zur Navigation springen

Pinneberger Tageblatt

11. Dezember 2016 | 11:01 Uhr

Fürsorge mit Auszeichnung : Beta-Zertifikat für die „Bunten Grashüpfer“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Beta-Zertifikat für die „Bunten Grashüpfer“ aus dem Hindenburgdamm. Wertevermittlung über Religionen hinweg.

Pinneberg | In den himmelblauen Räumen der evangelischen Kita „Bunte Grashüpfer“ lachen und wuseln Kinder durcheinander. Manche malen mit Buntstiften, manche knuddeln Plüschtiere, die fast so groß sind wie sie. Es ist eng, aber das lieben die Kleinen an ihrer Kita: sie fühlen sich geborgen und behütet. Das ist besonders wichtig für die Leiterin Kerstin Dietzsch: „Die Liebe, die man in seiner Kita erlebt, hält für das halbe Leben“, sagt sie. So begeistert wie die Kinder war auch die Zertifizierungsgesellschaft Procum Cert, die nach einem vierstündigen Audit – einer Prüfung – letzten Monat die Auszeichnung Beta verlieh: das evangelische Gütesiegel für Betreuung, Bildung und Erziehung von Kindern im Elementarbereich mit Vorschularbeit. Das Zertifikat bescheinigt ein auf ständige Verbesserung ausgelegtes Qualitätsmanagement. Dietzsch freut sich: „Wir arbeiten schon seit vier Jahren nach dem Leitbild unseres Trägers – des Kitawerks Pinneberg. Jetzt haben wir unsere Qualität auch zertifiziert.“

Dass ihre Kita aber nicht nur deshalb besonders ist, nehmen die Kinder selbst kaum wahr: 16 unterschiedliche Kulturen kommen bei den „Grashüpfern“ zusammmen. Eine Herausforderung für Dietzsch und ihr Team aus vier Betreuerinnen – und ein Schatz. „Für die Kinder ist ihre Unterschiedlichkeit ganz normal, sie merken das gar nicht“, sagt sie. „Wir sind hier in Pinneberg eine interkulturelle Vorzeige-Kita. Manchmal verständigen wir uns zwar mit Händen und Füßen, aber das klappt.“ Sprach- und Musikunterricht gehören zur täglichen Routine der Kinder. „Über die Musik lernen sie die Sprache schnell“, sagt Dietzsch. Dabei darf jedes Kind in seinem eigenen Tempo lernen.

Auch für die in Deutschland neuen Eltern ist die Kita Anlaufstelle bei Problemen. Doch es gibt auch solche, die ihre Kinder bereits in der dritten Generation in die Obhut der „Grashüpfer“ geben. Denn gegründet wurde die kuschelige Einrichtung 1972 – als Provisorium. Zwischenzeitlich von der Schließung bedroht, wechselte sie 2010 ins Ganztagskonzept und gehört seit 2012 zum evangelischen Kitawerk Pinneberg. Zum Qualitätssiegel gehört, dass die Mitarbeiterinnen sich regelmäßig fortbilden, dass mit den Kindern die Natur erkundet wird – direkt nebenan an der Pinnau – und dass auch eingekauft und gekocht wird. Und zwar vegetarisch, denn in der evangelischen Kita sind auch muslimische Kinder, die nur bestimmtes Fleisch essen dürften.

Unterschiedliche Kulturen – unterschiedliche Religionen. Das ist bei Dietzschs Truppe kein Problem. Der protestantische Glaube spielt eine große Rolle im Alltag, trotzdem sind nicht nur muslimische, sondern auch katholisch-orthodoxe Kinder dabei. „Die Eltern sind meist offen. Manche haben anfangs Bedenken, dass dabei die eigene Kultur vielleicht untergeht. Aber diese Bedenken können wir in Gesprächen meist beilegen, wenn die Eltern merken, dass wir allgemeingültige Werte und Normen vermitteln. Sie entdecken unsere kulturellen Ähnlichkeiten.“

Religionspädagogischer Unterricht steht einmal die Woche an. „Die Kinder sollen alles kennenlernen, wir beschäftigen uns mit allen fünf Religionen. Das funktioniert super“, berichtet Dietzsch. „Dabei greifen wir auch Themen der Kinder auf, zum Beispiel wenn sie Streit haben.“

Zum Unterricht gehören christliche Feste, aber auch das Achten auf Ramadan und Besuche in der Moschee. Die muslimischen Eltern sind dann wiederum beim Abschlussgottesdienst in der Heilig-Heist-Kirche dabei, wenn vorm Schulstart der Segen über die Kinder gesprochen wird. „Wir machen seit Jahren erfolgreich Integration“, sagt Dietzsch.

Die evangelische Kita vermittelt den christlichen Glauben. Dennoch ist jedes Kind herzlich willkommen und die Kita berücksichtigt dessen religiöse,soziale und kulturelle Zugehörigkeit. Die Mitarbeiter unterstützen  jedes Kind bei der geistigen, emotionalen und körperlichen Entwicklung und geben ihm Raum und Zeit. Die Zusammenarbeit der Kollegen wird wertgeschätzt und das vertrauensvolle Miteinander mit den Eltern ist von großer Bedeutung. In der Einrichtung sollen Kinder und Eltern Kirche als lebendige Gemeinde erfahren. Der Prozess der Weiterentwicklung der vorhandenen Qualität ist ein wichtiger Bestandteil  der gemeinsamen Arbeit. Derzeit sind in der Kita 33 Kinder untergebracht. Es gibt eine Warteliste.
Karte
zur Startseite

von
erstellt am 25.Okt.2016 | 16:31 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen