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Pinneberger Tageblatt

07. Dezember 2016 | 19:24 Uhr

Kreis Pinneberg : 500 Plastikdeckel für eine Impfung

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Sammelaktion Der Verein „Deckel drauf“ setzt sich dafür ein, dass Kinderlähmung die zweite Krankheit wird, die ausgerottet ist

„Deckel gegen Polio“ lautet das Motto, unter dem der Verein „Deckel drauf“ auch an mehreren Orten im Kreis Pinneberg Plastikdeckel sammelt, um sie später zu verkaufen. Mit dem Erlös unterstützt „Deckel drauf“ soziale Projekte, die sich weltweit für die Ausrottung von Polio einsetzen, etwa das „End Polio Now“ von Rotary International. Für 500 Deckel, die verkauft werden, um sie zu recyclen, kann laut „Deckel drauf“ eine Schluckimpfung gegen Polio finanziert werden. Und damit das Ziel der Weltgesundheitsorganisation WHO unterstützt werden, die Übertragung des Virus bis zum Jahr 2018 zu beenden.

Aus deutscher Perspektive scheint Polio eine Krankheit der Vergangenheit zu sein. Nachdem die Ständige Impfkommission (Stiko) zunächst die Schluckimpfung gegen das Virus in den 1960er Jahren als empfehlenswert eingestuft hatte, sank die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland rapide – waren es 1957 noch 2402 Neu-Infektionen in der Bundesrepublik, so infizierten sich im Jahr 1966  nur noch 17 Menschen mit der Krankheit. Die letzte Polio-Erkrankung in Deutschland trat 1990 auf. 2002 erklärte die WHO Europa erst einmal für poliofrei.

Aus der Welt geschafft ist die Krankheit jedoch noch nicht: In den vergangenen zehn Jahren gab es insbesondere in Pakistan, Afghanistan, Nigeria, Syrien, Kamerun, Israel, im Irak, in Äquatorial Guinea, Äthiopien und Somalia Fälle von Polio-Erkrankungen. Und auch in Europa tauchte das Virus wieder auf: Im vergangenen Jahr wurden in der Ukraine zwei Fälle gemeldet, in denen ein zehn Monate und ein vier Jahre altes Kind an Kinderlähmung erkrankten.


Mehr als 90 Prozent der Kinder sind geimpft


Das Robert-Koch-Institut warnte infolge der beiden ukrainischen Krankheitsfälle davor, das Virus auf die leichte Schulter zu nehmen. „Die Möglichkeit einer Einschleppung von Polioviren nach Deutschland durch Einreisende aus der Ukraine muss ernst genommen werden“, hieß es im September 2015 im „Epidemiologischen Bulletin“ des Robert-Koch-Instituts. Insbesondere da etwa 90 Prozent der Polio-Infektionen ohne Symptome verlaufen, könne nicht ausgeschlossen werden, dass sich ein Träger des Virus in Deutschland befinde. Ein gehäuftes Auftreten der Krankheit sei wegen der hohen Impfquote in der Bundesrepublik jedoch unwahrscheinlich. Mehr als 90 Prozent der Kinder, die im Jahr 2013 an einer Schuleingangsuntersuchung teilnahmen, waren laut Robert-Koch-Institut gegen Polio geimpft.

Sammelstellen, bei denen jeder Deckel abgeben kann:

Elmshorn: Hayungas Edeka Neukauf, Koppeldamm 29; Edeka-Hayunga E-Center, Wedenkamp 9a; Kreisverwaltung Pinneberg, Kurt-Wagner-Straße 11

Tornesch: Rieck Druck GmbH, Lise-Meitner-Allee 5

Brande-Hörnerkirchen: Müller-Martin, Rosentwiete 3

 

Zwischenlager für Sammelstellen:

Tornesch: GAB Umwelt Service Verwaltung, Bundesstraße 301 (Zwischenlager); Recyclinghof GAB, Hasenkamp 15 (Zwischenlager)

Trotz der beiden europäischen Fälle bestehe Hoffnung, dass das Virus 2018 nicht weiter übertragen wird, hieß es in der Oktober-Ausgabe des „Epidemiologischen Bulletins“: 80 Prozent der Weltbevölkerung lebten bereits in poliofreien Gebieten. Und mit insgesamt 51 gemeldeten Fällen bis Oktober, habe die Zahl der Polio-Neuinfektionen 2015 einen historischen Tiefstand erreicht. Lediglich in Pakistan und Afghanistan sei die Krankheit im vergangenen Jahr noch endemisch, also gehäuft, aufgetreten.

Dass Polio nach den Pocken die zweite Krankheit werden könnte, die ausgerottet wurde, ist zu einem großen Teil Rotary International zu verdanken. Denn die Organisation, an die auch die Erlöse von „Deckel drauf“ fließen, setzt sich seit 1985 gemeinsam mit der WHO und weiteren Organisationen für die Bekämpfung der Krankheit ein.

Internetseite des Vereins

Informationen zur Polio-Impfung

 

 

 

 

 

 

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erstellt am 18.Jul.2016 | 12:00 Uhr

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