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Nachbarschaftsaktion : Buddeln für den Krötennachwuchs

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Anwohner installierten am Rehmen in ehrenamtlicher Arbeit einen Schutzzaun für wandernde Amphibien

Spatentief in die Erde muss der Zaun und das immerhin auf einer Länge mehr als 100 Metern. „Gefühlt 1000 Meter“, ächzte ein Mann mit Spaten in der Hand. Aber es war ja zum Wohle der Kröten, also wurde weitergeschuftet, am Sonnabendvormittag, an dem man so früh oft noch gar nicht ansprechbar ist. Eine Anrainerin aus dem Rehmen hatte eine überfahrene Kröte auf dem Asphalt gesichtet, sicheres Zeichen für den Beginn der erwarteten Amphibienwanderung. Also mobilisierte Aenne Meike Böthern die Nachbarschaft. Insgesamt 15 Leute brachte sie zusammen, um am Straßenrand einen Krötenzaun zu installieren, 30 Zentimeter hoch, damit absolut kein Rüberkommen möglich ist. Der Zaun selbst ist vor Jahren einmal gespendet worden.

„Wir sind kein Verein oder sonst irgendwas Organisiertes“, sagte Böthern. „Wir kennen uns als Nachbarn.“ Sie unternehmen auch mal was gemeinsam, sei es eine Party im Garten oder eben ein Akt der Tierliebe neben ihrer Straße. Nicht alle der 15  Freiwilligen bearbeiteten den harten Grund, um neben der Fahrbahn den benötigten tiefen Spalt zum Einlassen des Krötenschutzzauns zu schaffen. Die Kinder in der Runde kletterten lieber auf die Bäume und schauten den schwitzenden Erwachsenen von oben zu. Trotzdem: Einige Stunden später war das Werk vollendet. Auf der Wiesenseite der Barriere hatten die Helfer mehrere Kübel eingelassen, Fallen für die amphibischen Kriecher, die nachts nach Schlupflöchern suchen.

Eimer für Eimer werden die Kröten über die Straße gebracht

Daraus ergibt sich der zweite Teil der Krötenrettung. Morgens bei Sonnenaufgang muss sich jemand auf den Weg machen, um die eingefangenen Tiere sicher über die Straße zu tragen. Dann erst können sie ihre Laichgebiete, Tümpel am sumpfigen Mühlenau-Rand, erreichen und für die nächste Krötengeneration sorgen. „Wir wechseln uns ab. Das hat immer geklappt“, versichert Böthern. Am Schluss gebe es immer schöne Erinnerungsurkunden für alle, freute sich Mitstreiterin Anke Lederer. Schluss ist erst, wenn alle Kübel morgens noch leer sind. Bis dahin können fünf Wochen ins Land gehen, orakelten die Krötenretter.

Jahrelang gab es keinen Krötenschutz am Rehmen, erinnerte sich Böthern. Die Amphibienbevölkerung der Wiesen sei drastisch zurückgegangen. Als sie vor einem Jahr wieder einen Zaun aufstellten, wurden gerade einmal 200 gerettete Tiere gezählt. Aber ihre Mühe werde sich in diesem Jahr vielleicht schon mit einem deutlichen Zuwachs auszahlen, so die Hoffnung der Rehmen-Anwohner.

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erstellt am 07.Mär.2017 | 12:00 Uhr

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