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Pinneberger Tageblatt

11. Dezember 2016 | 12:54 Uhr

Ausgrabungen nahe der Tangstedter Wulfsmühle : Burgwall, Keramik und Feuerstellen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Archäologe Peter Pries berichtet beim Ellerbeker Heimatverein über seine Funde nahe der Tangstedter Wulfsmühle.

Ellerbek/Tangstedt | Auf Einladung des Ellerbeker Heimatvereins hat der Rellinger Archäologe Peter Pries am Montagabend von den Ergebnissen seiner seit acht Jahren andauernden Ausgrabungen nördlich der Tangstedter Wulfsmühle berichtet. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Heinz-Martin Timm trug Martin Ramcke vom Heimatverein die Legende vor, die sich um den verlorenen Schatz der einstigen Burgherrin dreht.

Was folgte, war ein Vortrag von Pries, der sich weniger mit Geschichten als viel mehr mit Heimatgeschichte befasste. Genauer gesagt: mit den vergessenen Burgen in Schleswig-Holstein. „Die Pinnaubiegung, an der wir die Burg vermuteten, hat sich im Lauf der Jahrhunderte nicht verändert“, erläuterte Pries. Der erste Schritt sei gewesen, nach Steinen der Wallanlagen zu suchen, die zu dem Bauwerk gehört hatten. Die auf einer Karte aus dem Jahr 1867 eingezeichnete Anlage sei vergrößert und anschließend in Grabungsabschnitte eingeteilt worden.

„2008 starteten wir in Sektion A, um den Verlauf des Walls um die etwa 0,8 Hektar große Fläche herum festzustellen“, berichtete der Archäologe. Dabei seien schon bald Keramikteile und roter Flintstein zu Tage gefördert worden. „Die Fundorte wurden dann in die Lagepläne eingezeichnet“, erklärte Pries dies Systematik der Grabungen.

Bald schon stieß die Gruppe, die etwa aus zehn Leuten besteht und ehrenamtlich arbeitet, auf die Steinpflasterung der Wallkrone. „Innerhalb des Walls fanden wir Schlacken und Holzkohle sowie Abdrücke der Pfosten, die die Eingänge stützten“, erläuterte Pries die Bilder, die er zeigte. Anhand der sogenannten C14-Methode habe die Gruppe auf eigene Kosten das Alter bestimmen lassen. „Davon sind wir allerdings inzwischen abgekommen – zu teuer und zu ungenau“, sagte Pries. Besser sei es, etwa keramische Funde mit denen anderer Fundstellen zu vergleichen und so anhand der Formen und Verzierungen Rückschüsse auf die Entstehungszeit zu ziehen.

Was die Gruppe außerhalb der Wallmauern fanden, versetzte sie in Erstaunen: „Verkohlte und geplatze Steine, Holzkohlereste, Pfeil- und Speerspitzen aus Flintstein – das waren Feuerstellen aus der Steinzeit, etwa 8000 bis 6000 Jahre vor Christus“, berichtete Pries. Derartige Feuerstellen seien so massiv gebaut worden, dass spätere Bewohner sie über Jahrhunderte weiternutzten. „Im Abschnitt D1 fanden wir eine Steinschlagstelle“, erläuterte Pries weiter. Ein Klopfstein mit Gebrauchsspuren wurde benutzt, um kleine Messerchen sowie Pfeil- und Speerspitzen von Flintsteinen abzuschlagen.

Auch Keramik und Geräte aus der Eisenzeit seien gefunden worden. „Dabei ist festzuhalten, dass in erster Linie landwirtschaftliche Geräte wie Hacken und Senden hergestellt wurden – nicht Waffen, wie man lange glaubte“, betonte der Forscher. Gesichert sei: Es gibt Funde aus der Stein- und Eisenzeit sowie dem Mittelalter. „Aus der Bronzezeit haben wir dagegen nur wenig gefunden“, sagte Pries. Ihre Ergebnisse will die Gruppe allen umliegenden Gemeinden vorstellen. „Außerdem wollen wir im kommenden Jahr auch Führungen zu den Grabungsstellen anbieten“, kündigte Pries an. Für seinen Vortrag erhielt er von den etwa 40 Besuchern begeisterten Applaus.

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erstellt am 19.Okt.2016 | 14:00 Uhr

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