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Pinneberger Tageblatt

09. Dezember 2016 | 22:22 Uhr

Regionalkonferenz SuedLink : Absage an komplette Erdverkabelung

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Regionalkonferenz SuedLink: Drei Alternativen für die Querung der Elbe und eine neue Variante für die Wilstermarsch.

Kreis Pinneberg | Die Hoffnung, dass eine von Wilster quer durch die Kreise Steinburg und Pinneberg und dann weiter nach Bayern führende Strom-Autobahn komplett im Erdreich verschwindet, müssen die Tausende von der Trasse betroffenen Menschen wohl endgültig begraben. Auf einer Regionalkonferenz zum Bau der insgesamt 660 Kilometer langen SuedLink-Verbindung erteilten Bundesnetzagentur, Netzbetreiber Tennet und auch Schleswig-Holsteins Energiewende-Minister Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) einer durchgehenden Verlegung von Erdkabeln eine klare Absage. Tenor: technisch nicht ausgereift und vor allem viel zu teuer.

Habeck machte vor zahlreichen Zuhörern keinen Hehl daraus, was er von einem Vorschlag von Ingo Rennert, Aufsichtsratsvorsitzender der Infranetz AG aus Müden an der Aller, hält: nämlich nichts. Dieser hatte vorgerechnet, dass Erdkabel kaum teurer als Freileitungen seien. Habeck: „Hier vertraue ich mehr auf das Urteil unserer Experten.“ Diese gehen von vier- bis achtmal so hohen Kosten aus.

Bleibt die Frage nach dem genauen Trassenverlauf. Im jetzigen Planungsstadium zieht sich von Wilster aus ein tausend Meter breiter Korridor durch die beiden Kreise bis zur Elbe bei Hetlingen. Tennet favorisiert diese Strecke, macht allerdings auch zwei Alternativvorschläge. Möglich wären demnach eine Elbquerung in Höhe von Brokdorf oder im Zuge des Baus der Autobahn 20 bei Glückstadt. Betreiber und Genehmigungsbehörde betonten aber die eine Vorgabe des Gesetzgebers, nach der Stromtrassen möglichst gebündelt werden – also entlang bereits vorhandener Freileitungen verlaufen sollten. Pinnebergs Landrat Oliver Stolz mahnte: „Man sollte die Bündelung aber auch nicht überstrapazieren.“

Tennet-Geschäftsführer Lex Hartmann gibt diese Devise aus: „Wir wollen so weit weg wie möglich von den Menschen und von der Natur und so viel wie möglich bündeln.“ Im Ergebnis könnte dabei herauskommen, dass streckenweise bald vier Leitungen nebeneinander her laufen. In Teilbereichen gibt es nämlich bereits zwei regionale Stromtrassen. Neben SuedLink wird aber noch eine weitere Leitung für Gleichstrom geplant, die dann von Brunsbüttel bis ins 770 Kilometer entfernte Großgartach führen soll.

Dass die „Hauptschlagader der Energiewende“ (Habeck) für viele Menschen eine Belastung mit sich bringt, wissen alle Akteure. Der Kieler Minister warf die rhetorische Frage auf: „Norwegen und Bayern profitieren – und wir schauen in die Röhre?“ Er appellierte dann an den Gemeinsinn der Menschen und forderte, dass die gesamte Gesellschaft das eben mit tragen müsse. „Und wo bleibt das Schutzgut Mensch?“ warf die Hohenfelder Bürgermeisterin Marion Gaudlitz ein. Hartmann verwies auf einen 40 Punkte umfassenden Kriterienkatalog für die Trassenauswahl. Eine Gewichtigung werde von Tennet aber nicht vorgenommen.

Steinburgs Landrat Thorsten Wendt zeigte sich am Ende aber dennoch zufrieden. Sein Eindruck: Hier werde ein offenes und faires Planungsverfahren betrieben. Besonders erfeut zeigte er sich darüber, dass jetzt mit Brokdorf und Glückstadt weitere zwei Elbquerungsvarianten im Rennen sind.

Auch Tennet betont, dass sie alle Hinweise von Politik, Verbänden und aus der Bevölkerung sehr ernst nehme, genau prüfe und eventuell in die Planung mit einbeziehe. So wurden erstmals zwei kleinere Alternativvarianten für den Trassenverlauf in der Wilstermarsch und im Raum Uetersen präsentiert. Insbesondere der modifizierten Marschtrasse werden allerdings nur geringe Chancen eingeräumt.

Bundesweit hat es auf Infomärkten bereits 3000 Fragen, Hinweise und Anregungen zur Trassenführung gegeben, darunter 141 aus Schleswig-Holstein.

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erstellt am 06.Sep.2014 | 16:00 Uhr

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