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Pinneberger Tageblatt

09. Dezember 2016 | 01:00 Uhr

Asylverfahren abgelehnt : Abschiebung trotz guter Integration

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Familie Abassi lebt seit geraumer Zeit in Uetersen – jetzt soll sie zurück nach Afghanistan.

Uetersen | Seit zweieinhalb Jahren lebt der 15-jährige Rosenstadtschüler Mohammed Abassi mit seinen Eltern in Uetersen, doch nun haben seine Mutter und er Bescheid bekommen, dass ihr Asylantrag abgelehnt wurde. Beide sollen zurück nach Afghanistan, „doch es ist immer noch Krieg, wir haben kein Haus mehr oder einen Platz zum leben“, so Mohammed. Die Familie hat nun einen Anwalt eingeschaltet.

Mohammeds ältere Schwester Samana war die erste der Familie, die nach Deutschland kam. Bereits vor vier Jahren machte sich die damals 16-Jährige mit ihrem damaligen Freund auf den langen Weg nach Europa, über den Iran, die Türkei und Griechenland gelangten sie in die Bundesrepublik. Doch ihre freiheitlichen Ideen und seine traditionellen Vorstellungen passten nicht zueinander, die Beziehung zerbrach.

Samana lebt in Hamburg und würde gern zu ihrer Familie nach Uetersen ziehen, doch die behördlichen Vorschriften verhindern das. Ab September hat sie einen Ausbildungsplatz zur sozialpädagogischen Assistentin gefunden, in einer kleinen Altonaer Kita. „Wenn ich nicht in Hamburg wohne, darf ich die Berufsschule dort nicht besuchen, und die Berufsschule in Pinneberg hat keinen Platz mehr frei“, erklärt sie die missliche Lage. Derzeit lebt sie in einem Jugendheim, doch im November muss sie ausziehen und sich dann im Hamburger Stadtgebiet eine neue Bleibe suchen.

Groß war die Freude für das Mädchen, als nach eineinhalb Jahren Trennung Vater, Mutter und Bruder aus Afghanistan nachkamen. Die Abassis leben zentrumsnah in Uetersen, und Samana besucht sie hier regelmäßig. Mohammed ist gut integriert: Anfangs besuchte er noch die DaZ-Klasse der Rosenstadtschule, vor einem Jahr wechselte er in seine Regelklasse. An Uetersen mag er besonders „das riesige Fußballstadion“, beim TSV Uetersen ist er selbst als Kicker aktiv. „Ich gehe auch gern ins Schwimmbad, ich mag den Rosarium-Park und die schöne Fußgängerzone“, berichtet der Schüler, der sein Taschengeld ausbessert, indem er den UeNa tip austrägt. Sein Berufswunsch ist Zahntechniker oder Augenoptiker.

Die Eltern besuchen beide jeden Tag Deutschkurse. „Als Afghanen bekommen sie aber keine offiziellen Kurse. Mein Vater zum Beispiel besucht den Deutschunterricht im Jürgen-Klepper-Haus, eine Lehrerin unterrichtet freiwillig, mein Vater kriegt kein Zertifikat“, beschreibt Samana die Lage. Omid Abassi, der in Afghanistan in der fünften Generation einen Schneiderladen führte, hat seit Kurzem einen Arbeitsvertrag für die Nachmittagsstunden als Schneider bei „Rosen Textilpflege“.

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erstellt am 31.Aug.2016 | 12:15 Uhr

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