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Pinneberger Tageblatt

08. Dezember 2016 | 07:11 Uhr

Auf der Jagd nach Handysündern

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

kontrolle Wedeler Polizei verteilt 32 Knöllchen / Insgesamt knapp 70 Fahrzeuge überprüft

Dienstagmorgen: Temperaturen um den Gefrierpunkt sind nicht gerade einladend für eine Urinprobe im Gebüsch hinter dem Streifenwagen. Immer wieder geht der 20 Jahre alte Handwerker in Deckung, um ein paar Tropfen in den Plastikbecher zu zwingen. Erfolglos. Mehr als ein „Kann nicht“ ist für die Beamten nicht zu bekommen. Etwa 45 Minuten wird es dauern, bis der Mann den Drogenschnelltest hinter sich hat.

Die Wedeler Polizei ist an der Rissener Straße auf der Jagd nach Gurtmuffeln und Handysündern. Doch auch Drogen- und Alkoholtests stehen an. Der Kontrollstellenleiter ist ADM-Spezialist. Die Abkürzung steht für Alkohol, Drogen und Medikamente. „Wir haben einen Testkatalog, mit dem wir prüfen, ob Autofahrer unter Alkohol- oder Drogeneinfluss am Steuer sitzen. Ich prüfe zum Beispiel die Reaktion der Pupillen“, sagt der Beamte. Dass die Menschen „völlig zugedröhnt“ fahren, komme selten vor. „Typischerweise haben die Leute am Wochenende gefeiert und dabei Marihuana konsumiert. Selbst zwei Tage später sind sie dann noch nicht fahrtüchtig.“

Der Kontrollstellenleiter ist nicht nur Experte für Alkoholdelikte im Straßenverkehr. Er hat auch ein Auge auf getunte Wagen, also Autos, die mit nicht zugelassenen Ersatzteilen auf der Straße sind. Und auf Autos, die mit Diebesgut aus Einbrüchen unterwegs sind. „Es wird aber immer schwerer, die zu erkennen. Heute wird die Beute nicht mehr in Gammelbullis mit osteuropäischen Kennzeichen transportiert. Die Täter sind professioneller geworden. Diebesgut kann sich theoretisch in jedem Wagen befinden“, sagt der Beamte.

Vier Polizisten sind im Einsatz. Einer beobachtet als Vorposten am Ortsausgang zu Hamburg die Autos, einer fischt die Wagen mit der Kelle aus dem Verkehr, die beiden anderen kontrollieren Fahrer und Fahrzeuge auf dem Parkplatz einer Autovermietung. Eigentlich hätte das Team aus acht Beamten bestehen sollen. Doch der hohe Krankenstand zwingt sie, mit kleiner Besetzung anzutreten. Es zahlt sich aus, dass die Polizei zweisprachige Kollegen in ihren Reihen hat. Etwa, als ein Russisch sprechender Paketfahrer auf den Parkplatz kurvt, der im anschließenden Gespräch partout nicht einsehen will, dass er besser mit angelegtem Gurt fährt. Doch davon abgesehen bleiben die Polizisten meist im freundlichen Plauderton. „Natürlich fangen manche auch mal an zu diskutieren. Die Mehrheit zeigt sich aber einsichtig“, sagt der Kontrollstellenleiter.

Das Fahren ohne Gurt komme relativ häufig vor. „Man sollte meinen, dass Autofahrer das Angurten verinnerlicht haben. Aber wir erwischen häufig Fahrer, die nicht angeschnallt sind“, sagt einer der Beamten.


Ressourcen für stärkere Kontrollen fehlen


Und auch mit dem Telefon zu hantieren, bleibt ein häufig zu beobachtender Verstoß. „Das Problem verschärft sich sogar. Früher konnten die Leute mit Tasten Nachrichten blind in ihr Handy eingeben. Heute müssen sie auf den Bildschirm ihres Smartphones gucken. Im Verkehr ist das verantwortungslos und gefährlich, aber uns fehlen die Ressourcen, das stärker zu kontrollieren“, sagt einer der Polizisten.

Auf dem Parkplatz scheitert derweil ein Mann mit dem Versuch, die Beamten von seiner Nüchternheit zu überzeugen. Für ihn heißt es nun: Kopf in den Nacken und 30 Sekunden stillstehen. Es folgen ein Reaktions- und ein Koordinationstest. Er muss auf Kommando die linke oder rechte Hand heben, mit dem Finger die Nasenspitze treffen und auf einer imaginären Linie balancieren. Nicht alle Tests absolviert er mit Belobigung. Trotzdem darf er weiterfahren. „Manchmal scheitern die Leute aus natürlichem Grund an den Tests, etwa wegen Krankheiten. Wir machen uns ein Gesamtbild“, sagt der Kontrollstellenleiter. Erhärte sich der Verdacht, gebe es die Möglichkeit zum freiwilligen Schnelltest. Als letztes Mittel bliebe der Bluttest, für den es aber grünes Licht eines Richters brauche.

Der 20-jährige Handwerker hat inzwischen eine brauchbare Probe zusammengebracht. Einer der Polizisten verteilt das Urin auf einem scheckkartengroßen Prüfgerät mit Teststreifen, etwa für THC und Amphetamine. Es dauert ein Weilchen, bis die Anspannung aus dem Gesicht des jungen Mannes weicht. Alle Streifen färben sich violett. Der Test ist negativ, er gibt keinen Hinweis auf Drogen. Der Mann darf weiterfahren.

Die Bilanz nach gut sechs Stunden Kontrolle: knapp 70 überprüfte Fahrzeuge, 20 Verstöße gegen die Anschnallpflicht, zwölf mal Handygebrauch, keine ADM-verstöße. Der Kontrollstellenleiter resümiert: „Für die schmale Besetzung ein gutes Kontrollergebnis. Die Zahl der Verstöße ist im Rahmen geblieben.“

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erstellt am 30.Nov.2016 | 16:00 Uhr

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