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Pinneberger Tageblatt

09. Dezember 2016 | 16:31 Uhr

Ausbildungs-Börse für Daz-Schüler

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Berufsbildungsforum Betriebe stellen sich in der Pinneberger Berufsschule vor / Besondere Referenten: Flüchtlinge in der Lehre

Vor fünf Jahren floh Sadri Sardar aus Afghanistan. Als er nach einem halben Jahr Odyssee endlich in Pinneberg ankam, sprach er nicht nur kein einziges Wort deutsch. Der Jugendliche hatte zuvor auch noch nie ein Klassenzimmer von innen gesehen. „Null Schulbildung“, verdeutlicht Antje Reese Sardars damalige Situation. Gestern kam der Afghane als Referent in seine Schule, die Pinneberger Berufsschule, zurück. „Unser Vorzeigeabsolvent, der Junge ist wirklich intelligent“, lobt die Abteilungsleiterin für die Daz-Klassen (Daz: Deutsch als Zweitsprache). In drei Jahren schaffte Sardar seinen ersten allgemeinbildenden Schulabschluss, ehemals Hauptschulabschluss. Heute ist er im zweiten Lehrjahr als Maurer bei der Firma Mark in Tornesch tätig.

Und genau davon, wie eine Maurerausbildung in Deutschland funktioniert, was man lernt und wie viel Spaß sie machen kann, davon wollte Sardar gestern auf dem dritten Berufsbildungsforum anderen geflüchteten Jugendlichen berichten. Die Berufsbildende Schule in Pinneberg zählt knapp 4000 Schüler. 150 Jugendliche mit Migrationshintergrund besuchen acht Daz-Klassen. Für sie veranstaltet die Einrichtung ihre Berufs-Börsen.

Mittlerweile liegt der Fokus auf der Vorstellung der unterschiedlichen Ausbildungsmöglichkeiten. Von Maler und Lackierer über Gärtner, Tischler, Bäcker und Zahnmedizinischem Fachangestellten bis hin zu KfZ-Mechatroniker und Friseur: Insgesamt 15 Betriebe standen in einzelnen Räumen bereit, um interessierten Jugendlichen ihre Fachrichtung nahe zu bringen. Referenten wie Sardar fungierten dabei nicht nur als Übersetzer. Weil sie Gleiches durchgemacht haben wie die geflüchteten Jugendlichen aus den Daz-Klassen, sind ihre Schilderungen des deutschen Ausbildungssystems besonders glaubwürdig. „Und sie können überzeugend darlegen, wieso es sinnvoll ist, weiter zur Schule zu gehen“, ergänzte Lehrer Alexander Brügmann.


Viele positive Rückmeldungen


„Referenten, Übersetzer und Klientel in einem“, fasste Abteilungsleiterin Reese zusammen. Sardar freute sich sichtlich, bei der Gelegenheit seine alten Klassenkameraden Seyed Afsheen Mosafi, in der Ausbildung zum Restaurantfachmann, und Tarek Zaheri, angehender Parkettleger, wiederzusehen. Arbeitsagentur, Jobcenter und Handelskammer gaben den Daz-Schülern zudem Einblicke in ihre Funktionen, ebenfalls zweisprachig. Die Resonanz auf die Berufsbildungsforen sei gut, erläuterte Reese. Von den Schülern, aber auch von den Betreuern und Betrieben gab es stets viele positive Rückmeldungen. Wie zur Bestätigung flatterte in dem Moment die Nachricht herein, dass gerade bei einem Malerbetrieb ein Praktikumsplatz festgemacht worden sei.  

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