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Pinneberger Tageblatt

06. Dezember 2016 | 09:22 Uhr

Die Anwohner sind sauer : Beim Ratsberg: Plotzlich verhängt die Stadt ein Parkverbot

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Straße Beim Ratsberg wird unangekündigt als Transportweg zur Baustelle der Westumgehung genutzt.

Pinneberg | Morgens um 7 Uhr ist die Welt an der Straße Beim Ratsberg in Pinneberg nicht mehr in Ordnung. Zu diesem Zeitpunkt rasen bereits die ersten Lkw durch die Tempo-30-Zone, am Spielplatz vorbei und weiter durch die beschauliche Wohnsiedlung mit Bungalows und Reihenhäusern. Ihr Ziel ist die nördliche Baustelle der Westumgehung. Dorthin bringen sie Sand und weitere Materialien. Bis gegen 17 Uhr rollen die Transporter über den Asphalt – und oft viel schneller als die erlaubten 30 Stundenkilometer, wie Anwohner beobachtet haben.

Außer dem Bahnhof ist die Westumgehung Pinnebergs größtes Bauprojekt. Mit dem drei Kilometer langen Nordabschnitt als neue Verbindung zwischen den Landesstraßen 106 und 76 soll eine  Entlastung des Stadtnetzes und damit auch der Anlieger erreicht werden. Zudem sollen Unternehmen ansiedeln und Gewerbesteuern in die Haushaltskasse spülen. Bauabschnitte gibt es  nicht – es wird an mehreren Stellen der Trasse gleichzeitig gearbeitet. Unter anderem auch im Norden von Pinneberg. Die Baukosten für das Projekt, das die Elmshorner Straße in Pinneberg Nord mit dem Westring verbinden soll, belaufen sich inzwischen auf 28,05 Millionen Euro. Damit liegen die Kosten 2,4 Millionen Euro höher als geplant. 2018 soll die Straße fertig sein. Sollte der Zeitplan nicht eingehalten werden, droht der Verlust von Zuschüssen. Pinneberg müsste dann selbst die Kosten tragen.

Was die Bürger auf Zinne bringt: Die Stadt hat die Straße Beim Ratsberg als Transportweg zur Baustelle der Westumgehung im nördlichen Teil Pinnebergs umfunktioniert. Damit die Lkw auch gut durch die Anliegerstraße kommen, wurde außerdem am 5. September ein absolutes Halteverbot für die Straße erlassen. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion. An beiden Seiten. Bis zum 31. Januar 2017 soll das Halteverbot gelten. Die Anwohner glauben aber, dass es länger bestehen wird.

„Wir sind über das Halteverbot nicht informiert worden“, sagt Marlies Möller, eine der Anwohnerinnen. Wenn sie jetzt vom Einkauf käme, um ihr Auto zu entladen, fände sie keinen Parkplatz mehr. Die Situation: Auf 35 Reihenhäuser kommen 18 reguläre Parkbuchten. Die sind schnell belegt. „Deswegen müssen wir auf der Straße parken“, sagt sie. Doch das sei jetzt verboten.

Ab 7 Uhr morgens fahren die ersten Lkw über die Straße Beim Ratsberg.
Ab 7 Uhr morgens fahren die ersten Lkw über die Straße Beim Ratsberg. Foto: Privat
 

Große Sorgen um die Kinder macht sich Alexandra Schulz: „Diese Straße ist auch ein Schulweg und ist jetzt zu einer Gefahr für die Kinder geworden“, sagt die Mutter von zwei Kindern. Schüler nutzen ihn, um per Rad oder zu Fuß zum Schulzentrum-Nord, zur Hans-Claussen-Schule oder zur Johannes-Brahms-Schule in die Innenstadt zu gelangen. Außerdem leben dort auch ältere Menschen, die die Straße nicht so schnell überqueren könnten.

Die Anwohner haben sich bereits Gedanken gemacht, welche anderen Routen für die Schwerlast-Transporter in Frage kämen. So könnte der Osterloher Weg vor Kummerfeld, der Ossenpadd oder die Trasse genutzt werden, die an Netto vorbeiführt – es ist ein Teil der Westumgehung. Die Anlieger betonen, dass sie nicht gegen das Projekt Westumgehung seien oder eine Diskussion hervorrufen wollten. Doch mit der aktuellen Situation wollen sie sich nicht zufriedengeben. Deshalb plant die Initiative als Nächstes eine Unterschriftenaktion. Außerdem wollen die Bürger in den Fachausschüssen auf das Problem aufmerksam machen.

Lkw-Verkehr über die Straße Beim Ratsberg – davon kann Marlies Möller ein Lied singen. „Früher fuhren die Lkw über diese Straße zum Bauunternehmen Groth“, sagt sie. Als das Neubaugebiet Ossenpadd-Nebenweg in Angriff genommen wurde, rollten die Transporter erneut über die Straße Beim Ratsberg. Das Ende vom Lied: Die Straße musste erneuert werden. „Und wir mussten Anliegerbeiträge zahlen – je nach Grundstück zwischen 600 und 2400 Euro.“ Jetzt befürchten die Anwohner, dass erneut Schäden an der Straße durch den massiven Lkw-Verkehr entstehen könnten und die Anwohner nach der Sanierung wieder zur Kasse gebeten werden.

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erstellt am 14.Sep.2016 | 12:15 Uhr

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