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Pinneberger Tageblatt

11. Dezember 2016 | 11:07 Uhr

Kurzbesuch im Kreis Pinneberg : Anton Hofreiter wirbt für die Agrarwende

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der Fraktionschef der Grünen im Bund spricht im Rellinger Turnerheim über die Zukunft der Landwirtschaft.

Kreis Pinneberg | Der Toni reiste ganz bodenständig mit der Bahn an – in der Hand seinen Rucksack, im Gepäck sein Buch mit dem Titel „Fleischfabrik Deutschland. Wie die Massentierhaltung unsere Lebensgrundlagen zerstört“. Aus Lübeck kam er, war dann erst nach Hamburg gefahren und von dort mit der Regionalbahn bis Pinneberg. Sein Ziel: Rellingen. Nachdem Anton Hofreiter in der Hansestadt über die geplante Fehmarnbelt-Querung gesprochen hatte, wollte er im Rellinger Turnerheim über die Zukunft der Landwirtschaft sprechen, über die Vision von einer konventionellen Landwirtschaft, die ihrer großen Verantwortung für den Verbraucher und das Tierwohl gerecht wird, und über die Vorteile kleinerer landwirtschaftlicher Betriebe.

Hofreiter ist derzeit im Wahlkampfmodus: Zum zweiten Mal seit 2012 werden die Mitglieder der Grünen  im Rahmen einer Urwahl darüber abstimmen, welche beiden Spitzenkandidaten sie ins Rennen um das Amt des Bundeskanzlers schicken wollen. Neben Anton Hofreiter bewerben sich Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Harbeck, Parteichef Cem Özdemir und Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt. Im Dezember bekommen die Mitglieder die Wahlunterlagen und haben dann bis zum 13. Januar Zeit, sie ausgefüllt an die Parteizentrale zurückzuschicken.

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag hatte eine klare Botschaft für seine Zuhörer am Freitagabend: Es muss sich einiges ändern in der Agrarpolitik, national wie international, in der Europäischen Union und in Deutschland. Vor allem in Deutschland. Er will die Agrarwende, will eine nachhaltige Landwirtschaft, weg von den Großbetrieben und hin zu kleinbäuerlichen Strukturen.

Das Thema kam an bei seinen Zuhörern, die so zahlreich gekommen waren, dass im Turnerheim am Abend der Diskussion nichts mehr ging. Wer zu spät kam, musste stehen, und das waren viele. Der Bayer Anton Hofreiter bot ihnen keine Show. Er gestikulierte sparsam, seine Sprache war wenig temperamentvoll. Aber er formulierte klare Ziele, berichtete von Kleinbauern in Südamerika, die die Weigerung, ihr Land an die Soja-Mafia abzutreten, mit dem Leben bezahlen, von der Turbo-Mast in deutschen Schweineställen und Ferkeln, denen der Ringelschwanz nach der Geburt abgenommen wird, „damit sie sich nicht vor lauter Langeweile gegenseitig anbeißen“.

 

Der enorme Fleischkonsum sei schon heute ein Problem und werde den Planeten aus dem Gleichgewicht bringen. „Wir müssen die Kalorien gerechter verteilen, weniger und ökologisch nachhaltig produziertes Fleisch essen“, so Anton Hofreiter. Auf dem Weg hin zu einer veränderten Esskultur sieht er weniger den Verbraucher als vielmehr die Landwirte in der Pflicht. Und die Politik. „Wir brauchen beim Fleisch eine Kennzeichnung, wie wir sie schon bei den Eiern haben, damit der Verbraucher sehen kann, woher das Produkt kommt und wie das Tier gehalten wurde“, sagte er.

Gleichzeitig forderte Anton Hofreiter finanzielle Anreize für Landwirte, die auf eine industrielle Landwirtschaft verzichten. Subventionen der Europäischen Union etwa will er nicht mehr als Flächenprämie auszahlen, sondern damit nachhaltige Landwirtschaft belohnen. Und er will den Bauern den Druck nehmen, immer mehr und immer günstiger produzieren zu müssen. Spätestens an diesem Punkt sieht er dann doch auch den Verbraucher gefragt. „Wir Deutschen geben verhältnismäßig wenig Geld für Lebensmittel aus.“ Hier müsse ein Umdenken stattfinden.

 

Hofreiter glaubt, dass die Agrarwende gelingen kann, die Zeit dafür reif ist. Die Menschen wollten sauberes Trinkwasser, faire Preise für die Landwirte, artgerechte Tierhaltung und unbelastete Lebensmittel und seien auch bereit, dafür zu zahlen, sagte der 46-jährige Parteilinke. Nach rund zwei Stunden Diskussion verabschiedete sich Hofreiter. Er musste seine Bahn kriegen, wollte noch am späten Abend wieder in Berlin sein. Irgendwie ist er ja unaufgeregt, der Toni.

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erstellt am 21.Nov.2016 | 12:00 Uhr

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