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Pinneberger Tageblatt

06. Dezember 2016 | 15:11 Uhr

Bilanz im Kreis Pinneberg : Blitzmarathon: Viele Verstöße in Tempo-30-Zonen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der Kreis Pinneberg liegt deutlich unter dem Landesschnitt. 281 der 7160 kontrollierten Fahrzeuge waren zu schnell unterwegs.

Kreis Pinneberg | Die 67-jährige Elmshornerin schüttelte den Kopf während sie Führerschein und Personalausweis aus dem Fenster reichte. „Ich habe gerade noch mit meiner Nachbarin darüber gesprochen, dass heute Blitzmarathon ist und gesagt, dass ich schön langsam fahre. Hat nicht geklappt.“ Das war nur kurz bevor sie an der Kreuzung Klostersande/Blücherstraße von der Polizei herausgewunken wurde. 46 Stundenkilometer zeigte das Lasermessgerät statt erlaubten Tempo 30. „Ich dachte, in der Blücherstraße wäre 50“, sagte die Dame. Die großen Zone-30-Schilder habe sie gar nicht gesehen. In den kommenden Tagen wird die Fahrerin Post aus Neumünster bekommen. 35 Euro Bußgeld werden fällig. „Ein bisschen zu schnell fährt man ja mal“, sagte sie reumütig und ergänzte: „Geblitzt wurde ich aber noch nie.“

Etwa 40 Einsatzkräfte der Polizeidirektion Bad Segeberg waren am Donnerstag anlässlich des bundesweiten Blitzmarathons im Einsatz. „Etwa zwei Drittel waren im Kreis Pinneberg unterwegs“, sagte Sandra Mohr, Sprecherin der Polizei. Ziel der Aktion sei es, die Autofahrer zu sensibilisieren. „Es geht nicht darum, dass es im Portemonnaie weh tut, sondern ein Bewusstsein für die erlaubte Geschwindigkeit zu schaffen“, sagte Mohr. Die meisten Verwarnungen, die ausgesprochen wurden, lagen zwischen 15 und 25 Euro.

Messung läuft: Polizeihauptmeister Thomas Gunther kontrollierte mit einem Lasermessgerät die Geschwindigkeit an der Kreuzung Klostersande/Blücherstraße in Elmshorn.

Messung läuft: Polizeihauptmeister Thomas Gunther kontrollierte mit einem Lasermessgerät die Geschwindigkeit an der Kreuzung Klostersande/Blücherstraße in Elmshorn.

Foto: Fröhlig
 

Landesweit wurden 91.711 Fahrzeuge kontrolliert, von denen 5987 die erlaubte Höchstgeschwindigkeit überschritten haben. Die Beanstandungsquote lag mit 5,55 Prozent über der des Jahres 2014 mit 4,71 Prozent. Im Kreis Pinneberg überschritten 3,92 Prozent also 281 der 7160 kontrollierten Fahrzeuge die zulässige Geschwindigkeit. An der Messstelle Rethfelder Ring in Elmshorn war nur einer von gemessenen 90 Verkehrsteilnehmern zu schnell – in der Tornescher Friedland Straße waren es zwei von 90. „Auffällig waren die vielen Verstöße in Tempo-30-Zonen“, sagte Mohr. An der Kreuzung Klostersande/Blücherstraße in Elmshorn waren 24,1 Prozent der Autofahrer zu schnell – 21 von 87 gemessenen. In der Elmshorner Gärtnerstraße wurden bei 218 Kontrollen 25 Verstöße notiert – 11,5 Prozent.

Schwerpunkt der diesjährigen Messungen waren Bereiche vor oder in der Nähe von Schulen und Kindergärten. „Je höher die Geschwindigkeit, desto schwerer sind die Folgen“, erläuterte Mohr die Konzentration auf den Schutz schwacher Verkehrsteilnehmer. „Einige meinen, es sei egal, ob man Tempo 30 oder 33 fahre. Für die schwachen Verkehrsteilnehmer zählt aber jeder Stundenkilometer“, sagte Mohr.

INFO Leichte Verkehrsvergehen werden mit bis zu 55 Euro geahndet

Im Bußgeldkatalog sind die Strafen für Verkehrsordnungswidrigkeiten erfasst. Festgeschrieben sind immer sogenannte Regelfälle – also Verkehrsverstöße, bei denen keine Besonderheiten vorliegen. Hat ein Verstoß Auswirkungen auf Dritte – Verletzungen oder Gefährdungen – oder liegen einschlägige Voreinträge vor, können sich diese verschärfend auf das Strafmaß auswirken.

Weniger schwere Verfehlungen wie leichte Geschwindigkeitsübertretungen werden mit einem Verwarngeld von fünf bis 55 Euro geahndet. Im Regelfall wird ein schriftliches Verwarngeldangebot – das sogenannte Knölchen – zugestellt und eine Zahlungsfrist von einer Woche gesetzt. Wird bezahlt, ist der Fall erledigt. „Erfolgt keine Zahlung und stellt die Behörde das Verfahren auch aus sonstigen Gründen nicht ein, so wird ein förmliches Bußgeldverfahren eingeleitet“, teilt der Allgemeine Deutsche Automobil Club (ADAC) mit.

Bei schwerwiegenden Verkehrsverstößen beträgt der Regelsatz 60 bis 1500 Euro. Die rechtskräftige Ahndung wird im Flensburger Fahreignungsregister eingetragen und mit Punkten bewertet. Für besonders gravierende Verstöße kann ein Fahrverbot für einen bis zu drei Monate ausgesprochen werden. Sollte der Führerscheinentzug massive Auswirkungen haben – wie den Verlust des Arbeitsplatzes – kann dieser in eine erhöhte Geldbuße umgewandelt werden.

„Gegen den Bußgeldbescheid  kann innerhalb von 14 Tagen ab Zustellung Einspruch eingelegt werden. Dadurch wird eine richterliche Überprüfung des  Tatvorwurfes in einer Hauptverhandlung erreicht“, so der ADAC.

Die höchste im Bußgeldkatalog erfasste Regelstrafe beträgt 680 Euro, zwei Punkte in Flensburg sowie drei Monate Fahrverbot, wenn die Geschwindigkeit innerhalb einer Ortschaft um mehr als 70 Kilometer pro Stunde überschritten wird. (baf)

ÜBERSICHT Elf Messpunkte im Kreis Pinneberg

Die Landespolizei Schleswig-Holstein hat Donnerstag anlässlich des bundesweiten Blitzmarathons an 75 Messpunkten in ganz Schleswig-Holstein die Geschwindigkeit der Verkehrsteilnehmer überprüft. Im Kreis Pinneberg wurde an elf Stellen die Geschwindigkeit festgestellt. Kontrolliert wurde in  Bönningstedt an der Kieler Straße, in Moorrege an der Wedeler Chaussee und in Tornesch in der Friedland Straße. In Pinneberg wurde im Wedeler Weg und an der A23 geblitzt. In  Quickborn kontrollierte die Polizei in der Ulzburger Landstraße, und auch in Barmstedt (Erlengrund) und Westerhorn (Bahnhofstraße 64) wurden Messgeräte aufgebaut. In Elmshorn wurde an  drei Stellen gemessen: An den  Kreuzungen Klostersande/Blücherstraße und Gärtnerstraße/Gerhardstraße sowie am Rethfelder Ring wurden Temposünder  registriert.

Außer den zwölf statischen Messstellen wurden vorrangig auf Bundes- und Landestraßen  sowie  auf den Autobahnen A1, A7, A20 und A21 auch Videowagen eingesetzt, die außer Tempoverstößen auch zu geringe Sicherheitsabstände kontrollierten. Die Kontrollen in der Friedrich-Ebert-Straße in Pinneberg wurden wegen zu hohen Verkehrsaufkommens abgebrochen. (baf)

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erstellt am 23.Apr.2016 | 15:00 Uhr

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