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Pinneberger Tageblatt

03. Dezember 2016 | 07:49 Uhr

Bilanz der Paten nach einem Jahr : Café International in Halstenbek: Ein Treff als emotionale Anlaufstelle

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Eine der wichtigsten Erkenntnisse: „Es gibt Gemeinsamkeiten“. 100 Neuankömmlinge nutzen das Angebot.

Halstenbek | Werner Zilz ordnet normalerweise Behördenunterlagen. Der Halstenbeker hat sich erst jüngst entschieden, Flüchtlinge ehrenamtlich zu unterstützen. Er schaute zum dritten Mal beim Internationalen Café in der Volkshochschule (VHS) vorbei. Gemeinsam mit seiner Frau kümmert er sich um die neu angekommene Familie Monavari aus dem Iran. „Der in Halstenbek untergebrachte Familienvater kann seinen in Elmshorn lebenden Bruder aus logistischen Gründen kaum sehen“, berichtet Zilz.

Das ursprünglich von VHS-Dozentin Belén Gaudioso gegründete Internationale Café entwickelte sich in den vergangenen Monaten zu einer wichtigen Anlaufstelle für Flüchtlinge. „Wir haben das Café quasi seit vergangenem September übernommen“, informierte die ehrenamtliche Helferin und Lehrerin Cathleen Unterspann. Zum Team der ehrenamtlichen Helfer gehören auch Jutta Rehberg, Sara Grafschafter, Frauke Thiessen und Ute Loges. Es sind über 100 Neuankömmlinge, die das Café jährlich besuchen. Beim wöchentlich veranstalteten Treffen schauen im Schnitt 18 bis 20 Personen vorbei. Während der Ferien sind es etwa zehn Besucher. „Die genaue Zahl variiert stark“, erläutert Unterspann. Das Internationale Café beginnt um 15 Uhr und endet um 17 Uhr in den Räumen der VHS. Die Bücherei bietet parallel dazu ein Bastel- und Vorleseprogramm für Kinder an. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter unterstützen die Flüchtlinge mithilfe vom Sprachbüchern beim Deutsch lernen. Darüber hinaus sind Gesellschaftsspiele ein wichtiger Bestandteil des Angebots. Während des Spielens von „Uno“ und „Mensch ärgere Dich nicht“ erfolgt der Lernprozess spielerisch.

Weitere Paten für Flüchtlinge gesucht

Josef Bababe aus dem Iran ist häufig beim Treff. Er lebt seit zweieinhalb Jahren in Halstenbek und beherrscht die deutsche Sprache bereits gut. Dadurch ist Bababe in der Lage, die Besucher mit ihren einzelnen Schicksalen vorzustellen. „Ohne Josef wüssten wir noch weniger“, erläutert Zilz. Bababe wartet seit zweieinhalb Jahren darauf, „endlich“ angehört zu werden. Die Paten berichten, von Anhörungsprozessen häufig sehr plötzlich zu erfahren. „Für Ehrenamtskoordinatorin Miriam Utz ist es dann schwierig, schnell Fahrten nach Glücksstadt zu organisieren“, informiert Rehberg.

 

Nach den Berichten von Patin Thiessen kommen die Neuankömmlinge zumeist mit „ganz konkreten Vorstellungen“ nach Deutschland. „Sie glauben häufig, dass wir hier das Paradies auf Erden haben“, so Thiessen. Doch, wie die Flüchtlinge, würden auch die Paten beim Austausch zumeist eines Besseren belehrt. „Wir entdecken viele Gemeinsamkeiten“, erläutert Thiessen. Beim Betrachten von Fotos merke sie, dass sich die Geschmäcker – beispielsweise bei der Wohnungseinrichtung – häufig ähnelten.

Rehberg berichtet, die Flüchtlinge schleppten zumeist ein „emotionales Paket“ mit sich herum. „Wir begegnen den Besuchern hier auf menschlicher Ebene“, so Rehberg. Probleme beim Erlernen der Sprache hätten zumeist Frauen mit Kindern. „Bei Sprachkursen in der Arche Noah werden die Kinder häufig in den gleichen Räumen betreut wie lernende Mütter“, berichtet Thiessen. Unterspann hofft darauf, zukünftig noch mehr gut ausgebildete Sprach-Dozenten zu bekommen. „Wir möchten enger mit der VHS zusammenarbeiten“, erläutert die Schottin. Sie hofft zudem, noch mehr Paten zu gewinnen.

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erstellt am 13.Sep.2016 | 12:00 Uhr

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