeführt werden kann - anfangs noch ohne Munition mit Lichtpunktgewehren. Mit zwölf Jahren dürfen dann Druckluftsportgeräte verwendet werden. In dem Alter sind viele Jugendliche bereits schon bei anderen Sportarten gelandet. Die Altersbegrenzung ist auf alle Fälle ein Nachteil. Für Bogensportler gilt die Begrenzung allerdings nicht.

Wie ist die generelle Mitgliederentwicklung?
Büchner:
Die Zahlen sind insgesamt zum Glück konstant. Derzeit haben wir im Kreis 19 Vereine und etwa 2350 Schützen. Dass wie in Borstel-Hohenraden ein ganzer Verein aufgeben musste, ist die Ausnahme.

Schützenfeste haben eine lange Tradition. Warum werden sie dann seltener?
Büchner:
Früher hat praktisch jeder Verein ein Schützenfest ausgerichtet. Das ist nach und nach zurückgegangen, weil eine solche Veranstaltung für die meisten Vereine finanziell nicht mehr zu stemmen ist. Nur in wenigen Gemeinden wie in Halstenbek oder in Quickborn in Verbindung mit dem Eulenfest gelingt es noch, einen Festumzug auf die Beine zu stellen. Generell rückt das Sportliche mehr in den Vordergrund. Tradition und geselliges Beisammensein spielen für viele Schützen nur noch eine untergeordnete Rolle.

Wirken sich die Erfolge bei den Olympischen Spielen  positiv auf den Sport aus?
Larsen:
Es gibt sicher keinen Boom wie durch Steffi Graf und Boris Becker im Tennis. Positiv ist, dass der Schießsport durch Olympia kurzfristig in den Blickpunkt rückt und die Menschen feststellen, was für einen faszinierenden und anstrengenden Sport wir betreiben. Der Kreisschützenverband hat zudem jedes Jahr erfolgreiche Teilnehmer - auch im Jugendbereich - bei den Landesmeisterschaften, die es bis zu den Deutschen Meisterschaften schaffen. Seit dem 18. August 2016 haben wir sogar eine Weltmeisterin im Vorderladerschießen. Bei den Weltmeisterschaften in Ungarn errang Angelika Nolte (SV Quickborn-Renzel) mit der Mannschaft in der Disziplin 100 Meter Freigewehr die Goldmedaille und mit der Perkussions-Pistole die Bronzemedaille.

Was hält die Bevölkerung vom Schießsport?
Büchner:
Wenn es zu einem Übergriff mit Waffen kommt, ist das grundsätzlich zu verurteilen und wir müssen alles tun, um das zu verhindern. Es hilft zudem bestimmt niemandem weiter, pauschal die Schützen oder Jäger verantwortlich zu machen. Das passiert leider viel zu häufig und rückt den gesamten Schießsport in ein schlechtes Licht. Völlig zu Unrecht. Schließlich ist das Schützenwesen sogar offiziell anerkanntes Kulturerbe und von der Deutschen UNESCO-Kommission in das „Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes“ aufgenommen worden.

Müssen die Schützen als Sündenböcke herhalten?
Büchner:
Leider ja. Ich unterstütze jede Anstrengung und Überprüfung, die der Sicherheit mit dem Umgang und der Aufbewahrung von unseren Sportgeräten dient. Nicht akzeptabel ist, wenn sich einige Politiker, oftmals auf Bundesebene, profilieren wollen, keine Sachkenntnis besitzen und abstruse Forderungen stellen, die keines dieser furchtbaren Verbrechen verhindern könnte. Allgemein gilt, dass Deutschland eines der schärfsten Waffengesetze in Europa und der Welt hat.
Larsen: Tresore im eigenen Haus, Alarmanlagen an den Vereinsgebäuden, an die Waffen kommt niemand Unbefugtes heran. Wer selbst eine Waffe besitzen will, muss zunächst eine Sachkundeprüfung bestehen und benötigt nach mindestens einjähriger Trainingszeit eine vom Landesverband unterschriebene Sportschützenbescheinigung, um eine Waffenbesitzkarte zu beantragen. Deswegen ist nicht nachvollziehbar, dass der Schießsport so häufig in der Kritik steht. In den kommenden Tagen wird der Verband in einem Tagesseminar wieder über die einzuhaltende Sicherheitsvorschriften berichten. Ein Schießstand-Sachverständiger schult die Verantwortlichen der Kreisschützenvereine zu den neuen Vorschriften und Bestimmungen ab 2017. Die Sicherheit steht bei uns an erster Stelle.

Wie kann der Schießsport noch bekannter werden?
Büchner:
Ein Sommer-Biathlon würde sicherlich gut ankommen. Es wäre toll, wenn wir eine solche Veranstaltung im Kreis Pinneberg anbieten könnten.

Jens Büchner (61) ist stellvertretender Vorsitzender des Kreisschützenverbands und übernimmt momentan die Aufgaben des vor kurzem verstorbenen Vorsitzenden Hans-Joachim Fix. Büchner gehört dem Schützenverein Tornesch an. Ute Larsen (68) ist Mitglied des Schützenvereins Rellingen und seit 2005 Kreissportleiterin.
zur Startseite

von
erstellt am 20.Nov.2016 | 15:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert