zur Navigation springen

Weltfrauentag am 8. März im Kreis Pinneberg : Das Heimchen hinterm Herd - Familienbilder von Rechtspopulisten

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Gleichstellungsbeauftragten im Kreis Pinneberg und das Netzwerk gegen Rechts informieren am Weltfrauentag am 8. März über die Familienbilder von Rechtspopulisten.

Pinneberg | Rechtsextreme und Rechtspopulisten wettern nicht nur gegen Migranten und fordern eine restriktive Einwanderungs- und Asylpolitik. Sie vermitteln auch ein rückwärtsgewandtes und gefährliches Familien- und Frauenbild. Zu dieser Einschätzung kommen die Gleichstellungsbeauftragten im Kreis Pinneberg. Mit dem Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus in Schleswig-Holstein veranstalten sie deswegen anlässlich des Weltfrauentags am 8. März eine Vortragsveranstaltung mit dem Titel „Das Frauenbild der populistischen Rechten.“

„Welche Auffassungen Rechtspopulisten in der Migrationspolitik haben, ist vielen bekannt. Aber welches Frauen- und Familienbild sie vermitteln, wissen viele nicht. Und was sie vermitteln, ist gefährlich“, sagt Deborah Azzab-Robinson, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Pinneberg. Zentrales Anliegen der Rechten sei, die Gleichberechtigung von Mann und Frau in Zweifel zu ziehen. „Nach diesem Weltbild gibt es eine klare Hierarchie, an deren Spitze der Mann steht. Er ist stark, schützt die Familie und er ist für das Einkommen verantwortlich. Hauptaufgabe der Frau sind Haushalt und Reproduktion“, sagt Kristin Kröckel vom Netzwerk gegen Rechts. Die Identitäre Bewegung, eine vergleichsweise junge rechtsextreme Strömung, verwende eine völkische Bildsprache: Mädchen mit blonden Haaren, Zöpfen und traditioneller Kleidung seien das Ideal.

Informieren über Rechtspopulismus: Die Gleichstellungsbeauftragten Tinka Frahm (links) und Deborah Azzab-Robinson.
Informieren über Rechtspopulismus: Die Gleichstellungsbeauftragten Tinka Frahm (l.) und Deborah Azzab-Robinson. Foto: Tobias Thieme

Der rechtspopulistischen Logik folgend würden Frauen auch bewusst bei Demonstrationen eingesetzt. „Männer übernehmen die kämpferische, die aggressive Rolle. Frauen dürfen dann Angst vor der gesellschaftlichen Entwicklung formulieren“, sagt Azzab-Robinson.

Das rechtspopulistische Familienbild schlage auch auf die Erziehung durch. „Es gibt etwa Widerstand gegen den Sexualkundeunterricht in Schulen. Dabei ist oft gar nicht deutlich, aus welcher Ecke das kommt“, sagt Till Stehn vom Netzwerk gegen Rechts. „Der Kampfbegriff ist Frühsexualisierung von Kindern. Mit der Begriffskette Kinder-früh-Sex wird die Aufklärung in Schulen mit Pädophilie in Verbindung gebracht“, sagt Stehn. Dahinter stehe eine klare Absicht: Kinder sollten nicht lernen, dass es etwa auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften gebe, die dem Familienbild der Populisten widersprächen. „Auffällig ist, dass Rechte unterstellen, es gäbe naturgegebene Rollen für Frau und Mann.“

Außer dem Begriff Frühsexualisierung gibt es etliche weitere Signalworte, die nach Ansicht der Netzwerker und der Gleichstellungsbeauftragten auf ein rechtspopulistisches Familienbild hindeuteten: traditionelle Kernfamilie, Homo-Lobby, Homosexualisierung, Volkstod, Gender-Wahn. „Wir sehen eine Verschiebung des Opfer-Diskurses. Frauen leiden demnach nicht an Unterdrückung. Sie werden stattdessen als Opfer des Feminismus gesehen“, sagt Kröckel. „Rechtspopulisten haben Angst vor Individualisierung“, fasst Tinka Frahm, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Pinneberg, zusammen.

Für Azzab-Robinson ist Aufklärung dringend nötig: „Wir glauben, dass die populistische Bewegung für die Demokratie gefährlich geworden ist. Lügen werden zu alternativen Fakten erklärt. Und mit ihrem Familienbild wollen Rechtspopulisten die Gesellschaft im Kern verändern.“

Hintergrund: Netzwerk gegen Rechts

Das regionale Beratungsteam im Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus bietet Informationen und Workshops für Kommunen, Bildungseinrichtungen und Eltern sowie Hilfe für Opfer rechter Gewalt. Das Netzwerk wird vom Bund und vom Land finanziert, zu seinen Mitgliedern gehören Ministerien, Wohlfahrtsverbände, Gewerkschaften, Polizeibehörden und zahlreiche andere Institutionen. Das Büro in Itzehoe, auch zuständig für den  Kreis Pinneberg, ist unter Telefon 04821-7796012 und per E-Mail an rbt.itzehoe@beranet-sh.de zu erreichen.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 22.Feb.2017 | 14:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen