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Pinneberger Tageblatt

02. Dezember 2016 | 21:17 Uhr

Bakterien als Partner der Evolution

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Vortrag Bönningstedter Sektion der Schleswig-Holsteinischen Universitätsgesellschaft lädt Professor der Kieler Universität ein

Es ist eine Erfolgsgeschichte der vergangenen 150 Jahre: Immer mehr durch Bakterien hervorgerufene Erkrankungen können dank der Medizin geheilt werden. Doch sollten Bakterien tatsächlich als Feind angesehen werden? Professor Thomas Bosch (Foto) hat eine klare Meinung dazu: „Alles, was an Leben entstanden ist, darunter auch wir, entstammt einem Biofilm – und damit unter anderem Bakterien.“

Der Zell- und Entwicklungsbiologe, der an der Kieler Universität lehrt, kam auf Einladung der Schleswig-Holsteinischen Universitäts-Gesellschaft aus Kiel nach Bönningstedt angereist. Er referierte vor etwa 20 interessierten Besuchern über das Thema „Bakterien – eher Partner als Feinde“.

Die Geschichte der Bakterien liegt etwa drei Milliarden Jahre zurück. „Wir sind mit den Bakterien eine evolutionäre Partnerschaft eingegangen“, sagte Bosch. Nur 200 Bakterien seien in der heutigen Zeit als pathogen, also krankheitserregend, anzusehen. „Millionen andere sind es nicht“, erklärte Bosch. Im Körper eines Menschen gebe es so viele Bakterien wie auch Nervenzellen, die in einem ständigen Kommunikationsaustausch stünden. „Sie sind intimst miteinander verknüpft“, sagte er weiter.

Anhand eines Beispiels zeigte er den Besuchern, dass der Mensch übersät ist von zahlreichen unterschiedlichen Bakterien. Die Hand eines achtjährigen Jungen, vor der Aufnahme gewaschen und getrocknet, zeigte unter dem Mikroskop eine bunte Landschaft aus verschieden farbigen Bakterien. Auch die Zähne sowie die Mundhöhle seien „voll von Bakterien“.

Bosch arbeitete bereits mit vielen Kollegen aus dem Bereich der Anthropologie zusammen. „Die sagen, dass wir im sogenannten Anthropozän leben. Die Welt wird also durch den Menschen verändert“, erklärte der Experte. In den vergangenen 50 Jahren sei es zu einer erheblichen Veränderung der Lebensgemeinschaft gekommen.

Dazu zählt er unter anderem die sogenannte Korallen-Bleiche in Australien. „So etwas hat es früher noch nie gegeben.“ Dies lasse ihn zu dem Schluss kommen, dass die Gesundheit multiorganismisch ist. „Umgekehrt genauso: Krankheit ist multiorganismisch“, ergänzte er. Bakterien seien ein Teil des Immunsystems und könnten sogar vor Krankheiten schützen. Bei zahlreichen Tests mit Mäusen, die bakterienfrei gehalten wurden, wurde diese These geprüft. „Die Tiere sind sofort von Pilzen befallen worden. Das hätten Bakterien verhindert“, erklärte Bosch.

Besonders viele Bakterien seien im Darm eines Menschen zu finden. Diese dienten als Impulsgeber. Dieser Vorgang geschehe abgekoppelt von dem Hirn. „Wenn der Darm nicht in ständiger Pulsierung ist, geht es uns sehr schlecht“, sagte Bosch.

Sein Tipp an die Besucher: „Impfen sowie die Einnahme von Antibiotika muss überlegt geschehen.“ Außerdem sei auch ständiges Händewaschen mit einem Desinfektionsmittel eher schädlich als gesund für den Menschen.

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