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Pinneberger Tageblatt

05. Dezember 2016 | 19:45 Uhr

Businesspark wird kein Silicon Valley

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Wirtschaft Experten sprechen während des Netzwerktreffens Wedel at Business über die Revitalisierung von Industriebrachen

Revitalisierung von Industriebrachen und Flächenrecycling als Zukunftschance in Ballungsräumen: Mit diesem Thema haben sich am Donnerstagabend Planungs- und Immobilienexperten während des Netzwerktreffens Wedel at Business befasst. Denn Wedel bietet mit dem neuen Gewerbegebiet auf dem ehemaligen Raffineriegelände an der Elbe allein schon wegen seiner Größe ein besonders spannendes Beispiel für Flächenrecycling.

Wedel at Business wurde nach seiner Premiere im vergangenen Jahr mit einem überarbeiteten Konzept veranstaltet. Bisher hatte es das Handwerkerfrühstück und die Podiumdiskussion, verteilt auf zwei Tage gegeben. Statt der erwarteten 500 waren nur 100 Unternehmensvertreter gekommen. Diesmal wurde das Treffen ohne Frühstück auf einen Abend kondensiert. Aus Sicht von Wedels Bürgermeister Niels Schmidt (parteilos) hat sich das gelohnt: „Wir haben doppelt so viele Gäste wie beim letzten Mal.“

Zum Gespräch im Festzelt am Grenzweg hatte die Stadt Immobilienvermittler Christopher Raabe von BNP Paribas Real Estate, Berater Thomas Franke von CDM Smith Consult, Katrin Fahrenkrug von Raum & Energie Institut für Planung, Kommunikation und Prozessmanagement sowie Uwe Mantik von Cima Beratung und Management eingeladen. Die Experten machten das Podium zur Verkaufsbühne für die neuen Gewerbeflächen am Elbufer. „Wedel hat an diesem Standort alles richtig gemacht. Hier sind keine Bodenbelastungen, die einer Ansiedlung im Wege stehen“, attestierte Franke. „Es gibt im Großraum Hamburg kaum vergleichbare Flächen“, sagte Raabe. „Wenn man die Sanierung sauber macht, muss man auch nicht mit einem Malus leben. Das hat Wedel vorbildlich gemacht“, ergänzte Mantik.

RSH-Moderator Carsten Kock stellte der Vollständigkeit halber auch die Frage nach Problemen und Stolpersteinen in dem Mammutprojekt Businesspark. Tenor auf dem Podium: Es gab und gibt keine. Franke hatte zwar darauf hingewiesen, dass Planungssicherheit und verlässliches Baurecht für Investoren entscheidende Kriterien bei der Auswahl von Standorten sind. Dass Wedel erst jüngst mit einer Klage gegen einen Bebauungsplan in Hamburg-Rissen gescheitert war, spielte am Donnerstagabend jedoch keine Rolle. Obwohl der Bebauungsplan für ein Rissener Wohngebiet in unmittelbarer Nähe des Businessparks strengere Lärmgrenzwerte für Unternehmen bedeuten könnte – nicht unbedingt ein Pluspunkt für ein Gewerbegebiet.

Auch dass die Investoren Wedel nicht die Tür einrennen, war kein großes Thema. Statt dessen lobte Mantik das Marketing: „Ich finde die Kampagne gut. Sie läuft auch über Social Media. Sie ist emotional aufgeladen, indem die Entwicklungsgeschichte des Standorts erzählt wird.“

Mit den Elbcubes gibt es erst ein konkretes Projekt. „Die Elbcubes sind von enormer Bedeutung. Sie sind ein optischer Leckerbissen. Von ihnen erhoffen wir uns eine Initialzündung“, hatte Jörg Amelung, Projektleiter für den Businesspark, zu Beginn des Treffens gesagt. Zum Architektenwettbewerb für die 18-Hektar-Fläche sagte er: „Das ist unser Leitbild für den Businesspark.“ Der in dem Entwurf vorgesehene sanierte ehemalige Raffineriehafen ist allerdings aus Kostengründen bereits gestrichen worden. Auch der Zeitplan ist Makulatur. Bis heute wirbt die HLP Hanse Immobilien GmbH, Vermittlerin von Büroflächen in den geplanten Elbcubes, mit „fünf repräsentativen Gebäuden“ bis zum „Frühjahr 2017“. Am Donnerstag gab es aber noch nicht mal einen Bauantrag.

Spannend wird die Ansiedlungspolitik der kommenden Jahre. So wünscht sich Fahrenkrug, selbst Wedelerin, innovative Unternehmen, welche die Stadt überregional bekannter machen. Die Latte dürfe weder zu hoch noch zu niedrig gehängt werden, sagte Franke. Wer einen High-Tech-Standort wolle, könne nicht als erstes den städtischen Bauhof ansiedeln oder auf leicht vermarktbare Einzelhandelsflächen setzen. Dass Wedel nicht zum holsteinischen Silicon Valley werde, machte Raabe klar: „Würde Google sein Hauptquartier nach Wedel verlegen? Eher nicht. Man muss die Kirche im Dorf lassen.“ Mantik sagte: „Wedel muss nicht von Google oder Facebook träumen. Studien zeigen: 80 Prozent der Unternehmen in neuen Gewerbegebieten kommen aus einem Umkreis von 30 Kilometern.“

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erstellt am 08.Okt.2016 | 16:00 Uhr

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