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Pinneberger Tageblatt

28. Mai 2016 | 20:02 Uhr

Pinneberg : Acht Jahre Haft für Säureanschlag auf Ex-Frau

vom

Das Landgericht Itzehoe hat sein Urteil gesprochen: Für einen Anschlag mit Säure und einem Messer auf offener Straße muss ein 54-jähriger Pinneberger ins Gefängnis.

Itzehoe/Pinneberg | Für eine Messerattacke und einen Säureanschlag auf seine getrennt lebende Frau hat das Landgericht Itzehoe einen 54 Jahre alten Mann zu acht Jahren Haft verurteilt. Die Kammer befand den Taxi-Fahrer des versuchten Mordes und der gefährlichen Körperverletzung für schuldig. Er hatte nach Überzeugung des Gerichts seine 44-jährige Frau im Sommer vergangenen Jahres auf offener Straße in Pinneberg mit Salzsäure übergossen und mit einem Messer lebensgefährlich verletzt. Tatmotiv war Eifersucht, sagte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. Die Eheleute lebten schon längere Zeit getrennt und die Scheidung stand bevor. Die Staatsanwaltschaft hatte auf 12 Jahre Haft plädiert.

Der 54-jährige Birol K. hatte den Anschlag zu Prozessbeginn eingeräumt. Nach Aussage seiner heute 45-jährigen Ex-Frau soll der Mann grundlos extrem eifersüchtig gewesen sein. „Es ist furchtbar, was ich getan habe, und ich schäme mich dafür sehr“, hieß es in der Erklärung. An das eigentliche Geschehen sowie die Gründe für die Attacke habe er jedoch keine Erinnerung.

Seine Frau kann dagegen bis heute jene schrecklichen Minuten nicht vergessen. Sie sei auf dem Weg zur Arbeit gewesen, als ihr Mann plötzlich vor ihr stand: „Schatz, ich möchte mit dir reden“, habe er das Gespräch eröffnet. Als sie ihm antwortete, es gebe nichts zu besprechen, habe er Arbeitshandschuhe aus seinem Rucksack geholt sowie eine Flasche mit einer Flüssigkeit. Sie habe Angst bekommen und versucht zu fliehen, als er sie mit der Substanz begoss. Sie habe geschrien, bis sie Säure auch in ihren Mund bekam: „Da konnte ich kein Wort mehr herauskriegen“, berichtete sie auf dem Zeugenstuhl. „Dann zog er ein Küchenmesser und stieß auf mich ein.“

Neun Stichwunden im Bauch und in den Armen zählten die Ärzte später im Krankenhaus. Dass sie überhaupt in einen Operationssaal kam und überlebte, verdankte sie einem Autofahrer. Der hatte die gefährliche Situation erkannt und sich mit seinem Fahrzeug zwischen die beiden gedrängt, damit die Frau einsteigen konnte.

Der Angeklagte erklärte, er sei seit vielen Jahren in psychischer Behandlung wegen Angststörungen und Panikattacken. „Ich möchte, dass meine Frau erfährt, dass es mir sehr leid tut“, ließ er seinen Rechtsanwalt während des Prozesses verlesen. „Aber ich habe nicht das Recht, sie um Entschuldigung zu bitten.“ 

Täter und Opfer kommen aus unterschiedlichen Kulturen: Der Angeklagte stammt aus der Türkei, seine Frau aus Polen. Die Eheleute lebten schon längere Zeit getrennt. Die Scheidung stand bevor, als der Mann ihr auflauerte und sie angriff. Nach eigenen Angaben sprachen sie untereinander Deutsch, im Gericht äußerten sie sich aber in ihrer jeweiligen Muttersprache, was von Dolmetschern übersetzt wurde. Mehrere Zeugen sagten vor Gericht aus. Sogar eine Polizistin hatte vor dem Angeklagten Angst, wie sie im Zeugenstand berichtete.

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erstellt am 11.02.2014 | 14:00 Uhr

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