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Pinneberger Tageblatt

25. August 2016 | 18:40 Uhr

Auf der Suche nach der perfekten Tomate

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der Haseldorfer Gemüsehändler Jan Markmann kauft nachts auf dem Hamburger Großmarkt ein / Auf 40 000 Quadratmetern besorgt er seine Waren

Die Straßen sind leer, als Jan Markmann (44) kurz nach halb drei in Haseldorf den Motor seines weißen Transporters einschaltet. In der Fahrerkabine ist es kalt. Das Radio ist leise im Hintergrund zu hören. In der Getränkehalterung steht ein großer Becher Kaffee.

Obwohl es noch früh ist, ist Markmann gut gelaunt. „Auf dem Hinweg nehmen wir die touristische Route über die Elbchaussee“, sagt er. Und fügt lachend hinzu: „Ein bisschen dicke Pötte gucken.“ Der Haseldorfer ist Gemüsehändler und fährt zweimal die Woche zum Großmarkt nach Hamburg, um die Waren für seinen Stand einzukaufen, die er nicht von Landwirten in der Umgebung bezieht.

40 Minuten später steigt Markmann vor den großen Hallen an der Hamburger Banksstraße aus der Fahrerkabine. Er kauft meist im Erdgeschoss der Gemüse- und Obsthalle ein, das mit 40  000 Quadratmetern etwa so groß ist wie zehn Fußballfelder. Meist bewegt sich der Gemüsehändler auf dem weitläufigen Gelände mit einem Klapprad. Diesmal geht er zu Fuß.

Festen Schrittes läuft er auf den Eingang zu. Leicht fruchtig und herb riecht es. Auf Paletten liegen Säcke mit Möhren, Kohl und anderem Wintergemüse. Gabelstapler sausen mit Paletten voller Waren vorbei. „Das hier ist der Erzeugermarkt“, sagt Markmann und läuft zielstrebig auf einen Stand zu, der aus mehreren Paletten besteht. „Hier auf dem Markt wird geduzt“, sagt er. Mit Liane, die aus den Vierlanden kommt, bespricht er, was er möchte. Einen Einkaufszettel hat Markmann zwar dabei, doch was er braucht, hat er im Kopf. Liane notiert seine Bestellung und schon geht es weiter in die Hallen hinein.

Die Gänge werden schmaler. Fährt ein Stapler vorbei müssen die Fußgänger anhalten und sich zwischen Paletten voller Gemüse und Obst stellen. In Gitterverschlägen bieten die Händler ihre Waren an. Markmann läuft zielstrebig durch die ähnlich anmutenden Gänge. „Man hat seine Stammgeschäfte, zu denen man geht, das sind jahrelange Geschäftsbeziehungen“, sagt er.

Am Stand der Firma Kupka hält er an. Begrüßt die Mitarbeiter mit Handschlag. Zunächst braucht er Weintrauben. Mehrere Sorten sind im Angebot und in ordentlichen Türmen aufeinander gestapelt. Markmann schaut sich jede Sorte an, pflückt Trauben ab, probiert. Erst die eine Sorte, dann die andere. „Zu sauer“, sagt er beim letzten Test und verzieht das Gesicht. „Wir nehmen die Erste“ Und schon stapelt er zwei Kartons grüne und zwei Kartons rosé Trauben aufeinander. „Ich könnte vorbestellen und die Ware einfach abholen, aber ich suche mir meine Sachen am liebsten selber aus“, sagt er.

Wenige Schritte weiter wählt er nun Gurken. „Ich achte auf Aussehen und Qualität“, sagt der gelernte Obstbauer. Und auch Kartons voller Salat, Mangos und einen großen Sack Walnüsse stellt Markmann zusammen. Schnell holt er sich den zweiten Kaffee der Nacht aus dem angrenzenden Büro und ruft, dass er gern bezahlen würde. Andi, einer der Geschäftsführer der Frucht und Gemüse-Importfirma, kommt und notiert genau, welche Produkte Markmann zusammengestellt hat. Die Waren werden gleich von einem Angestellten zum Transporter gefahren und eingeladen. Markmann selbst kann derweil weiter einkaufen.

Nur zwanzig Meter weiter sucht sich der Gemüsehändler Zitrusfrüchte, Avocado und Bananen aus. Markmann bezahlt gleich. „Die haben zwei Stände, da ist die Buchhalterin nicht immer da, wo man sie vermutet“, sagt er. In einem kleinen dunkel vertäfelten Büro gibt sie die Waren schnell in den Computer ein und kassiert. Nur drei Minuten später läuft Markmann wieder durch die langen Gänge. Um 3.55 Uhr macht der Haseldorfer am fünften Stand dieser Nacht Halt. Ein anderer Händler grüßt. „Neulich hat meine Frau im Supermarkt Porree für 90 Cent gesehen“, sagt er und schon tauschen sich die beiden Gemüsehändler über Preise aus. Hier auf dem Großmarkt kostet der Porree ebenfalls 90 Cent. Auch andere Produkte, die Konsumenten im Supermarkt günstig bekommen, sind hier fast genauso teuer. Um wettbewerbsfähig zu sein, müssen Markmann und seine Kollegen also teilweise Preise unterhalb des Einkaufspreises berechnen.

Auf dem Großmarkt wird trotzdem meist nicht über Preise verhandelt. „Das macht man, wenn die ersten Erdbeeren oder der erste Spargel kommt, dann lohnt sich das“, sagt der Gemüsehändler.

Schnell geht es weiter, auf der Einkaufsliste stehen noch Romanesco, Tomaten und Petersilie. „Tomaten kaufen ist in dieser Jahreszeit schwierig, sind sehr teuer – es nützt nichts“, sagt er. Trotzdem wird der 44-Jährige noch fündig. Und auch die anderen Punkte auf seinem Einkaufszettel kann er kurze Zeit später abharken.

Derweil wird sein Auto beladen. Die Fahrer einiger Händler stellen die Paletten direkt in den Wagen. Der Gemüshändler hat ihnen gesagt, wo er parkt. Selbst zieht er einen Hubwagen zum Auto und lädt Paprika und Salat ein. Kurz danach holt er seine Waren bei Liane auf dem Selbsterzeugermarkt ab. Nun, kurz vor 5 Uhr, bricht er zum letzten Rundgang auf: Er muss an einigen Ständen noch bezahlen. Danach bleibt noch Zeit für einen Kaffee und ein beglegtes Brötchen im Marktcafe.

Der Berufsverkehr beginnt, als Markmann um 5.20 Uhr den Transporter vom Gelände des Großmarkts lenkt. In 40 Minuten wird er in Haseldorf ankommen. „Noch genug Zeit, um sich hinzulegen“, sagt er. Draußen ist es immer noch dunkel und kalt.

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erstellt am 31.Jan.2015 | 16:46 Uhr

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