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Pinneberger Tageblatt

11. Dezember 2016 | 07:13 Uhr

Partikel in Wedel : Bürgerinitiative legt ein eigenes Gutachten vor

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Vattenfall hat Partikel-Niederschlag als unbedenklich eingestuft. Umwelttechniker interpretiert Werte pessimistischer.

Wedel | Die Bürgerinitiative (BI) „Stopp: Kein Mega-Kraftwerk Wedel“ warnt Nachbarn des Wedeler Kohlekraftwerks mit einem neuen Flyer vor giftigen Partikeln, die aus dem alten Meiler stammen. Betreiber Vattenfall hatte den Dreck, der Ende Juli über Teilen Wedels niedergegangen war, zwar als unbedenklich eingestuft. Die BI hat sich jedoch Rat bei einem Umweltexperten gesucht, der die gemessenen Werte pessimistischer interpretiert.

In dem Flyer der BI heißt es unmissverständlich: „Bitte keine Partikel mit bloßen Händen anfassen. Auch keineswegs in den Mund nehmen. Bitte achten Sie auf Ihre Kinder.“ Anwohner hatten sich in der Vergangenheit immer wieder gefragt, ob sie Pflanzen aus dem eigenen Garten noch essen können. In dem Infoblatt der BI heißt es nun: „Falls Sie noch Kräuter aus Ihrem Garten essen: Bitte unbedingt zumindest gut abwaschen.“ Unterzeichnet ist der Flyer von Kerstin Lueckow, Sprecherin der BI.

Nachdem Ende Juli beim Anfahren des Kraftwerks Partikel niedergegangen waren, hatte das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR), die zuständige Umweltbehörde, ein Gutachten in Auftrag gegeben. Die ATC GmbH aus Krefeld (Nordrhein-Westfalen) kam zu folgendem Urteil: „Abschließend ergibt die humantoxikologische Bewertung, dass vom Partikelniederschlag aus dem Kamin des Heizkraftwerks Wedel auf die Umgebung aus humantoxikologischer Sicht kein relevantes Risiko für die menschliche Gesundheit ausgeht. Diese Bewertung schließt die mögliche Exposition von Kindern mit ein.“

In dem Gutachten ist festgehalten, dass bei der Analyse der Partikel unter anderem krebserregendes Nickel nachgewiesen wurde. Lösungen mit den gefundenen Stoffen hatten den pH-Wert von 1,5 und waren damit sehr sauer. „Wir haben das Ökopol-Institut aus Hamburg mit einer Stellungnahme beauftragt, um die Interpretation der Analysewerte überprüfen zu lassen“, sagte Lueckow. Bereits nach Bekanntwerden des ATC-Gutachtens Anfang September hatte sie angekündigt, einen eigenen Gutachter beauftragen zu wollen.

„Wenn die Partikel mit Wasser in Berührung kommen, entsteht Säure. Deswegen haben wir auch diese massiven Schäden an Autolack und Glasscheiben. Dass diese Säue nicht gesundheitsschädlich ist, kann mir niemand erzählen“, sagt Lueckow. „Stellen Sie sich vor, Kinder nehmen das Zeug in den Mund“, schimpft die BI-Sprecherin. Der pH-Wert sei weder im Gutachten noch von Vattenfall oder dem LLUR ausreichend berücksichtigt worden. „Unser Experte beurteilt auch die Nickelwerte deutlich pessimistischer als die Gutachter von ATC“, sagt Lueckow.

Keine Äußerung

Das Ökopol-Institut selbst äußerte sich gestern noch nicht zu seiner Einschätzung. „Unsere Stellungnahme wird Ende dieser Woche erfolgen“, sagte Christian Tebert, der für die Untersuchung verantwortlich ist.

Dem LLUR wirft Lueckow unterdessen ignorantes Verhalten vor. Und Vattenfall versuche, sich aus der Verantwortung zu stehlen. „Der Partikelausstoß im Juli ist das einzige, das Vattenfall zugibt“, schreibt die BI-Sprecherin. Tatsächlich habe es seitdem jedoch sechs weitere Ausstöße gegeben. „Neuerdings verdächtigt Vattenfall grillende Nachbarn, was wirklich unerhört ist.“ Der Energiekonzern hatte reagiert und Prüfflächen festgelegt, die nun regelmäßig auf Partikel untersucht werden sollen. „Das ist keine zuverlässige Methode“, kritisiert Lueckow. Vattenfall habe Flächen ausgesucht, die „bisher von Partikel-Ausstoß gar nicht betroffen waren.“ Die BI will mit Anwohnern über Fragen rund ums Kraftwerk diskutieren. Die öffentliche Veranstaltung findet am Donnerstag, 20. Oktober, um 19.30 Uhr im Stadtteilzentrum „mittendrin“, Friedrich-Eggers-Straße 77-79, statt.

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erstellt am 13.Okt.2016 | 10:00 Uhr

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