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Aus dem neuen Stadtgespräch : Berit Christiansen über die Ausbildung zur Pferdewirtin

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Kreis Pinneberg | Berit Christiansen lebt den Traum vieler junger Mädchen. Die 19-Jährige macht auf dem Reitpony-Gestüt Grenzhöhe von Sabine Reimers-Mortensen in Lutzhorn eine Ausbildung zur Pferdewirtin. Das erste Lehrjahr hat sie bald hinter sich, im Juli 2018 wird sie fertig sein. Aber ist dieser Job wirklich ein Traum? Wir haben bei Berit Christiansen nachgefragt.

Was gefällt Ihnen an der Ausbildung?
Der Umgang mit den Pferden, und dass ich den ganzen Tag draußen sein kann. Der Beruf ist unheimlich abwechslungsreich. Gerade haben wir Fohlen bekommen, heute kommt der Tierarzt für eine Ankaufsuntersuchung. Jeden Tag ist etwas anderes los. Das gefällt mir sehr!

Ist es so, wie Sie es sich vorgestellt haben?
Ja. Ich habe vorher zwei Praktika hier auf dem Gestüt gemacht und wusste ziemlich genau, was mich erwartet. Wir haben zirka 80 Reitponys hier. Ich füttere, miste aus, putze und bringe sie auf die Weide oder auf das Paddock, gehe den Bereitern zur Hand und longiere auch.

Was sind die schönsten Aufgaben?
Das Füttern und Ausmisten morgens, wenn ich allein mit den Pferden im Stall bin und nur das Schnauben höre. Das ist mein Moment. Dann bin ich ganz für mich. Und das Weidenabfahren bringt mir Spaß. Wir Azubis kontrollieren die Stutenherden, die Zäune und Wassertanks.

Und was bringt keinen Spaß?
Draußen sein, wenn´s doll regnet (lacht). Dann ist Weidenabfahren echt kein Vergnügen.

Wie kommen Sie zur Arbeit?
Zu Fuß. Ich wohne während der Ausbildung hier auf dem Gestüt. Das ist so üblich. Und praktisch. Ich habe eine Sechs-Tage-Woche wie alle Azubis in landwirtschaftlichen Berufen. Mein Arbeitstag fängt um sieben Uhr morgens an und endet um 17 Uhr. Aber zwischendurch habe ich zwei Stunden Mittagspause. Und jedes zweite Wochenende habe ich komplett frei.

Pferdewirt ist nicht gleich Pferdewirt. Es gibt fünf unterschiedliche Fachrichtungen: 1. Pferdehaltung und Service, 2. Pferdezucht, 3. Klassische Reitausbildung, 4. Pferderennen und 5. Spezialreitweisen. Ausgebildet wird auf Reiterhöfen, Reitställen, Reitzentren und Gestüten. Die Ausbildungsvergütung liegt im ersten Jahr bei 615 Euro brutto/Monat. In Schleswig- Holstein stehen rund 160 Ausbildungsplätze zur Verfügung. Im Kreis Pinneberg gibt es 14 Ausbildungsbetriebe mit zurzeit 14 Azubis. Pro Jahr werden landesweit zirka 70 neue Ausbildungsverträge geschlossen. Der Anteil der männlichen Azubis in diesem Beruf liegt bei unter 10 Prozent. www.lksh.de/aus-und-weiterbildung/agrarberufe/pferdewirt/ 

Warum wollten Sie unbedingt Pferdewirtin werden?
Ich hatte von klein auf mit Pferden zu tun und hatte nie andere Hobbys oder andere Leidenschaften. Nicht, weil meine Eltern Pferde hatten – ich bin aus der Stadt, komme aus Hamburg – sondern weil ich früh in der Reitschule angefangen habe. Ich hatte Reitbeteiligungen auf einem Reiterhof. Und mit 16 bekam ich mein eigenes Pferd. Für mich gab es keine andere Option. Ich wusste schon in der achten Klasse, was ich werden wollte.

Wie haben Sie Ihren Ausbildungsplatz gefunden?
Über Facebook. Meine Ausbilderin hatte dort gepostet, dass sie Azubis sucht. Und darauf habe ich mich beworben.

„Ich habe noch keine Sekunde meiner Ausbildung bereut“, sagt Berit Christiansen.

„Ich habe noch keine Sekunde meiner Ausbildung bereut“, sagt Berit Christiansen.

Foto: Schmidt-Harder

Wie finden Ihre Eltern Ihre Berufswahl?
Die stehen voll hinter mir. Meine Mutter hat sogar angefangen, mein Pferd zu reiten (lacht).

Was für Fähigkeiten sollte man mitbringen?
Muss man gut reiten können? Also, einfach nur Tiere zu mögen – das reicht nicht. Man muss einen natürlichen Grundumgang mit Pferden besitzen und eine große Leidenschaft für sie haben. Reiten können hilft, spielt aber zum Beispiel bei meiner Ausbildung, die die Fachrichtung „Zucht“ hat, keine große Rolle. Meine Chefin sagt, man müsse Verantwortungsbewusstsein für die Tiere haben, vorausschauend denken können, körperlich und seelisch belastbar sein und Spaß daran haben, auf dem Betrieb zu wohnen. Und zuverlässig sein.

Würden Sie anderen auch zu dieser Ausbildung raten?
Wenn man total Bock darauf hat, ja! Ansonsten nicht. Der Job ist manchmal hart. Aber die Pferde geben einem das alles zurück!

War die Umstellung von Schul- auf Ausbildungszeit schwer?
Ja. An die langen Arbeitszeiten musste ich mich erst einmal gewöhnen. Vorher konnte ich manchmal nicht einschlafen, weil ich nicht müde war. Heute gehe ich ins Bett und bin sofort weg. Gewöhnungsbedürftig ist auch immer die Umstellung von der Arbeit auf die Berufsschule. Wir haben in regelmäßigen Abständen mehrmals im Jahr zwei Wochen Blockunterricht in Blekendorf im Kreis Plön. Vom Ausmisten bekomme ich nie Rückenschmerzen. Aber von dem stundenlangen Stillsitzen im Klassenraum schon (lacht)!

Noch mehr Geschichte rund um das Thema Pferd finden Sie in der aktuellen Ausgabe des Stadtgesprächs, das Monatsmagazin des Pinneberger Tageblattes. Die neue Ausgabe erscheint heute und liegt Ihrer Tageszeitung in Pinneberg und Umgebung bei. Außerdem finden Sie das Stadtgespräch an allen bekannten Auslagestellen.
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erstellt am 29.Apr.2016 | 16:00 Uhr

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